BETH HART & JOE BONAMASSA – Live In Amsterdam

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Unsere Bewertung

7 Bewertung

Schicke Schuhe haben sie beide. Elegante rote Treter bei Joe Bonamassa, High Heels bei Beth Hart. Live in Amsterdam beginnt mit einer kleinen filmischen Kollage, die keinen Zweifel daran aufkommen lĂ€sst, dass wir uns tatsĂ€chlich in Amsterdam befinden: Grachten und Rotlicht. Die Kollage endet mit den Beinen der beiden Musikern, bevor sie die BĂŒhne im Amsterdamer CarrĂ© betreten.
Joe Bonamasa und Beth Hart, Beth Hart und Joe Bonamassa. Nach bereits zwei Alben (Don’t explain von 2011, See Saw von 2013) zusammen, gibt es nun auch ein audiovisuelles Zeugnis der Zusammenarbeit der beiden KĂŒnstler. Live in Amsterdam prĂ€sentiert ein beinahe zweistĂŒndiges Konzert der Beiden, nun ja, in Amsterdam. Aufgenommen im Jahr 2013, also relativ kurz nach der Veröffentlichung des zweiten gemeinsamen Albums, wird eine bunte Mischung aus Blues-Standards, Songs von Beth Hart, Songs von Joe Bonamassa und gemeinsamen Nummern geboten.

Die Begleitband (bestehend aus Anton Fig, Carmine Rojas, Blondie Chaplin, Arlan Schierbaum, Lee Thornburg, Ron Dziubla und Carlos Perez Alfonso) gehört wohl zu den besten Musikern, die man sich anschauen kann. Einmal Tasteninstrumente, Schlagzeug, drei BlĂ€ser, sowie Bass-, Rhythmus- und Leadgitarre. Vom Sound her erinnert die Band immer wieder an das Brian Setzer Orchestra, auch eine (kleine) Bigband hinter einem großen Gitarristen, die ein großes Klangbild, einen wirklich massiven Sound hervor bringt.
Beth Hart wirkt dabei immer wieder wie eine junge Tina Turner, was im Blues-Kontext durchaus als Kompliment zu verstehen ist (man schaue sich nur die Version von Nutbush City Limits an). Sie tanzt, arbeitet, schwitzt, brĂŒllt und singt sich die Seele aus dem Leib. Nach ungefĂ€hr 40 Minuten kann sich Beth Hart dann endlich mal ein wenig am Piano ausruhen. Nach zwei Songs hat sie dann wohlverdiente Pause, wĂ€hrend Joe Bonamassa kurz die Vocals ĂŒbernimmt (Someday after awhile (youÂŽll be sorry)). Leider ist dies, meiner bescheidenen Meinung nach, nicht seine stĂ€rkste Seite, gerade im Vergleich zu Beth Hart. Genau wie der andere große, weiße Blues-Gitarrist, namentlich Eric Clapton, ist er am besten, wenn er die Gitarre sprechen lĂ€sst. Und wenn diese spricht, dann hat sie viel zu erzĂ€hlen. Joe Bonamassa wird inzwischen immer wieder als einer der besten Blues-Gitarristen der Gegenwart bezeichnet und dieses Konzert beweist durchaus beeindruckend, dass dieses Lob nicht von ungefĂ€hr kommt. Riffs, Soli, Slide-Guitar, Mr. Bonamassa lĂ€sst keinen Moment Zweifel daran aufkommen, dass das hier seine Musik ist. Man kann ihm unter UmstĂ€nden vorwerfen, und das ist Kritik auf verdammt hohem Niveau, dass sein Spiel zuweilen etwas zu analytisch fĂŒr Blues ist. Vielleicht liegt es auch an seiner netten neuen Frisur, aber er wirkt wie ein Professor des Blues, er ist kein Getriebener, kein Gefangener des Blues.

Mir lag zu Rezensionszwecken die Doppel-DVD vor. Die erste DVD bietet das fast zweistĂŒndige Konzert, auf der zweiten DVD findet der geneigte Zuschauer einiges an Bonusmaterial. Das Special Up, down, all around – Behind the Seesaw bietet fast eine Stunde an Interviews und Aufnahmen wĂ€hrend der Proben und des Starts der gemeinsamen Tournee. Das Making of Live in Amsterdam ist noch mal ĂŒber 40 Minuten, die sich auf die Aufnahmen in Amsterdam konzentrieren. Gleich zu Anfang zieht Joe Bonamassa den Vergleich zu Tina Turner, der demnach nicht von ungefĂ€hr kommt. Mr. Bonamassa kommt in den Interviews sehr sympathisch rĂŒber, wĂ€hrend er auf der BĂŒhne eher etwas distanziert wirkt. Selbst wĂ€hrend der Interviews lĂ€sst er seine Gitarre sprechen, angenehm
 Man erfĂ€hrt viel ĂŒber die HintergrĂŒnde der Show, so dass es zum Beispiel das Ziel war, eine Show im Stil der großen Blues- und Soul-Revues der 60er Jahre auf die BĂŒhne zu bringen. Als weiteren Bonus gibt es noch eine weitere, alternative Version von Someday after awhile (youÂŽll be sorry), sowie einige uninteressante Photo-Gallerien.

Das Konzert selber ist angenehm dezent ausgeleuchtet, die Band ist perfekt, Beth Hart ist eine Naturgewalt und Joe Bonamassa ein Meister der Gitarre. Der Konzertfilm bietet also nicht mehr, und auch nicht weniger, als fantastische Musiker bei ihrer Arbeit. Keine große Show, das Publikum ist zwar da und hat viel Freude, ist aber kein Faktor beim Genuss der Konzert-Konserve. Ob es daher unbedingt notwendig ist, dieses Konzert anzuschauen, bleibt jedem selbst ĂŒberlassen. Ich denke, ich bevorzuge einen Sessel, einen Kopfhörer und geschlossene Augen. Meine Kaufempfehlung tendiert daher in Richtung Vinyl oder Doppel-CD.

Das Bild der DVD macht auch auf 60 Zoll einen sehr ordentlichen Eindruck. Leider wurde bei den Tonspuren dann doch etwas gespart. Es gibt zwar insgesamt drei Optionen, einmal Dolby Digital 5.1, einmal DTS 5.1 und einmal Stereo, leider auch nur Dolby Digital. Somit wurde auf eine unkomprimierte Tonspur, die das Konzert sicher verdient hĂ€tte, leider verzichtet. Die DVD ist also lediglich eine Notlösung, Audiophile werden wohl das Triple-Vinyl vorziehen, wer Bild und Ton gerne in bestmöglicher QualitĂ€t hĂ€tte, wird wahrscheinlich zur Blu-ray greifen mĂŒssen (die Daten liegen mir leider nicht vor).

Am Ende bleiben nur zwei Fragen ungeklĂ€rt: Wie kann Joe Bonamassa mit dieser riesigen Uhr am linken Handgelenk spielen und warum trĂ€gt Beth Hart diesen blauen Lederlappen? I’d rather go blind


Tracklist:
01. Amsterdam, Amsterdam!
02. Them There Eyes
03. Sinner’s Prayer
04. Can’t Let Go
05. For My Friends
06. Close To My Fire
07. Rhymes
08. Something’s Got A Hold On Me
09. Your Heart Is As Black As Night
10. Chocolate Jesus
11. Baddest Blues
12. Someday After Awhile (You’ll Be Sorry)
13. Beth introduces the band
14. Well, well
15. If I Tell You I Love You
16. See Saw
17. Strange Fruit
18. Miss Lady
19. I Love You More Than You’ll Ever Know
20. Nutbush City Limits
21. I’d Rather Go Blind
22. Antwerp Jam (Credits)

 

Autor: Andreas Viehoff

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