HARLEM GLOBETROTTERS – Bonn, Telekom Dome (26.03.2014)

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Am Mittwoch den 26. MĂ€rz 2014 gastierte die amerikanische Basketball Mannschaft Harlem Globetrotters im Telekom Dome in Bonn. Die sich im Ortsteil Duisdorf befindende Basketballhalle ist die HeimspielstĂ€tte der Telekom Baskets Bonn, einer der er erfolgreichsten Mannschaften in Deutschland. Doch anstatt sich mit diesem wĂŒrdigen Gegner anzulegen, brachten die US-Amerikaner ihren Gegner einfach selber mit. Was auf den ersten Moment irrsinnig klingt, ergibt einen tieferen Sinn, wenn man erfĂ€hrt, dass die Globetrotters mehr eine Showtruppe als eine richtige Mannschaft sind.

Bevor die Zuschauer erfuhren was denn das genaue Konzept der Globetrotters ist und warum man sich das statt eines echten Spiels anschauen sollte, gab es jedoch zwei regulĂ€re Basketball Spiele im Vorprogramm. Anlog zu Vorbands auf Pop- und Rockkonzerten gab es an diesem Abend zwei Trainingsspiele ĂĄ 20 Minuten. WĂ€hrend sich die Halle langsam fĂŒllte traten zwei Jugendmannschaften aus der Bonner Region gegeneinander an. Im Anschluss spielte die Rollstuhlbasketballmannschaft vom ASV Bonn ein Spiel gegen sich selbst. Mit Sportlern die bei den paralympischen Spielen eine Goldmedaille gewonnen haben, waren hier bereits Spitzensportler am Werk. Es gab nĂ€here ErklĂ€rungen zu den auf Rollstuhlfahrer angepassten Regeln und man konnte eindrucksvoll sehen, dass Basketball auch ohne SprĂŒnge interessant sein kann.

Kurz nach 19:00 Uhr war es dann soweit und das Hauptprogramm begann. Zuerst trat das Maskottchen („Globie“, ein Globus) auf und band die Zuschauer massiv ein. Die kleineren Kinder durften ein paar Körbe werfen und vier Jugendliche wurden kurzerhand zu einem Tisch verknotet. FĂŒnf Minuten spĂ€ter verschwand der Globus und die Stars des Abends betraten die Halle. Schnell waren sie und ihre Gegner vorgestellt und ein paar zusĂ€tzliche Regeln erklĂ€rt. Neben Markierungen in der Halle auf denen man vier Punkte zĂ€hlende Körbe werfen konnte und Trikots deren TrĂ€ger doppelt Punkte bekommen, wurden sogenannte Trickshot-Challenges eingefĂŒhrt, bei denen die Globetrotters einen besonderen Trickwurf ausfĂŒhren mĂŒssen und dabei fĂŒnf Punkte gewinnen können. Beim Verfehlen des Korbs erhalten die Gegner fĂŒnf Punkte. Was hier als ergĂ€nzendes Regelwerk prĂ€sentiert wurde war aber wie sich im Laufe des Abends heraus stellte, das einzige regelĂ€hnliche was in irgendeiner Art und Weise Beachtung fand. Was auf dem Spielfeld passierte kann wohl mehr als pure Anarchie beschrieben werden.

Was nun folgte waren vier Viertel in denen enorm viel auf dem Spielfeld passierte, von dem aber nicht viel Basketball war. Fokus der Darbietung lag ganz klar auf Klamauk, Slapstick und Unterhaltung und das Basketballspiel geriet in den Hintergrund. Das gegnerische Team floh nahezu vor dem Ball und landet nur ab und an einen Alibitreffer. FĂŒr das Körbewerfen hatten sie auch viel zu wenig Zeit, denn sie waren mehr als genug damit beschĂ€ftigt sich von den Globetrotters ausdribbeln zu lassen und dabei so unfĂ€hig wie möglich auszusehen. Als wĂ€re dies nicht genug, griffen die Helden des Abends auch noch zu unfairen Tricks: Es wurden Hosen heruntergezogen, Trikots zerrissen, Körbe im wahrsten Sinne des Wortes besetzt und Ă€hnliches. Neben der Interaktion zwischen den Globetrotters und den unglĂŒcklichen Herausforderern, interagierten die Globetrotters auch viel untereinander, mit dem Publikum oder dem Schiedsrichter. Man diskutierte mit den Unparteiischen, tĂ€nzelte mit kleinen MĂ€dchen ĂŒber das Spielfeld, klaute eine Handtasche, flirtete mit den Zuschauern, spritzte mit Wasser, benutzte Kinder als Schutzschild, ließ Kinder Körbe werfen, verschenkte Merchandiseartikel an die Kleinen, tanzte YMCA, lies sich von einer Dame aus dem Publikum kĂŒssen, machte den Harlem Shake, unterzog den Schiedsrichter einem Metaldetektortest, spielte aus dem Publikum, verkleidete sich als Spongebob, machte Salti, bewegte sich langsam rĂŒckwĂ€rts als Zeitlupeneffekt und so weiter. Die Liste ließe sich beinahe endlos fortfĂŒhren. Nur wenn dann zwischenzeitlich nichts anderes zu tun war, wurde ein bisschen Basketball gespielt.

Viele Showeinlagen brachten einen Erwachsenen maximal zum lĂ€cheln* aber waren unterhaltsam fĂŒr die vielen Kinder die sich im Telekom Dome eingefunden hatten. Als Gesamtprogramm zwar recht amĂŒsant, aber da viele Gags aus der Kategorie Spongebob kamen, nicht fĂŒr jeden etwas. Interessanter waren da schon die einzelnen Szenen, wo wirklich gezeigt wurde, dass hier Spieler auf dem Feld standen, die die Sportart die sie vorgaben zu spielen auch beherrschten. Beeindruckendes TrickwĂŒrfe und nette Dunks gab es zwar, aber viele Zuschauer hatten gehofft deutlich mehr von diesem spielerischen Können zu sehen. In der Lage dazu wĂ€ren sie sicherlich gewesen.

FĂŒr Basketball (oder Sport im Allgemeinen) begeisterte Kinder war das sicherlich ein toller Spaß und auch fĂŒr Erwachsene hatte es unterhaltsame Elemente. Aber ob man sich nicht doch lieber ein echtes Spiel anschaut, sollte gut ĂŒberlegt sein. Nach rund 50 Minuten war das Spektakel vorbei und die Spieler und die Spielerin gaben bereitwillig Autogramme fĂŒr ihre Fans und posierten fĂŒr Fotos mit ebendiesen.

PS: Gewonnen haben ĂŒbrigens (wenn wundert es) die Harlem Globetrotters und somit bleiben sie seit rund 42 Jahren ungeschlagen.

* mit Ausnahme einer Gruppe Amerikaner um die 30, die wirklich bei jedem Hosenzieher o.Ă€. lauthals los prusteten. Wirklich! Jedes! Einzelne! Mal!

Bilder des Events befinden sich in unserer Konzertfotos-Sektion unter !EventPictures (Bildkommentare sind durch Anklicken der Sprechblase möglich) oder direkt durch Anklicken der Fotos.

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Fotos: Markus HillgÀrtner

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