LAIBACH – Leipzig, Centraltheater (21.09.2012)

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We come in Peace. So lautet das Motto der diesjÀhrigen September-Tour der slowenischen Kult-Band Laibach. Ihr aktuelles Album ist der Soundtrack zum Film Iron Sky, der im April 2012 in die Kinos kam. Zu diesem Zeitpunkt gab es auch schon einige Konzerte. Ein Highlight war der Auftritt in der Londoner Tate Gallery. Aber auch das Leipziger Centraltheater konnte mit besonderem Ambiente aufwarten.

Auf mehr als 30 Jahre Bandgeschichte kann die Band mittlerweile zurĂŒckblicken. Stilistisch ist Laibach sehr schwer einzuordnen. So reicht das Spektrum vom Post-Industrial ĂŒber Post-Punk und Avantgarde bis hin zu EBM und Techno. Unkommerziell war und ist Laibach allemal. Die Band wurde 1980 im damals jugoslawischen Trbovlje gegrĂŒndet. 1982 gab es die ersten Konzerte in Jugoslawien. Hierbei kam es mehrfach zu politischen Konflikten, so dass Auftritte der Band verboten wurden. 1985 wurde das erste Album veröffentlicht. Internationale Bekanntheit erreichte Laibach mit der Veröffentlichung des Albums Opus Dei durch das britische Label Mute Records, welches auch Bands wie Depeche Mode oder Nitzer Ebb unter Vertrag hat. Viele weitere Alben folgten in den nĂ€chsten Jahren. Das Album Kapital (1992) stellt ein sehr experimentelles elektronisches Werk dar. Zudem enthalten CD und LP teilweise unterschiedliche Versionen. 1994 erschien das Elektro-Pop-Album NATO, welches ausschließlich Coverversionen enthĂ€lt. DĂŒsterer und rockiger hingegen ist Jesus Christ Superstar, welches 2 Jahre spĂ€ter erschien und sich mit religiösen Themen beschĂ€ftigte. 2003 folgte das Album WAT (We Are Time). Das Werk enthĂ€lt viele deutschsprachige Titel (u.a. Tanz mit Laibach). Auch Textpassagen von frĂŒheren Songs wurden teilweise wiedergegeben oder neu formuliert. Das Album Volk (2006) hatte Nationalhymnen zum Thema. Ebenfalls ein experimentelles Meisterwerk.

Live ist Laibach immer wieder ein Erlebnis, auch wenn sich die Auftritte im Laufe der Jahre gewandelt haben. Dominierten bis Mitte der 90er noch Trompeten und Gitarren, wurden in den spĂ€teren Jahren vermehrt Keyboards eingesetzt. AuffĂ€llig auch die perfekt inszenierte Video-Show, in dieser Form erstmalig 2007 zu ihrer „Volk“-Tour eingesetzt. Das Centraltheater in der Bosestraße im Leipziger Zentrum wurde zwischen 1954 und 1957 gebaut, nachdem der vorherige Bau im 2. Weltkrieg zerstört wurde. FĂŒr ein Clubkonzert bietet das Centraltheater durch die Bestuhlung eine einmalige AtmosphĂ€re. Gegen 19:30 Uhr begann der Einlass. ZunĂ€chst ging es eine Treppe hoch – zum ersten Merchandising-Stand. Ein weiterer Verkaufsstand befand sich im ersten Stock. UrsprĂŒnglich sollte im Vorprogramm noch der Film Iron Sky gezeigt werden, dies wurde jedoch aus rechtlichen GrĂŒnden abgesagt. Der Einlass ins Theater selbst wurde deshalb etwas nach hinten verschoben. Ab 20:30 Uhr fĂŒllte sich dann der Saal. Die GĂ€ste nahmen auf den bequemen Sitzen Platz. Die BĂŒhne war bereits aufgebaut und sichtbar. Musik lief vom Band.

Gegen 21:00 Uhr wurde das Licht gedimmt, bis es schließlich ganz aus war und nur noch die Video-Leinwand strahlte. Mit dem 1994er Klassiker Final Countdown starteten Laibach gleich durch. Als nĂ€chstes folgte B-Machina, ursprĂŒnglich vom Album WAT. Jetzt gab es fĂŒr den Sountrack zu Iron Sky noch einmal eine neue Version. Nicht fehlen durfte auch der neue Song Under The Iron Sky, der von Mina Ć piler vorgetragen wurde, die schon seit einigen Jahren Mitglied der Band ist. Wer die Songs der frĂŒhen 80er Jahre kennt, dĂŒrfte ĂŒberrascht gewesen sein. So gab es Neuaufnahmen von Smrt Za Zmrt, Brat Moi und Ti, KI IzzivaĆĄ zu hören. Insbesondere Letzterer hat durch eine grandiose Darbietung ĂŒberzeugt. Neben ihren Eigenkompositionen sind Laibach auch fĂŒr ihre Coverversionen bekannt. 4 neue StĂŒcke gab es zu hören. ZunĂ€chst See That Grave Is Kept Clean und Ballad Of The Thin Man. SpĂ€ter wurde noch Warme Lederhaut vorgetragen – eine Deutsch gesungene Version des The Normal Klassikers Warm Leatherette. Love On The Beat – ein Serge Gainsbourg Cover – war ebenfalls neu im Programm. Weitere Klassiker und 2 Zugaberunden folgten. Nach rund 100 Minuten verabschiedeten sich Laibach mit Das Spiel ist aus.

Die Show im Centraltheater in Leipzig war auf jeden Fall außergewöhnlich. Durch die SitzplĂ€tze konnte das Publikum die Show entspannt genießen. Auch von den hinteren Reihen konnte man die BĂŒhne sehr gut erkennen. Laibach kann auch nach mehr als 30 Jahren immer noch fĂŒr Überraschungen sorgen. Die Performance der Slowenier ist immer wieder ein Genuss.

Setlist:
01. The Final Countdown
02. B Mashina
03. America
04. Under the Iron Sky
05. Take Me to Heaven
06. Smrt Za Smrt
07. Brat Moj
08. Ti, Ki IzzivaĆĄ
09. Le Privilege Des Morts
10. Leben-Tod
11. See That My Grave Is Kept Clean
12. Ballad of a Thin Man
13. Across the Universe
14. Du bist unser
15. Warme Lederhaut
16. Love on the Beat
17. Tanz mit Laibach
18. Leben heißt Leben (Z)
19. Geburt einer Nation (Z)
20. Alle Gegen Alle (Z)
21. Das Spiel ist aus (Z)

Bilder des Konzerts befinden sich in unserer Konzertfotos Sektion (Bildkommentare sind durch Anklicken der Sprechblase möglich) oder direkt durch Anklicken der Fotos.

Autor + Fotos: Thomas Bunge

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