Oomph! – Des Wahnsinns Fette Beute

Gesch├Ątzte Lesezeit: 4 Minute(n)

Unsere Bewertung

7 Bewertung

Gut 4 Jahre nach "Monster" gibt es endlich wieder eine neue Platte von den Herren rund um Dero Goi. Was habe ich erwartet? Guten Rock, elektronische Sounds, harte Riffs. Habe ich das bekommen? Fast. Manche Lieder fallen aus dem Raster und ├╝berraschen – aber – positiv. Musikalisch zumindest. Was die Texte angeht habe ich allerdings mehr erwartet. Zumindest tauchen keine Kinderges├Ąnge auf ­čśë Aber bei manchen Liedern frage ich mich doch f├╝r wen diese getextet wurden. Sicher nicht f├╝r die Fans die seit ├╝ber 20 Jahren mitgereift sind. Denn das sind die Texte leider nicht. Gef├╝hlt richtet sich ein Gro├čteil der Lieder an pubertierende Kiddies die ihre Sexualit├Ąt (neu) entdecken m├╝ssen. Anfangs noch Lustig (Bonobo) dann aber mehr und mehr zum verwirrt Dreinschauen und auch ein bisschen Fremdsch├Ąmen. Aber – fangen wir vorne an…

Los geht das Album genau so – wie ich mir ein Oomph!-Album vorstelle. Unzerst├Ârbar ist Hart, laut, gut. Nichts ├╝berragend neues – aber solides Material. Mit Zwei Schritte Vor findet direkt ein krasser Stilwechsel statt. Jazzig angehaucht erinnert das St├╝ck etwas an Experimente der ├ärzte von vor ein paar Jahren. Mir gef├Ąllt es ausgesprochen gut, mit eines meiner liebsten St├╝cke des Albums. Man m├Âchte einfach Mitschnipsen… Eing├Ąngig und Abwechslungsreich. Mehr davon, denk ich mir. Kein Wunder, dass dieses St├╝ck als Single ausgekoppelt wurde. Weiter geht es mit Such Mich Find Mich – elektronische Beats, klarer Gesang und tanzbar. Es klingt wie OOMPH! klingen m├╝ssen. Mit Bis Der Spiegel Zerbricht nehmen die Jungs etwas Fahrt raus. Melodisches Mid-Tempo, stellenweise epochale Kl├Ąnge und dabei direkt eines meiner Favoriten auf dem Album. Live ist es sicher perfekt mit G├Ąnsehautfeeling zu genie├čen. Mit Die Geister Die ich Rief wird noch etwas mehr Tempo raus genommen – und – ich wei├č nicht, was ich von dem Lied halten soll. Es erinnert mich irgendwie an ein Boygroup St├╝ck. Es ist nicht schlecht, ich mag die Melodie – und doch erinnert sie mich an Chart-Pop-Gedudel. Verkn├╝pft mit dem Text kann das durchaus gewollt sein, aber meins ist es irgendwie nicht.

So – und jetzt beginnt der zweite Teil des Albums. Musikalisch ist Bonobo ziemlich genial. Anfangs fast nur Rhythmus und Gesang. Im Refrain mit vollen Kl├Ąngen und "widwidiwid". Aber textlich? Naja. "Steck dir nen Finger in den Po und machs wie der Bonobo" geh├Ârt nicht unbedingt zu den anspruchsvollsten Texten… Deine Eltern macht da weiter, wo Bonobo aufgeh├Ârt hat, zumindest textlich. Musikalisch nimmt das Album immerhin wieder Fahrt auf, inhaltlich nicht. Au├čer man ist in der Pubert├Ąt und beginnt gerade sich selbst zu entdecken. Auch Kleinstadtboy macht hier weiter. Immerhin nicht ganz so platt wie die St├╝cke davor – und musikalisch mit guten elektronischen Parts h├Ârbar und definitiv zum Schmunzeln. Mit Regen folgt eine sch├Âne Ballade. Klarer, ruhiger Gesang, Melancholie und Feuerzeug-Stimmung. Sch├Ân, wenn man sich unter der Bettdecke verkriechen m├Âchte. Kosmonaut wird wieder etwas h├Ąrter, bleibt aber dennoch eher in ruhigen Gefilden. Beim ersten H├Âren musste ich dabei an "30 Seconds to Mars" denken. Ein sch├Ânes St├╝ck mit einem Refrain der gut ins Ohr geht. Komm Zur├╝ck findet zur├╝ck zum harten Sound mit einer guten Portion Elektro. Mitsingen, Tanzen – Sehr gut. Ein weiterer meiner Favoriten. Aus Meiner Haut – hm – musikalisch mag ich das St├╝ck. Textlich h├Ątte man aus dem Thema doch deutlich mehr machen k├Ânnen. Die Grundidee aus seinen Normen auszubrechen, frei zu sein, das zu tun was man will und was man f├╝hlt, finde ich enorm gut. Aber – die Art wie es umgesetzt wurde finde ich zu sehr ins L├Ącherliche gezogen. Genau so geht es mit Seemannsrose weiter. F├╝r mich einfach deutlich zu platte Texte. Ich hab ja nichts gegen zweideutiges. Aber so? Ich glaub ich bin zu alt ­čśë Die musikalische Umsetzung hingegen ist wieder genial. Akkordeon, aufbrausende Parts – Toll. Unendlich – das letzte St├╝ck des regul├Ąren Albums – f├Ąngt mit d├╝steren Gitarrensounds an und geht dann in ein schaurig-trauriges St├╝ck ├╝ber. Traurig, aber sehr gut. Sowohl Text als auch Musik. Die "Deluxe"-Version des Albums beschert uns noch zwei weitere Songs. F├╝tter Mich legt wieder etwas zu, der Absacker im Mittelteil des Albums ist ├╝berwunden. Geile Gitarrenparts, harter Gesang und ein Text, ├╝ber den der eine oder andere mal nachdenken k├Ânnte. Der Tod Ist Ein Herzschlag Entfernt – eigentlich f├Ąllt mir dazu nur Eins ein: Bond, James Bond. Der Titelsong des n├Ąchsten 007-Abenteuers?

H├Ątte das Album im Mittelteil nicht so sehr ins eindeutig zweideutige abgeschweift, w├Ąre es f├╝r mich perfekt. So gibtÔÇśs in meinen Ohren f├╝r die Texte leider Abz├╝ge. Die Jungs w├Ąren mittlerweile alt genug, reifere Texte f├╝r die gleichen Themen zu produzieren. Musikalisch trifft es aber genau meinen Geschmack. Eine gute 7/10. Sowohl f├╝r alte Fans als auch f├╝r neu reinschnuppernde hat das Album was zu bieten. Einige der Lieder werden definitiv einen festen Platz in meiner Playlist bekommen.

Tracklist:
01. Unzerstorbar (03:39)
02. Zwei Schritte Vor (04:24)
03. Such Mich Find Mich (03:31)
04. Bis Der Spiegel Zerbricht (03:35)
05. Die Geister Die Ich Rief (03:04)
06. Bonobo (03:59)
07. Deine Eltern (04:03)
08. Kleinstadtboy (03:58)
09. Regen (04:12)
10. Kosmonaut (04:00)
11. Komm Zuruck (03:09)
12. Aus Meiner Haut (03:07)
13. Seemannsrose (03:08)
14. Unendlich (05:15)
15. Futter Mich (03:38) (Bonus Track)
16. Der Tod Ist Ein Herzschlag Entfernt (04:06) (Bonus Track)

( Musik 9/10 – Text 5/10 )

Autor: Jesko M├Ągle

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