Interview: BENEFIZ FOR KIDS (Silvana Friedrich)

2015-11-18 11_36_13-Benefiz for Kids - News
Gesch├Ątzte Lesezeit: 8 Minute(n)
Das Festival ÔÇ×Benefiz For KidsÔÇť geht am 05. und 06. Oktober 2012 im Kulturhaus Tangerm├╝nde in die dritte Runde. Der komplette Erl├Âs des Festivals kommt u.a. dem Kinderheim Stendal, den Kinder- und Jugendh├Ąusern ÔÇ×Anne FrankÔÇť Tangerm├╝nde und der Kunstplatte Stendal zugute.
Das Festival, welches in der Gothic Szene bereist einen guten Namen hat, pr├Ąsentiert wieder ein Line-Up, das sich gewaschen hat: Neben den Headlinern Kirlian Camera und Zadok werden u.a. Cephalgy, Chrom, Lost Area, EGOamp und X-Divide die B├╝hne rocken. Und es gibt noch mehr Schauwerte: Erk Aicrag (Hocico) und Djane Schwarze Witwe (Das Chaos Tam) werden auflegen und viele andere Bands und K├╝nstler, unterst├╝tzen das Benefiz durch gro├čz├╝gige Spenden: Claus Larsen (Le├Žther Strip), De/Vision, Schriftsteller Markus Heitz, Minerve und Carsten Klatte (Live-Gitarrist von Projekt Pitchfork).Wir sprachen mit Veranstalterin Silvana Friedrich ├╝ber diese tolle Initiative!

Am 05. und 06. Oktober findet das dritte Benefiz for Kids Festival statt. Dieses mal in Tangerm├╝nde.Was erwartet uns alles in diesem Jahr? Bist Du schon nerv├Âs?

Nerv├Âs ja, angespannt sehr (lacht) Was erwartet uns? Ich wei├č es nicht, aber ich glaube ich lasse mich selbst ├╝berraschen. Auf jeden Fall erwartet uns viel Musik, gute Musik w├╝rde ich mal sagen, zwei Tage Festival und ich hoffe eine super Stimmung.

 

Du veranstaltest das Festival fast im Alleingang, ein paar Menschen helfen dir dabei. Wie schaffst du das alles als alleinerziehende Mutter?

Gute Frage (lacht). Das frag ich mich so in der Endspurtphase – die wir ja jetzt auch haben – ziemlich oft. Weil wirklich viele Kleinigkeiten total nervlich belastend sind. Das glaubt mir kein Mensch, aber es ist so. Man macht und tut und wirbelt und es fallen immer wieder Fragen an, die eigentlich schon zwanzigtausend mal irgendwo schon stehen. Und die beantwortest du einfach aus H├Âflichkeit, weil du niemanden vor dem Kopf sto├čen willst und das ist echt alles zeitaufwendig. Und ich bemerke jetzt, dass ich um halb zehn ins Bett falle. Ich muss dann wirklich f├╝r mich einen cut machen. Also bis hier hin und nicht weiter, weil sonst w├╝rde ich mich glaube ich selber kaputt machen. Ich wei├č nicht wie ich das immer schaffe, ehrlich nicht (lacht).


Auch dieses Jahr wird es wieder ein hochkar├Ątiges Lineup geben. Wie kommst Du an solche Topacts heran? Sprichst Du die K├╝nstler einfach an oder ist es sogar vorgekommen, dass Bands Dich fragen, ob sie mitmachen d├╝rfen?

Da muss man unterscheiden w├╝rde ich mal sagen. Es gibt ganz viele Bands die anfragen, also was mich auch innerlich ber├╝hrt, weil ich das sch├Ân finde, das sie gerne spielen wollen. Denn es gibt ja keine Gage. Manche verzichten sogar auf das Fahrgeld, obwohl sie viele Kilometer weit herkommen, um spielen zu k├Ânnen. Und dann gibt es nat├╝rlich auch Bands, die ich einfach auch frage, mehr als fragen kann man ja nicht. Und in dem Zusammenhang finde ich z.B. Kirlian Camera super gro├čartig im Moment. Ich habe allen Mut gefasst und Angelo auch pers├Ânlich angeschrieben. Ich habe geschrieben, dass ich eine bestimmte Summe an Fahrgeld bezahlen kann. Denn man muss bedenken, die Band kommt aus Italien angereist mit einem gemieteten Pkw. Und sie haben sogar f├╝r das dritte Benefiz einen bezahlten Gig abgesagt, um spielen zu k├Ânnen. Das finde ich gro├čartig.


Beim BFK spielen interessante Newcomerbands zusammen mit gro├čen Topacts. Das gibt es sehr selten in der Szene. Woran liegt das deiner Meinung nach?

Darum ziehe ich so etwas durch: wenn ich auf den gro├čen Festivals gucke, da sehe ich grunds├Ątzlich ├╝berall das gleiche Lineup, irgendwie untereinander ausgetauscht und das macht mich sehr traurig. Es gibt nat├╝rlich auch gro├čartige Bands, wie z.B. EGOamp oder auch Noyce TM, die haben ihren eigen Stil, lieben die Musik und dann gehen die sonst fast unter. Keines der gro├čen Festivals buchen sie von alleine, was ich total schade finde. Und ich finde, wenn sie dann beim Benefiz spielen unter noch gr├Â├čeren Bands, dann werden sie gesehen und wenn nur zehn Fans mehr dazu kommen, ist das gro├čartig. Und deswegen m├Âchte ich das so.


In diesem Jahr findet das Festival an zwei Tagen statt. Gibt es daf├╝r einen bestimmten Grund?

Oh ja (lacht), ich konnte nicht nein sagen. Also das hei├čt ich bin echt ein schlechter ÔÇ×NeinsagerÔÇť. Ich h├Âre mir nat├╝rlich auch die Musik an wenn Bands sich hier bewerben und schau, das es so ein bisschen passt. Dann hab ich einen Musiker der Band Zadok, die hier aus der Gegend kommt, einfach im Tierpark getroffen und hatte einfach mal gefragt, warum letztes Jahr auf meine Anfragen keine Antwort mehr kam. Dann hat es sich halt herausgestellt, das es irgendwie ein Missverst├Ąndnis war, dass die verkehrte Person nachher geantwortet hat und dass sie nat├╝rlich gerne spielen wollten. Dann habe ich ├╝berlegt, ob sie passen, weil der Sound sehr rockig, gitarrenlastig ist, das passt jetzt gar nicht so zu meiner Synthesizer Musik. Und dann hatte ich noch mehr Anfragen von Gitarrenbands. Und dann habe ich gedacht: ok, dann mache ich jetzt weiter, warum nicht? Das Risiko, das merke ich dann immer erst kurz vorher.


Auch in diesem Jahr haben Bands und K├╝nstler geholfen, Geld zu sammeln. Claus Larsen von Leaetherstrip hat sich f├╝r das Event stark gemacht, De/vision, Minerve und Carsten Kladde von Project Pitchfork spendeten Merch und Musikinstrumente. Wie kam das zustande? Hast Du die K├╝nstler angesprochen, ob sie was spenden m├Âchten oder ist das ein Selbstl├Ąufer gewesen?

Das ist auch unterschiedlich. Es gibt eben auch K├╝nstler wie Carsten Klatte, der auf mich zugekommen ist. Ich muss gestehen, ich konnte mit dem Namen nichts anfangen. Als er mir dann erz├Ąhlte, dass er der Ex-Gitarrist von Project Pitchfork ist, konnte ich erst ganz damit umgehen und war nat├╝rlich noch erfreuter. Und er hat gesagt er findet es ganz toll, was ich mache und er m├Âchte das gerne unterst├╝tzen. Also wortw├Ârtlich hat er gesagt: er m├Âchte sich eh von dieser ÔÇ×KlampfeÔÇť trennen, warum dann nicht f├╝r einen guten Zweck? Es gibt nat├╝rlich Bands, die ich anfrage, wie z.B. De/Vision. Da frage ich Steffen einfach: du sag mal, w├╝rdest du das Benefiz unterst├╝tzen? Und wie jedes Jahr schickt er mir Merch-Pakete.


Alle Einnahmen des Festivals gehen an einen guten Zweck. Wer darf sich dieses Jahr auf die Spenden freuen?

Nicht alle Einnahmen werden gespendet, ich muss die Kosten abdecken, da ich eine Privatperson bin. Es ist so, dass ich das Hotel f├╝r die K├╝nstler bezahlen muss und du kriegst leider nicht so einfach Sponsoren f├╝r ein komplettes Catering. Es ist sehr schwierig im Moment ├╝berhaupt an Sponsoren heran zu kommen. Du musst die K├╝nstler verpflegen, die k├Ânnen nicht den ganzen Tag nichts zu Essen bekommen und da darauf leg ich auch wert. Dann gibtÔÇÖs halt dann Bands wie CHROM oder EGOamp, die 500 km fahren m├╝ssen. Und deswegen kann nicht alles gespendet werden, was eingenommen wird , das ist einfach nicht machbar. Wenn die Kosten gedeckt sind, wird alles, was unterm Strich ├╝brig bleibt komplett gespendet. Dieses Jahr geht das Geld an das Kinderheim Stendal, die die Spenden immer noch f├╝r den Spielplatz brauchen, der gebaut wird, was mich tierisch freut. Dann haben wir dieses Jahr die Anne Frank Kinderh├Ąuser in Tangerm├╝nde – das Festival findet ja auch in Tangerm├╝nde statt – und den F├Ârderverein der Peter Kirchhofschule. Weil ich einfach wichtig finde, dass die Kinder Obst zu Essen bekommen. Heutzutage kennen die Kinder meistens Burger und Chips aber kaum noch einen Apfel. Und in der Schule ist ein Sponsorenvertrag mit einer Firma leider ausgelaufen. Und ich w├╝rde es gerne weiter f├Ârdern, das die Kinder zwei mal die Woche frisches Obst da stehen haben und sich wirklich bedienen k├Ânnen, ohne das irgendwelche Eltern dann noch extra Kosten daf├╝r haben. Und die Kunstplatte Stendal bekommt noch einen kleinen Teil, da sie sehr kosteng├╝nstige Workshops anbieten. Sie unternehmen Reisen, z.B. ein Camping am Aarensee, wo die Kinder betreut werden, es finden Workshops statt, bei denen die Kinder kostenlosen Schauspielunterricht bekommen, Tanzworkshops und vieles mehr. Das ganze Angebot ist kostenlos und das finanziert die Kunstplatte nat├╝rlich durch Spendengelder. Und ich finde das toll, weil somit kann man die Kinder so ein bisschen aus dem normalen Alltag, der vielleicht bei manchen zu Hause nicht so gut ist, herausholen.


Was war denn jetzt in den Vorbereitungen bisher der sch├Ânste Augenblick f├╝r dich?

(lacht)

Da gibt es keinen, da gibt es ganz viele kleine Dinge. Da sind u.a. solche Sachen, wenn du eine Band anfragst, ob sie spielen, wenn dann sofort ein ÔÇ×JaÔÇť kommt. Oder wenn du Zuspruch von den Besuchern bekommst, wenn du mitkriegst, das irgendwelche Bands Werbung f├╝r das Benefiz Festival machen, ohne das du sie darum gebeten hast, wie Claus Larsen zum Beispiel. Das war f├╝r mich ein Hammer, als er das Plakat gepostet hat. Ich habe mich auch vor Freude nicht eingekriegt und mich nat├╝rlich auch per Nachricht bei ihm bedankt. Er schrieb zur├╝ck, dass es ist f├╝r ihn eine Selbstverst├Ąndlichkeit ist, er findet es einfach ganz toll. Das sind so die Momente, die f├╝r mich sehr sch├Ân sind.

Und ich denke auch, dass vielleicht Leute, die die Szene vielleicht nicht so genau kennen dann auch mal sehen, dass die Fans d├╝stere Musik h├Âren, aber auch Menschen sind, die etwas Gutes tun, selber Kinder haben und sich f├╝r sie einsetzen.


Und deswegen finde ich pers├Ânlich das Benefiz for Kids Projekt einfach ziemlich genial. Es ist eine tolle Sache und es ist immer wie ein Familientreffen. Es sind ja des ├Âfteren auch Bands dabei, die von Anfang an dabei waren und es gibt auch wieder neue Bands zu entdecken. Und irgendwie geht man als Freunde auseinander. Das ist dann immer wirklich ein Highlight des Jahres.
Was m├Âchtest Du den Lesern von Sparklingphotos.de sagen?

Ich hoffe, dass ihr kommt, dass ihr euch wohl f├╝hlt wie alle Besucher in den anderen Jahren auch, dass ihr gl├╝cklich nach Hause geht, dass ihr Spa├č hattet und wenn ihr nicht kommen k├Ânnt, ist das echt schade, weil ihr wirklich ein geniales Wochenende verpasst glaube ich.

Dann w├╝nsche ich auf diesen Wege viel Erfolg, viel Spa├č und dass wir alle wirklich viel Geld einnehmen f├╝r die Kinder, die es wirklich n├Âtig haben.

Weitere Infos unter www.benefiz-for-kids.de

Das Interview mit Silvana Friedrich f├╝hrte Frank Stienen im September 2012.
Redaktion: Kerstin Wurzel

 

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