IN EXTREMO & MR. IRISH BASTARD – Dortmund, Westfalenhalle 3 (07.12.2012)

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Ziemlich genau ein Jahr ist vergangen, seitdem In Extremo mit dem ersten Teil ihrer Sterneneisen-Tour durch die Lande gezogen sind. Das gleichnamige Album, welches bereits im Februar 2011 veröffentlicht wurde, kletterte ohne große Umwege auf Platz eins der deutschen Albumcharts und der diesjĂ€hrige Sommer bescherte den Vorreitern der Mittelalter Rock Szene zahlreiche Auftritte auf Sommer Open Airs wie dem Metalfest und dem Wacken Open Air.

Die Zeit der kuschelig warmen Temperaturen und der schönen AtmosphĂ€re unter freiem Himmel ist allerdings erst mal vorbei. PĂŒnktlich zum Start des zweiten Teils der Sterneneisen-Tour zieht der Winter alle Register und hĂŒllt die Umgebung um Dortmund in ein dichtes weiß. Trotz der widrigen UmstĂ€nde schaffen es viele Fans pĂŒnktlich zum Konzertbeginn an der Location einzutreffen. Die letzten In Extremo Konzerte sind ein paar Tage vergangen und der Ansturm der Fans dementsprechend stark. Die Westfalenhalle III ist zwar nicht vollstĂ€ndig ausverkauft, aber viele Besucher könnte die Halle wohl nicht mehr fassen.

Bevor Harfe, Dudelsack und Drehleier durch die RĂ€umlichkeiten hallen, bekommen Mr.Irish Bastard die Gelegenheit, das Publikum von sich zu ĂŒberzeugen. Die MĂŒnsteraner hatten einen eher kurzen Anfahrtsweg und das ein oder andere T-Shirt verrĂ€t, dass der Heimat-Bonus den Auftritt der Bastards ein klein wenig unterstĂŒtzen sollte.

Mit This World startet die acht Mann starke Band ihren Auftritt vor einem gut gefĂŒllten Publikum, dass zunĂ€chst nichts anderes zu tun hat, als dem Geschehen auf der BĂŒhne kritisch zu folgen. Mr. Irish Bastard können zudem ihre leichte Aufregung nicht gĂ€nzlich verstecken, was auch denjenigen auffĂ€llt, die die Band nicht zum ersten Mal zu Gehör und Gesicht bekommen. Trotz der fröhlichen Musik, die eigentlich unweigerlich zum Tanzen einlĂ€dt, lassen sich die Fans nur schwer darauf ein. Die Musiker um Frontmann The Irish Bastard wirken obendrein noch etwas steif und ihre sonst sehr lockere Art geht zwischen der NervositĂ€t etwas unter. Den Fans fehlt gerade zu Beginn scheinbar etwas mehr direkte Ansprache und Animation, auf die sie einsteigen könnten. Erst spĂ€ter, als SĂ€nger und Gitarrist The Irish Bastard das Publikum zum mitmachen auffordert, löst sich die AtmosphĂ€re vor und auf der BĂŒhne. Kurz nach der HĂ€lfte des Sets hat die Stimmung gute Formen angenommen und die Musik der Bastards bewegt das Publikum zunehmend zu dem, wofĂŒr sie dienlich sein sollte: zum Feiern. I Smell The Blood und Stupid Bastards bilden das Ende des ersten Gigs der MĂŒnsteraner auf ihrer Tour mit In Extremo.

Setlist Mr. Irish Bastard:
01. This World
02. Galway bay
03. Curse fo the redhaired woman
04. Another manÂŽs country
05. Gipsy road to nowhere
06. I smell the blood
07. Stupid Bastards

Die Umbauarbeiten fĂŒr In Extremo gehen schnell von der Hand und rasch ertönt ein gesprochenes Intro, wie man es von dem letzten Tourblock der Band gewohnt ist. Allerdings handelt es sich dabei nicht um das altbekannte und auch der erste Song sorgt fĂŒr ĂŒberraschte Gesichter. Wind eröffnet als alter Klassiker, von dem 2001 veröffentlichten Album SĂŒnder ohne ZĂŒgel das Konzert. Das Publikum ist auf der Stelle wie ausgewechselt, feiert und singt mit der Band, die wie gewohnt bis ĂŒber beide Ohren strahlt. Neue Songs wie Zigeunerskat, Sterneneisen und der Zauberspruch No VII bleiben der Setlist und den Fans nicht vorenthalten. Auf dieser hat sich seit der letzten Tour einiges getan. Zahlreiche Songs, die lĂ€nger nicht mehr gespielt wurden, beglĂŒcken die Ohren der eingefleischten Fans. Neu sind hingegen nicht die aufwendigen Pyros, die gefĂŒhlt bei mindestens jedem dritten Lied irgendwie zum Einsatz kommen. In Extremo bieten wie eh und je eine mitreisende Show, die keine andere Wahl lĂ€sst, als die StimmbĂ€nder beim Mitsingen bis aufs Äußerste zu reizen. Die Spreu trennt sich dabei dann vom Weizen, wenn es um die wirklichen Klassiker geht. Bei allen Fans, die den Weg der Band schon lĂ€nger begleiten, bildet sich ein breites LĂ€cheln im Gesicht, als Raue Spree und Horizont angespielt werden. Gemeinsam mit Singapur großartige Songs, deren musikalischer Charme live erst richtig zum Tragen kommt. Ebenfalls als absolute Kracher zu bezeichnen sind Ave Maria und Spielmann, auch wenn diese beiden eher in die ruhigere Ecke schlagen.

Ein paar Dinge werden sich auf einem In Extremo Konzert wohl niemals Ă€ndern. „Meine Damen und Herren – Flex der Biegsame“ ist stets die AnkĂŒndigung fĂŒr Liam bei dem der Klang der Uilleann Pipes (Ellenbogen Pfeife) fĂŒr schöne, unverkennbare Melodien sorgt. Ebenfalls ein „Must Have“ ist der kurze, aber notwendige Soloauftritt von dem sympathischen Harfenist Dr. Pymonte. Wenn er zu seiner Harfe greift und anfĂ€ngt die Seiten zu zupfen, weiß jeder, dass es Zeit fĂŒr Vollmond ist, jeder versucht den richtigen Takt zu finden und singt mit, bis die Gitarren einsetzen und ein Versingen eigentlich unmöglich scheint.

Mittlerweile hĂ€ngt der Geruch von Schwefel in der gesamten Luft. Die Flammen und das Feuerwerk geben nun nicht mehr nur einen visuellen Reiz, sondern auch eine entsprechende Duftnote. Gemeinsam wird bei Viva La Vida die Lebensfreude aus dem Herzen mitgesungen und Micha verstellt seine Stimme derartig gut, dass man meinen könnte, es stĂŒnde wirklich ein betrunkener SĂ€nger auf der BĂŒhne.

Abgeschlossen wird der schöne Abend mit einem Haufen Gold, der nicht nur in Form des Liedes, sondern auch in Gestalt unendlich vieler, goldener Plastikschnipsel daher kommt. WĂ€hrend die goldenen Plastikschnippsel unzĂ€hlig vom Himmel rieseln, verteilt Dr. Pymonte das glitzernde Zeug frohen Mutes ĂŒber seine Kollegen und Pyrotechniker Fliese krakselt als „GoldmĂ€nnchen“, von oben bis unten in goldene Folie gewickelt, hinter Schlagzeuger Specki her.

Letztendlich rundet Villeman Og Magnhild den Abend perfekt ab. Die Fans bekommen ein letztes Mal fĂŒr diesen Abend die volle Ladung berauschender Dudelsack-KlĂ€nge auf die Ohren und können abschließend noch einmal richtig Gas geben.

Der Tourauftakt von In Extremo war ein voller Erfolg. Band und Fans waren gut aufgelegt und die Setlist bot etwas Abwechslung zu den vergangenen Shows. Dass sich einige Songs immer wiederholen, bleibt nicht aus und ist ja durchaus auch von den Fans gewollt.

Setlist In Extremo:
01. Wind
02. Zigeunerskat
03. Sieben köche
04. SĂ€ngerkrieg
05. Herr Mannelig
06. Raue See
07. Singapur
08. Unsichtbar
09. Siehst Du Das Licht
10. Horizont
11. Vollmond
12. Ave Maria
13. Frei Zu Sein
14. Sterneneisen
15. Zauberspruch No VII
16. Liam
17. In Diesem Licht
18. Viva La Vida (Z)
19. Rasend Herz (Z)
20. Spielmann (ZZ)
21. Gold (ZZ)
22. Villemann Og Magnhild (ZZ)

Bilder des Konzerts befinden sich in unserer Konzertfotos Sektion (Bildkommentare sind durch Anklicken der Sprechblase möglich) oder direkt durch Anklicken der Fotos

In Extremo:

Mr. Irish Bastard:

Fotos & Text: Sarah Fleischer

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