ELIF – Leipzig, Werk II (26.01.2014)

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Schwer zu glauben, dass es sich hier um ein Konzert einer ehemaligen Castingshow-Teilnehmerin handelte. Vor etwa 4 Jahren wurde sie im Finale einer Popstars Staffel Zweite und verschwand, wie schon viele andere vor ihr, von der Bildfl├Ąche. Wider Erwarten begann sie anschlie├čend weiterhin an ihrer Gesangskarriere zu arbeiten, kn├╝pfte wichtige Kontakte und fing an ihre eigenen Songs zu ver├Âffentlichen. Erfreulich, dass es nun f├╝r sie wieder solide bergauf geht. Nach bisherigen Supportslots f├╝r Tim Bendzko, Bosse und Ronan Keating geht es mit ihrer ersten Tour nun quer durch deutsche Clubs, wie auch am vergangenen Sonntag ins Leipziger Werk II.

Gegen Neun Uhr war es soweit. Das Licht wurde gedimmt, die Band betrat die B├╝hne und startete mit einem instrumentalen Part der in den Song Regenstadt einleitete, wo Elif voller Energie auf die B├╝hne rannte, und unter umjubeltem Empfang sofort die Erste Reihe per Handschlag begr├╝├čte. Nach einer kurzen Begr├╝├čung ging es mit dem Song Hol mich ab weiter, welcher bisher nur als Bonustrack zu finden ist. Gefolgt von Ein Wort, das recht langsam, jedoch mit der mehrk├Âpfigen Liveband keinesfalls leise war und einen guten Vorgeschmack auf das gab, was der Abend gesanglich noch zu bieten hatte. Mit 200 Tage Sommer folgte einer ihrer bekanntesten Songs. Das Musikvideo dazu wurde von Justin Kruse auf Sri Lanka gedreht, welcher schon mit K├╝nstlern wie Max Herre und Leslie Clio zusammengearbeitet hat. Und diese Leichtigkeit die man in diesem Video sieht, verspr├╝hte sie ebenso bei ihrer Live-Performance, auch wenn der Song eher melodisch gl├Ąnzt als poetisch. Ich bin da, ein Song der aussagt man selbst zu sein und sich nicht f├╝r andere zu verbiegen, machte ihr sichtlich Spass. Das Publikum ging von Anfang an mit, zwar gab es in der Halle noch reichlich L├╝cken, doch waren alle mit Blicken nach vorn gerichtet, wie hypnotisiert von der Freude und Austrahlung Elifs. Nach dem Liebeslied Du kam eines meiner pers├Ânlichen Highlights: Zirkus. Manche meinen vielleicht es sei einer der schw├Ącheren Lieder des Albums, doch die Tiefe des Songs, der etwas d├╝stere Klang und die damit verbundenen, wirklich erstklassig getexteten und gef├╝hlvoll gesungenen Strophen, machten diesen Teil des Konzerts zu einem Erlebnis.

Gegen Ende ihres Sets kam noch der an ihren Vater gewidmete Song Baba und das emotionale Gegenst├╝ck an ihre Mutter namens Danke. Dazwischen Du kannst mir nichts und der Titelsong zum Album Unter meiner Haut.
Nach kurzer Pause war es Zeit f├╝r zwei Zugaben. Bevor es mit dem letzten Song Nichts tut f├╝r immer weh ausklang, sang Elif Rosarot. Ein Cover des Hamburger Musikers Fayzen, welches schon im Original ├╝berw├Ąltigend klingt. Ihr Cover ist aber sehr ├╝berzeugend und ebenso traurig mit etwas Melancholie… und Hoffnung. Alles in Allem hat man durchgehend das Gef├╝hl, jeder Song st├╝nde f├╝r einen wichtigen Abschnitt ihres Lebens. Wendepunkte oder Wegweiser, auf die sie stolz und mit Hingabe zur├╝ckblickt.

Vergessen wir also ihre Vergangenheit und machen uns ein neues Bild von ihr. Elif, ein t├╝rkisch-deutsches Ausnahmetalent, das beweist, dass es keine deutschen Wurzeln ben├Âtigt um die Sch├Ânheit der Sprache im Gesang wertzusch├Ątzen. Ihre sympathische, selbstbewusste und zudem sch├╝chterne B├╝hnenpr├Ąsenz ist die richtige Zutat um die Zuschauer in ihren Bann zu ziehen. Und das wollen wir ganz bestimmt auch bei ihrer n├Ąchsten Tour!

Setlist:
01. Intro + Regenstadt
02. Hol mich ab
03. Ein Wort
04. 200 Tage Sommer
05. Ich bin da

06. Du
07. Zirkus
08. Ewig
09. Der Anzug
10. Feuer
11. Baba
12. Du kannst mir nichts
13. Unter meiner Haut
14. Danke
15. Rosarot (Z)
16. Nichts tut f├╝r immer weh (Z)

Autor & Fotos: Andr├ę Techert

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