TAKING BACK SUNDAY – Stuttgart, Universum (18.12.2014)

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Eine Woche vor Weihnachten beendeten Taking Back Sunday gemeinsam mit ihren beiden nicht zu unterschÀtzenden Vorbands ihre Deutschlandtour in einem kleinen Club unterhalb einer Kreuzung, mitten in Stuttgart.

Der tĂ€gliche Opener war Blitz Kids. Eine Alternative Band aus England, die man eventuell auch schon als Post-Rock bezeichnen kann. Man war der Meinung diese Jungs hatten den Abend fĂŒr sich allein. Denn akustische AuffĂ€lligkeiten verrieten ihre Fanbase frĂŒhzeitig. Der vordere Bereich der BĂŒhne, oder sei es zumindest die ersten zwei Reihen, waren sozusagen der Support der Blitz Kids. Lautstarkes Mitsingen und Springen verschleierten jeglichen Gedanken daran, dass wir uns noch bei der ersten von drei Bands befanden.

SĂ€nger Joe James, der mit ĂŒberzogenen RockstarattitĂŒden auf der BĂŒhne rumwackelte, als hieße er Billie Armstrong und ebenso sein Mikro festhielt, bekam sich zu Mitte des Sets zunehmend in den Griff und tendierte mehr und mehr zu einem sympathischen Frontmann. Seine NervositĂ€t war verflogen und fortan lĂ€chelte er jedes MĂ€del an, das seine Blicke kreuzte.
Eine gute Band, konnte man meinen, sei Alternative Rock nicht schon so durchgekaut, wÀren sie sogar noch besser. Aber es blieb beim ganz normalen Alt-Rock, der als Opening Band keinesfalls verkehrt war und an dem die meisten sichtlich Freude hatten.

Setlist Blitz Kids:
01. Sometimes
02. RUn For Cover
03. Keep Swinging
04. Sold My Soul
05. All I Want
06. On My Own
07. Perfect

Nach dem Opener, kam der offizielle Support. FĂŒr Taking Back Sunday waren es die ebenfalls aus England stammenden Marmozets. Bestehend aus zwei Geschwistergruppen, Jack und Will Bottomley (Gitarre und Bass), sowie Becca, Sam und Josh Macintyre (Vocals, Gitarre, Drums), sind sie die derzeit heißeste Rockband von der Insel. 2014 war ihr Jahr, mit weltweiten Auftritten, nicht endenden positiven Kritiken und einer einzigartigen BĂŒhnenperformance setzten sie ihre Zerstörung fort. Ich habe schon viele Bands auf der BĂŒhne erlebt, doch diese Truppe ist anders. Komplettes Ausrasten war Thema des Abends. Schon beim ersten Song ist Bassist Will am Headbangen als spiele er die Zugabe im Slayer-Set. Gitarrist Jack schmeißt sich mit seinem Instrument von links nach rechts, als mĂŒsse er Lawinen ausweichen und bleibt stets in seinem perfekten Spiel. Fehlersuche = Fehlanzeige! Egal wie sie sich anstellen, der Sound ist eine Wucht, und mit ihm Beccas gewaltige Stimmfarbe. Die Grenzen einer SĂ€ngerin schienen bei ihr nicht zu existieren, so kann sie ihre Stimme einsetzen um das Genre der Band komplett zu variieren. Und das scheint diese Band ganz anders wirken zu lassen. FĂ€ngt sie an zu schreien, klingen sie wie Metalcore, geht sie es ruhiger an wĂ€ren sie Konkurrenten der Poprock Szene neben Paramore, nur mit viel mehr instrumentaler KreativitĂ€t. So bilden sich nicht selten in jedem Song wechselweise Gitarrenriffs und Melodien die so ausgereift und voller Ideen sind, dass man neugierig wird, was diese Band die nĂ€chsten Jahre noch so zustande bringen wird. Spaß hatten auch die Stuttgarter Besucher, denn wann sieht man schon mal Moshpits bei einer Vorband?! Nicht, dass es ein Einzelfall war, auch in Köln gab es kein Halten mehr. Stuttgart benötigte nur einen kleinen Anschubser, fĂŒr den Will sorgte, indem er mit seinem Bass – spielend – sich im Moshpit beteiligte und anschließend lĂ€chelnd zufrieden nach Luft schnappte.

Setlist Marmozets:
01. Born Young And Free
02. Why Do You Hate Me
03. Captivate You
04. Is It Horrible
05. Weird And Wonderful
06. Hit The Wave
07. Move, Shake, Hide
08. Vibetech

Wie kann man das nun noch toppen. Taking Back Sunday betraten die BĂŒhne, hartgesottene Blitz Kids Fans hatten sich bereits nach hinten verkrochen, Der Moshpit der Marmozets war nun Geschichte und von Taking Back Sunday gab es eigentlich nicht mehr viel zusĂ€tzlich zu erwarten, oder doch?

Zumindest der weibliche Anteil durfte begeistert gewesen sein, denn Frontmann Adam Lazzara wusste zu bekehren. Mit seiner immensen KörpergrĂ¶ĂŸe war er nicht nur der GrĂ¶ĂŸte auf der BĂŒhne des ganzen Abends und reichte fast bis an die Decke, er wusste es auch die weiblichen Fans zu bezirzen. Mit seiner angetrunkenen Lockerheit, Whiskey geht bei ihm ja zur Tagesroutine, schwankte er ĂŒber die BĂŒhne, wie man es gewohnt ist. Das Mikro Lady like umklammert mit ein paar Fingern, als wĂŒrde er es nur notgedrungen mit sich tragen, wirkte zumindest seine Stimme an dem Abend recht nĂŒchtern und kraftvoll. Abweichende Tonlagen fielen nicht auf, sofern es dazu kam. Die Performance von Taking Back Sunday war sauber und ĂŒberzeugend, ich hĂ€tte nicht gedacht, dass sie mich noch etwas positiv ĂŒberraschen könnten, nach der doch eher katastrophalen Vorstellung beim diesjĂ€hrigen Highfield Festival. Den Abend hatten sie aber trotzdem nicht gewonnen. Es schien fast ironisch, dass sich Bassist und Gitarrist nach hinten bzw. zur Seite orientierten, um der Diva mehr Freiraum bieten zu können. Ja, wenn man ein Auge zudrĂŒckt und Toleranz zeigt, war es ein solider Auftritt. Doch die Glanzzeiten kommen auf die Art und Weise wohl auch nicht wieder zurĂŒck. Geht es mit der Band bald zu Ende? 2006 waren dreimal so große KonzertrĂ€ume ausverkauft. Jetzt, mit zwei guten Vorbands, konnte man nicht mal den kleinen Club fĂŒllen. Wir werden gespannt sein, Fans wird es aber sicher weiterhin geben.

Setlist Taking Back Sunday:
01. Ghost
02. Decade
03. Number five
04. Stood a chance
05. Liar
06. Timberwolves
07. The don’t have friends
08. Faith
09. Set phasers

10. Ring song
11. So last summer
12. Error operator
13. My blue heaven
14. Flicker
15. All the way
16. Cute
17. MDS

Taking Back Sunday:

Marmozets:

Blitz Kidz:

Fotos: André Techert

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