CRIPPLED BLACK PHOENIX – White Light Generator

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9 Bewertung

Crippled Black Phoenix – White Light Generator

Die Erde ist nicht immer ein fröhlicher Ort. Das wĂŒrden wohl die meisten so stehen lassen. Warum sie sich dennoch weiter dreht? Vielleicht sind es die schweren, tragenden Rhythmen, die das neue Crippled Black Phoenix Album White Light Generator liefert. Ob in No! Part 1 und 2 in schleppendem Tempo, vom Tremolo vorbestimmt, auch beim Einsatz des Schlagzeuges nicht dem GefĂŒhl weichend, dass man an der Dachkante steht und sich der Schwerpunkt langsam aber sicher dem Bodenlosen zubewegt oder dem Track Northern Comfort von der zweiten HĂ€lfte, der White Side, der CD, das zwar treibender zur Sache geht, in seinem beharrlichen Ostinato und den ruhigen Zwischenteilen aber nicht weniger bedrĂŒckend rĂŒber kommt: Das Album ist so direkt, rhythmisch und im positiven Sinne einfach, dass es das Marschtempo fĂŒr eine pessimistische Welt bieten könnte.

Damit es nicht zu dunkel wird – oder der Eindruck gerade noch verstĂ€rkt wird? –, steuert der Opener Sweeter Than You (ein Cover von Ricky Nelson) als leicht schnulziger Oldie jeder Erwartungshaltung und dem Rest des Albums entgegen. Umso wuchtiger schlĂ€gt einem das darauf folgende, bereits erwĂ€hnte, No! entgegen, zu dem man fĂŒr das Gitarrensolo im zweiten Part doch zum tausendsten Mal den Pink Floyd Vergleich stressen muss. Die erste HĂ€lfte der CD bewegt sich dann recht homogen dem Höhepunkt zu: Der nur minimal atmosphĂ€risch instrumentalisierten Ansage des zensierten Tracks. Eine Ansage an die Gewalten, die MĂ€chtigen, die, ohne die sich die Welt scheinbar nicht mehr dreht. Daniel Änghede, der neue SĂ€nger, droht hier mit teils verzerrter Stimme und beschwört die Macht derer, die scheinbar keine Besitzen. Einen besseren Titel, als die Zensur des Titels, hĂ€tte man nicht wĂ€hlen können. Der paranoide und in die Ecke gedrĂ€ngte Abschluss einer mĂ€chtigen Black Side.

Auf der White Side geht es dann leichter zu. Es tauchen Referenzen zum ersten Teil auf (You’ll Be Murdered), insgesamt wirkt sie aber offener, mit weniger schweren Gitarrenriffs, dafĂŒr luftigeren Akkorden und einem prĂ€senteren Klavier. Das passt auch sehr gut in die Produktion. Justin Greaves hat noch stĂ€rker auf analogen Sound gesetzt. Alles klingt Ă€lter, wenig kantig, aber dennoch fett. Ein simpler und roher Sound – man könnte sagen erdig –, der weniger verspielt ist, sondern den emotionalen Inhalt der Musik stĂ€rker hervorhebt. Und wie sich die Musik im Laufe der gut 70 Minuten wandelt, verĂ€ndert sich auch die GefĂŒhlslage in den Liedern. Nach der dystopischen Klimax scheint sich eine positive Seite zu zeigen, wenn auch nicht fröhlich, so doch weniger depressiv. Jedem Ende wohnt bekanntlich ein Anfang inne und das bestĂ€ndige Ostinato aus Chaos und Regulation ist nur allzu oft in die GeschichtsbĂŒcher geschrieben worden. Und egal wie schlimm es ist, die Welt dreht sich eben doch immer weiter. Crippled Black Phoenix schreiben mit White Light Generator auch fĂŒr sich selbst eine neue Zeitrechnung. Zum 10-jĂ€hrigen JubilĂ€um, mit neuem Sound und Daniel Änghede als neuem SĂ€nger, haben sie sich im besten Sinne weiterentwickelt, ohne vom Kurs abzukommen. Eine Entwicklung, die leider nicht jede Band vorweisen kann.

Tracklist:
01. Sweeter Than You
02. No!, Pt. 1
03. No!, Pt. 2
04. Let’s Have an Apocalypse Now!
05. Black Light Generator
06. Parasites
07. _______
08. Northern Comfort
09. Wake Me Up When It’s Time To Sleep
10. Caring Breeds the Horror
11. You’ll Be Murdered
12. We Remember You
13. A Brighter Tomorrow

Autor: Philipp Mantel

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