PATRICK WOLF – Bochum, Christuskirche (13.12.2013)

2013-12-13_Patrick_Wolf_-_Bild_025x.jpg
Gesch├Ątzte Lesezeit: 3 Minute(n)

Es ist in den letzten Tagen deutlich k├Ąlter geworden und was liegt da n├Ąher, als einen K├╝nstler einzuladen, der sein aktuelles Programm passenderweise A Night Of Winter betitelt? Wenn dieser K├╝nstler dann auch noch so talentiert ist wie Patrick Wolf, gibt es eigentlich keinerlei Zweifel mehr an einem gelungenen Abend.

Scheinbar war sich Patrick Wolf selbst ├╝ber Nacht auch dieser Tatsache bewusst geworden und so trug er, nachdem er dem Weihnachtsbrauch am Vorabend in Berlin noch abgeschworen hatte, in der Bochumer Christuskirche einen leuchtend roten Nussknacker-Weihnachtspullover, was einerseits so unglaublich kitschig war, auf der anderen Seite aber genau das widerspiegelt was Patrick Wolf auch neben seinem musikalischen Wirken ausmacht, denn l├Ąngst gilt er ob seiner ausgefallenen Outfits als eine Stilikone, den passenden Ritterschlag bekam er von niemand anderem als Lady Gaga, die einer seiner gr├Â├čten Fans ist. So einer darf das…

Kurz nach 20:30 Uhr ging es zur Freude des langsam ungeduldig werdenden Publikums los und zwar mit Patrick solo, kurze Zeit sp├Ąter folgten ihm dann aber seine Violinistin und ein Akkordeonspieler, die ihn bei den meisten der heutigen Songs abwechselnd oder gemeinsam begleiten. Doch auch der Multiinstrumentalist selbst ist hier nat├╝rlich alles andere als unt├Ątig und spielt Keyboard, Gitarre, Harfe, Theremin oder ganz modern am Notebook, das zwischenzeitlich dann auch f├╝r den ein oder anderen Gag ├╝ber die Nutzung von E-Mail und Facebook w├Ąhrend des Konzerts herhalten muss.

Passend zum Thema A Night Of Winter handeln heute Abend alle Songs entweder vom Winter oder wurden in dieser Jahreszeit geschrieben. Und auch seine Fans sind gut vorbereitet, denn er erh├Ąlt er von einem weiblichen Fan ein verfr├╝htes Weihnachtsgeschenk in Form eines kleinen Weihnachtsbaums, ├╝ber den er sich sichtlich freut, zumal er sagt, dass er bisher noch keinen habe und das Geschenk somit absolut passend sei.

Patrick redet nat├╝rlich auch heute wieder viel, erz├Ąhlt vom Leben im Studio und die gut 350 Zuschauer erfahren viele kleine Anekdoten und er schreckt dabei auch in einer Kirche nicht vor dem -nat├╝rlich versehentlich verwendeten- F*Word oder vor Geschichten ├╝ber einen masturbierenden Menschen auf dem Dach seines Studios zur├╝ck. Es ist eine sehr exzentrische Show zu der auch gewollte Dissonanzen geh├Âren und wenn ihm dann mal etwas ├╝berhaupt nicht gef├Ąllt, dann entschuldigt er sich auch mal mit einem kurzen ÔÇ×Sorry for being a divaÔÇť und beginnt den Song von Neuem, denn bei aller Lockerheit wenn er ├╝ber seine Songs und deren Bedeutung spricht, bleibt er eben doch ein akribischer K├╝nstler. So vergeht dann auch wieder einige Zeit mit dem Stimmen der Instrumente, wor├╝ber er sich selbst gerne lustig macht.

Ernst nimmt er es hingegen, wenn er anderen K├╝nstlern huldigt, wie z.B. dem Poeten Stephen Vickery, dem er nach dem einleitend vorgetragenen Gedicht How To Get There von Frank O’Hara den Song The Sun Is Often Out widmet.

Zu den musikalischen Highlights geh├Âren heute sicher Together mit seinem feinen Beat und den umschmeichelnden Akkordeon- und Violinenkl├Ąngen oder Hard Times, mit dem er einem Publikumswunsch nachkommt. Wir h├Âren Letzteres heute in einer Akkordeon und String Version, da das Gitarrenstimmen vorab dieses Mal nicht recht klappen m├Âchte und auch das Zeit gewinnende Frage- und Antwortspiel nicht hilft. Zumindest erfahren wir so einige weitere Eigenheiten des Halbiren, wie z.B. dass seine Augen im Sommer gr├╝n, im Winter hingegen braun seien und seine irische Familie nicht nur die beste, sondern auch die trinkfreudigste ist.

Nach gut 75 Minuten endet das Mainset, doch der zweiteilige Zugabenblock folgt nur wenige Augenblicke sp├Ąter. Nachdem man dem K├╝nstler zuvor ÔÇôwie es sich scheinbar nach Ansicht vieler in einer Kirche geh├Ârt- recht zur├╝ckhaltend gelauscht hat und nur nach den Songs applaudierte, stehen bei der zweiten Zugabe Bloodbeat dann alle im Publikum auf und Klatschen. Leider war dies aber auch schon die letzte Chance f├╝r heute, denn danach verabschiedet sich Patrick Wolf mit einem kleinen Weihnachtsst├Ąndchen von seinen Fans, die daraufhin zufrieden die Heimreise antreten.

Autor & Fotos: Michael Gamon

Kommentar verfassen