PARRALOX – Recovery

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8 Bewertung

Parralox – Recovery??

Coverversionen sind ein zweischneidiges Schwert: die einen schĂ€tzen den Mut, Eigeninterpretationen bekannter Songs auf den Markt zu bringen, fĂŒr die anderen zĂ€hlt nur das Original. Die australische Synthpop Band Parralox bringt sogar ein komplettes Coveralbum heraus. Das Duo, welches immer gerne ihre Lieblingsbands zitiert (mal mehr mal weniger subtil) zeigt nun, was es diesbezĂŒglich drauf hat. Ein Experiment in Sachen Pop.

Parralox starten mit einer Coverversion des Pet Shop Boys StĂŒcks In the Night. Das schöne ist, dass man sich hier einen nicht so ganz bekannten Titel gekrallt hat und dieser ist erfrischend eingĂ€ngig inszeniert worden. Ein mutiger Schritt ist der nĂ€chste Song. HĂ€tte man dem Rezensenten gesagt, dass es jemand wagen wĂŒrde, den The Alan Parsons Project-Klassiker Eye in the Sky zu covern, er wĂ€re an die Decke gegangen. Aber ein guter Song bleibt ein guter Song und auch im Synthiegewand funktioniert die geniale Komposition bestens. Bravo! Auch von Front 242s Headhunter gab es schlechtere Versionen als die von Parralox, die zwar softer ist als das Original, aber dennoch genĂŒgend Schmiss besitzt, um auf dem Dancefloor zu bestehen. Nach drei StĂŒcken mit der Stimme von John van Ahlen gibt es nun endlich die ungleich sanftere von Amii Jackson zu hören, die Touched by the Hand of God von New Order intonieren darf. Anschließend gibt es den ungewöhnlichsten Titel der CD zu hören. KebabtrĂ€ume der Ausnahmeband D.A.F. John ließ es sich nicht nehmen, das Lied mit seinem interessanten deutschen Dialekt zu singen (Sein Nachname klingt zudem sehr europĂ€isch). Ein StĂŒck, welches einfach Spaß macht. Mit einer Mischung aus New Wave und Popakzenten ist A Forest von den Vorzeigegrufties The Cure gewĂŒrzt. Auch neue, passende Harmonien helfen der Coverversion problemlos neben dem Original zu bestehen. Depeche Mode zu covern ist leider auch immer so ein Thema, bei dem genervte „Devotees“ zusammenzucken und die ZĂ€hne zusammenbeißen. Doch Amii macht ihre Sache gut, das StĂŒck (Somebody) hat AtmosphĂ€re und geht unter die Haut, hat aber nicht die intime Tiefe der Vorlage und die Vocoderstimme stört etwas im GesamtgefĂŒge der Hommage. Dass Australier riesige ABBA Fans sind, ist kein Geheimnis. So war es unvermeidlich, dass die „Aussies“ einen Song der Popgötter bearbeiten. Auch hier – und das ist ein Plus auf ParraloxÂŽ Habenseite – wurde kein abgenudelter Titel genommen, sondern die letzte Single des Quartetts, die spĂ€ter von der britischen Gruppe Blancmange gecovert wurde. Und Blind Vision eben dieser Band bekommt eine Neuinterpretation verpasst. Liest man sich die Tracklist der CD durch, so könnte sie von einer „Best of 80s“-Scheibe stammen und da darf natĂŒrlich auch A little Respect von Erasure nicht fehlen, der recht unspektakulĂ€r umgesetzt wurde. Mit Kraftwerks The Model wird Recovery ein wenig experimenteller und das ist ein Schritt, der Sinn ergibt: das StĂŒck, welches man zu recht als ersten Synthiepop Titel der Welt nennen darf, steht Amiis Stimme gut zu Gesicht und die schrĂ€gen Töne hier und da sorgen fĂŒr den nötigen Widerhaken. Leider wird der gute Gesamteindruck der Cover CD durch die seltsame Neuinterpretation von Love will tear us apart von Joy Divison getrĂŒbt, denn die 80er Jahre Acid Version will einfach nicht passen. Dennoch: zugreifen ist angesagt, denn die CD ist auf 500 Einheiten streng limitiert.

Fazit: mutige und durchaus gelungene Hommage an die Helden der 80er.

Diese CD könnte euch gefallen, wenn ihr die Samplerreihe „Pop & Wave“ und KĂ€ngurus mögt.

Tracklist:??
01. In The Night Two
?02. Eye In The Sky
?03. Headhunter
?04. Touched By The Hand Of God
?05. KebabtrÀume
?06. A Forest
?07. Somebody
?08. The Day Before You Came
?09. Blind Vision
?10. Physical Attraction
?11. Silent Morning
?12. A Little Respect
?13. The Model?
14. Love Will Tear Us Apart

Autor: Frank Stienen

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