Vogelfrey – 12 Schritte zum Strick

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9 Bewertung

Im Mittelalter-Rock-Genre scheinen es Newcomer schwer zu haben. Zumindest kenne ich kaum hoffnungsvolle kleine Bands dieses Genres. Vogelfrey sind hier eine rĂŒhmliche Ausnahme. Nach ihrem Debutalbum "Wiegenfest" anno 2010 folgte nun ihr zweiter Streich – 12 Schritte bis zum Strick. Doch aufgeknĂŒpft wird fĂŒr dieses Album sicher niemand.

Los geht’s mit einem melodiösen Intro – welches auf das erste Lied 6 Vaganten vorbereitet. Zu flottem Schlagzeug und elektronischen GitarrenklĂ€ngen werden, umspielt von „Hintergrundinformationen“ die Protagonisten vorgestellt. DĂŒsterpflicht zeigt, was die Jungs und das MĂ€del so drauf haben. Treibendes Schlagzeug, Cello und Violine die besser nicht eingesetzt werden könnten. Ein Traum fĂŒr alle Headbanger. Allein schon das Intro zu diesem Lied kann ich mir immer und immer wieder anhören. Mit Schuld ist nur der Met kommt das erste kleine Highlight – live sicher mehr als nur ein kleines Highlight – Tanzen, HĂŒpfen, Mitgröhlen garantiert und auch fĂŒr nicht Met-Trinker bestens geeignet. Der Tod und das MĂ€dchen kommt etwas abrupt. Ohne einen Übergang vom fröhlichen Met fĂ€ngt dieses StĂŒck doch recht langsam und dĂŒster an, entwickelt sich dann aber schnell zu einem tollen, abwechslungsreichen Lied mit Tiefgang und guter Melodie. Das Lindwurm Massaker legt wieder ordentlich an Tempo zu. Beginnt es fast schon schillernd mit Glamour-Rock-Elementen wird es dann heftig treibend. Vor Heinrich dem SchlĂ€chter wird eben nichts verschont… Der Freitod folgt. Dunklere Metal-Sounds gemischt mit mittelalterlichen KlĂ€ngen – perfekt zum Springen und Headbangen. Selbst beim Schreiben zuckt es mir im Nacken. Mit Sommer findet eine traurig-schöne Ballade ihren Weg auf das neue Album. Sicher kein Stimmungskracher fĂŒr’s Lagerfeuer, aber mit ruhigem Schlagwerk, akustischer Gitarre und Cello-KlĂ€ngen sehr schön anzuhören.

Und dann – was ist das denn? Der Tusch! – ach ja, mein neues Lieblingslied und Ohrwurm. Melodie: Super (auch wenn, oder gerade weil auch ein bisschen was von Mozart geklaut wurde) – Text: Witzig und durchdacht – einfach super. Dieses Lied wird Live sicher der Kracher. Auch Lebenslehre zĂ€hlt definitiv zu meinen Favoriten. Musikalisch witzig und argumentativ gibt es wohl nichts daran zu rĂŒtteln, dass die kĂ€ufliche Liebe und Alkohol nicht zu verachten sind… Flamme bin ich sicherlich schĂŒttelt den Humor wieder ab und fegt in alter Folk-Metal Manier los. Es wird zwar zeitweise wieder etwas ruhiger – generell aber ein StĂŒck das Spaß macht. Auch das letzte StĂŒck Galgenvogel geht noch einmal ordentlich ab. Teilweise nur von Cello und Schlagzeug getrieben ist es doch melodisch wie textlich gelungen.

Alles in allem macht das neue Album wirklich Spaß. Persönlich hĂ€tte ich noch auf ein StĂŒck wie Heldentot vom VorgĂ€ngeralbum gehofft, aber Schuld ist nur der Met kommt da schon sehr gut ran. Und Der Tusch! ist fĂŒr mich kaum zu toppen. Vogelfrey sind auf jeden Fall ein Geheimtipp fĂŒr die kommende Festivalsaison. Eine junge, sympathische Band mit viel musikalischem Potential und lustigen Ideen diese umzusetzen. Dieses Album sollte in keiner Mittelalter-Rock / Folk-Metal – Sammlung fehlen!

Tracklist:
01. Intro
02. 6 Vaganten
03. DĂŒsterpflicht
04. Schuld Ist Nur Der Met
05. Der Tod Und Das MĂ€dchen
06. Lindwurm Massaker
07. Freitod
08. Sommer
09. Der Tusch!
10. Lebendlehre
11. Flamme Bin Ich Sicherlich
12. Galgenvogel

Autor: Jesko MĂ€gle

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