ZYNIC – Blindsided

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Unsere Bewertung

6 Bewertung

Zynic – Blindsided

Zynic eröffnen ihr zweites Album Blindsided mit ruhigen, sphÀrischen KlÀngen, die sich rasch mit poppigen Synthesizersequenzen vereinen. Die Melodie erinnert mich in ihrer Art sehr an VNV Nation. Der Text von Escape Artist vermittelt eine tiefe, melancholische Sehnsucht nach einer besseren Welt, die scheinbar unerreichbar ist.

In Dead End werden die unterschiedlichen elektronischen EinflĂŒsse der Achtziger Jahre sehr deutlich. Der traurige, tiefgreifende Text vereinbart sich fĂŒr mich nur schwer mit der fröhlichen Leichtigkeit der Musik, obwohl mir eigentlich beides fĂŒr sich sehr gut gefĂ€llt. Die Komposition ist ausgereift und harmonisch.

Cardiac Arrest hingegen wirkt wie ein großes Ganzes auf mich, in dem auf allen Wegen dieselbe Botschaft vermittelt wird. Es gibt liebevolle Details und Soundeffekte, die H. P. Siemandel hier fĂŒr den Hörer eingebracht hat. Es lohnt sich diesen Song ein paar Mal hintereinander zu hören, um alle Feinheiten wahrnehmen zu können. Mir gefĂ€llt dieses Lied auf dem Album am besten und es hat meiner Meinung nach einen hohen Wiedererkennungswert.

Only Human offenbart einen starken OMD-Einfluss auf den KĂŒnstler und ist doch etwas völlig Eigenes. GlockenĂ€hnliche KlĂ€nge finden ebenso Einsatz wie Geigen. Dieser Track mit unterschiedlicher Dynamik hat durchaus das Potential und die QualitĂ€t, sich in den kommerziellen Charts zu platzieren. Eine eingĂ€ngige Melodie verleiht dem durchweg tanzbaren Song eine eigene Note.

Überraschend ist der Einsatz eines Akkordeons in Paradise Falls. Ich muss doch zugeben, dass ich lange ĂŒberlegt habe, ob ich so eine Kombination in der Popmusik schon einmal gehört habe und ob es fĂŒr mich zum Thema des Liedes passt. Erinnert es mich doch sehr an Fernweh, Sehnsucht, Seefahrt.

Ein guter Text trifft auf eine wunderbar komponierte Melodie in Hard To Breathe und trotzdem fehlt mir irgendetwas. Ist es ein gewisser Tiefgang in der Melodie, wenn man auf den Text achtet? Ist genau das vielleicht vom KĂŒnstler so gewollt, um einen Gegensatz zu schaffen? Vielleicht ist das auch der Hoffnungsschimmer am Horizont.

Ghost klingt sanft und zĂ€rtlich, doch auch hier hat der Text es wieder in sich. Der Song vermittelt ein GefĂŒhl irgendwo zwischen Hoffnung, Melancholie und HandlungsunfĂ€higkeit. Er zieht den Hörer in einen sonderbaren Bann. Eine in sich stimmige, gelungene Komposition. Dieser Song hinterlĂ€sst etwas, jedoch nicht ohne auch etwas zu nehmen.

Mit Boys Of Summer prĂ€sentiert uns Herr Siemandel eine eher sanfte, ruhige Coverversion des Klassikers, die technisch gut ausgearbeitet ist. Sie lĂ€dt ein, sich mal zurĂŒck zu lehnen und zu trĂ€umen. Thanks For Nothing erinnert mich spontan an diverse Urgesteine des Elektropop und auch wieder nicht. Nachdem ich das Album nun fast vollstĂ€ndig gehört habe, finde ich es gleichermaßen schön und spannend, die unterschiedlichen musikalischen EinflĂŒsse ausmachen zu können.

ZĂ€rtlich und tiefgreifend verabschiedet sich Zynic mit Never Enough, einem eindrucksvollen Song. Ein weiteres Beispiel dafĂŒr, wie schön es klingen kann klassische Instrumente mit Synthesizern zu vereinen. Hier ein Cello und die Querflöte, die dem Track durch ihr Erscheinen eine besondere Note verleihen, gepaart mit einem weiteren schwermĂŒtigen Text, der trotzdem noch Raum fĂŒr Hoffnung lĂ€sst.

Fazit:
Auf den ersten Blick scheint dem Album durch die durchweg leichten, sachten Melodien eine gewisse Tiefe zu fehlen, die einem erst bei nÀheren Hinhören offenbar wird. Herr Siemandel schafft es, sich rhythmisch treu zu bleiben und seine Tracks trotzdem abwechslungsreich zu prÀsentieren, indem er die verschiedenen Instrumente/ Elemente gekonnt kombiniert.

Tracklist:
01. Escape Artist
02. Dead End
03. Cardiac Arrest
04. Only Human
05. Paradise Falls
06. Hard To Breathe
07. Ghost
08. Boys Of Summer
09. Thanks For Nothing
10. Never Enough

Autorin: Anna Michels

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