WISE GUYS – Köln, E-Werk (15.09.2012)

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Die Schlange war schon lang, sehr lang, als wir uns 20 Minuten vor Einlass dem Kölner E-Werk näherten. Es war der 15. September 2012 und Wise Guys, der Name der Kölner A-capella- oder Vokal-Pop-Band (wie sie sich selbst nennt) stand auf den Tickets der wartenden Besuchermassen geschrieben. Schon von weitem war zu sehen, dass es sich um ein sehr bunt gemischtes Publikum handelte, denn von Zehnjährigen aufwärts war jedes Alter vertreten.

Die Wise Guys sind zur Zeit Daniel „Dän“ Dickopf, Edzard „Eddi“ Hüneke, Marc „Sari“ Sahr, Ferenc Husta und verhältnismäßig neu dabei Nils Olfert (seit 2009). Zum Ende des Jahres 2012 wird Bass Ferenc die Band verlassen, sodass das Kölner Konzert, welches im Rahmen der „Zwei Welten Tour“ stattfand, einer der letzten Auftritte in oben genannter Konstellation war.

Während immer mehr Besucher in das nahezu ausverkaufte E-Werk strömten, wird sich der ein oder andere Anwesende schon die Bühne angesehen und voller Erstaunen Instrumente erblickt haben. Wise Guys mit Vorband? Das klang nicht wahrscheinlich. A-capella mit Instrumenten? Das klang nicht richtig. Doch die Instrumente waren durchaus für die Wise Guys bestimmt, denn mit dem zweiten Teil ihres aktuellen Albums „Zwei Welten – instrumentiert“ haben sich die Jungs zu einer Teilzeit-A-capella Gruppe weiter entwickelt. Erstmals voll instrumentiert wurden 13 Songs des ersten Teils mit Studiomusikern neu eingespielt. Somit war das Kölner Konzert für viele Langzeitfans die erste Möglichkeit „ihre“ Band mal in vollkommen ungewohnter Form live zu erleben.

Dementsprechend stieg die Spannung auch, bis es kurz nach acht endlich hieß‚ "Licht an und Bühne frei" und die Wise Guys mit dem aktuellen Titel Zwei Welten die Bühne betraten. Obwohl es keine Vorband gab, war das Publikum von der ersten Sekunde mit voller Begeisterung dabei. Weiter ging es mit zwei weiteren Songs von Zwei Welten: Deutsche Bahn, welches die beiden verschiedenen Welten des Reisens beschreibt (mit und ohne die Deutsche Bahn AG) und Ich weiß nicht, was ich will.

Während bei vielen Konzerten die Bands auf der Bühne ihr Ding durchziehen sind Konzerte der Wise Guys Mitmachevents, bei denen ständiges Mitklatschen und Mitsingen obligatorisch ist. Besonders deutlich wurde es beispielsweise während Du kannst nicht alles haben, als Eddi das Publikum noch besonders animierte. Kurz darauf konnten die Kölner entscheiden, ob sie lieber Du doof aus dem Jahr 2003 oder Es ist nicht immer leicht ich zu sein aus dem Jahr 2008 hören wollten. Die Wahl fiel auf den neueren Song, wobei es eine knappe Entscheidung war. Als Sari’s Hüftschwung kam, wurde die Band schlagartig vom begeisterten Gekreisch hunderter (nicht nur weiblicher) Fans kurzzeitig vollständig übertönt.

Es folgte ein kleine Bitte sich den Misereor Stand nach der Show oder in der Pause anzusehen und darüber nachzudenken, mit verschmerzbaren zwei Euro monatlich einen kleinen Beitrag für die Straßenkinder in Delhi zu spenden (Weitere Informationen zu der Zwei-Euro-Spenden-Aktion befinden sich auf den Internetseiten der Wise Guys und Misereor). Es folgte mit Stayin‘ Alive eine Neuinterpretation des Bee Gee Klassikers von 1977. Zusammen mit Mein Nachbar ist ein Zombie bescherte er den Zuschauern eine der besten Choreografien des ersten Konzertteiles, welcher nach zwölf Liedern endete.

Während die fünf Jungs sich ein wenig frisch machten und erholten, hatte das Publikum die Möglichkeit CDs, Liederbücher oder andere Wise Guys Artikel zu erwerben. Mit 0,8% Beteiligung haben sich im direkten Vergleich mit anderen Städten nur wenige dafür entschieden bei Misereor Zwei-Euro-Spender zu werden. Für die Kölner besonders bitter, da die Domstadt im Septemberranking damit den letzten und Düsseldorf mit einer Quote von 5,9% den ersten Platz belegte (Stand: 21.09.2012).

Mit Jetzt ist deine Zeit begann der besonders spannende, instrumentierte Teil. Während bei den Aufnahmen für Zwei Welten – instrumentiert die Instrumente von professionellen Studiomusikern gespielt wurden griffen die Wise Guys live auch selber zu Keyboard, Ukulele oder anderen Instrumenten. Alle Instrumente konnten jedoch nicht abgedeckt werden, sodass zusätzliche Verstärkung mit auf der Bühne stand.

Für den Titel Ich bin aus Hürth hatten die Wise Guys keine Kosten und Mühen gescheut und mit Aggro Hürth DEN aufstrebenden Hip Hop Act für den Gesangspart engagieren können. Die beiden Gangster-Rapper Nils „Soulsprotte“ Olfert und Marc „MC Deutschmark“ Sahr aus dem Kölner Vorort heizten der Menge ordentlich ein. Hürth, die Stadt in der sich jetzt das Wise Guys Büro und der Proberaum befindet, wurde auch zur neuen Heimat der Band, denn mit Eddi, Sari und Nils sind mittlerweile 60% der Wise Guys dorthin gezogen, nur Dän wohnt noch in Köln. Ferenc wohnt in Brühl, was aber laut Dän zumindest noch okay sei.

Eine richtige Livepremiere gab es mit Tief im Süden, Däns Lieblingssong in musikalischer und textlicher Hinsicht auf der neuen CD, an dem er sehr lange gearbeitet hatte. Der ruhige und entspannte Song kam im E-Werk sehr gut an.

Obwohl der zweite Teil der Show natürlich von relativ neuen Songs dominiert war, haben es auch ein paar ältere Songs, wie beispielsweise Nur für dich, geschafft mit Instrumentierung in neuem Gewand erscheinen zu können. Auch der Seemann wurde in einer neuen Version vorgestellt und soll laut Band ein Abschiedsgeschenk von Bass Ferenc, welcher die Band Ende 2012 verlassen wird, an die Fans sein. Es folgte ein extrem langer Applaus für Ferenc und Zugaberufe nur für ihn, da das Konzert noch gar nicht beendet war. Ferenc nutzte die Möglichkeit sich mit ein paar Worten bei den Fans für 18 Jahre Wise Guys voller Tiefen und vielen Höhen bei den Fans zu bedanken. Dän wies die Kölner darauf hin, dass Ferenc vor kurzem seinen Pilotenschein bestanden hat, sodass das Publikum erneut applaudierte.

Zum Abschluss des regulären Konzertes sangen die Wise Guys Radio und stellten nochmal das komplette Team von den Musikern bis zum Lichttechniker vor. Doch natürlich war es damit nicht vorbei, denn die Wise Guys hatten noch vier Zugaben im Gepäck, bevor sie nach ganzen 26 Liedern die Kölner Bühne endgültig verließen.

Für diejenigen unter den Fans, die immer noch nicht genug hatten bot sich später noch die Möglichkeit beim Afterglow ein bisschen mit den Bandmitgliedern zu plaudern und sich die Eintrittskarte oder CDs signieren zu lassen.

Teil 1 (A-capella)
01. Zwei Welten
02. Deutsche Bahn
03. Ich weiß nicht, was ich will
04. Du kannst nicht alles haben
05. Der Berg ruft
06. Jetzt und hier
07. Es ist nicht immer leicht
08. Stayin‘ Alive
09. Lauter
10. Mein Nachbar ist ein Zombie
11. Jetzt ist Sommer
12. Irgendwer wird immer meckern

Teil 2 (überwiegend mit Instrumenten)
13. Jetzt ist deine Zeit
14. Das war nicht geplant
15. Ich bin aus Hürth
16. Nach Hause
17. Die Sonne scheint mir auf den Bauch
18. Nur für dich
19. Tief im Süden
20. Seemann
21. Schönen guten Morgen
22. Radio

Zugabe:
23. Leise
24. Ich sing dich an die Wand
25. Latein
26. Ruf doch mal an

Bilder des Konzerts befinden sich in unserer Konzertfotos Sektion (Bildkommentare sind durch Anklicken der Sprechblase möglich) oder direkt durch Anklicken der Fotos.

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