Ende August 2012 erscheint das neue DE/VISION Album „Rockets & Swords“

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Seit fast fĂŒnfundzwanzig Jahren zĂ€hlt die Berliner Band DE/VISION zu den bestĂ€ndigsten und verlĂ€sslichsten Vertretern des Electro-Pop-Genres, doch haben es sich Steffen Keth und Thomas Adam stets versagt, sich auf ihren hart erkĂ€mpften Lorbeeren auszuruhen. Stattdessen haben sie turbulente Odysseen durch die Landschaft von Indie-Labels und Major Companies hinter sich, bis sie ihre Heimat mit dem eigenen Label Popgefahr Records gefunden haben. Und auch musikalisch haben sich DE/VISION nie auf einen Stil festlegen lassen und munter Randgebiete der elektronischen Musikgefilde erforscht, wovon neben unzĂ€hligen Alben auch diverse Best-of-Compilations und gleich mehrere Remix-Alben zum letzten Werk „Popgefahr“ zeugen.

Mit ihrem neuen Album „Rockets & Swords“ bewegt sich das Duo auf durchaus vertrautem Terrain. Schon mit „Popgefahr“ haben DE/VISION ihre Klangwelten auf anregende Weise mit lieb gewonnenen Retro-Sounds bereichert. Nun sind sie noch einen Schritt weiter gegangen und haben eine erfrischend klare Linie gefunden, die dem Album ein markantes Gesicht verleiht und die ohnehin stark ausgeprĂ€gten Songwriter-QualitĂ€ten der Band noch hervorhebt.

„Alles sollte etwas einfacher und klarer strukturiert sein, ĂŒbersichtlicher und nicht komplett ĂŒberladen, dennoch sehr kraftvoll, Ă€ußerst diffizil und abwechslungsreich“, umreißt Thomas das Konzept.

TatsĂ€chlich schmiegen sich die Songs von „Rockets & Swords“ wie eine vertraute Geliebte in die GehörgĂ€nge, fesseln mit pointierten Beats und aufs Wesentliche fokussierte Hooklines, die jedem Song unwiderstehliche OhrwurmqualitĂ€ten verleihen. So kommt „Boy Toy“ wie ein verschollen geglaubtes Relikt aus dem Fundus neuromantischer 80er-Jahre-Sounds daher, mit lieblichem Background-Chor und furiosen Retro-Spielereien, die mal die kĂŒhle Kraftwerk-Eleganz ausstrahlen, aber auch verstörende Industrial-Brocken ausspucken. Selbst das ganz und gar himmlisch betörende „Superhuman“ wird immer wieder durch brillante Sound-Spielereien durchbrochen, die das Album wie ein prallbuntes Potpourri elektronischer Musikgeschichte durchziehen. Selbst herzzerrreißende Balladen wie „Beauty of Decay“ oder „Want to Believe“ weisen in ihrer Soundstruktur immer wieder ĂŒberraschende Elemente auf, die sich harmonisch in die Songchemie einfĂŒgen, ihr so aber eine kribbelnde Spannung verleihen, die sich durch das ganze Album zieht. Dies kommt besonders bei dem grandiosen „Brotherhood of Man“ zum Tragen, wo akzentuierte Gitarrenriffs, ein pochender Beat und die zusĂ€tzliche Stimme von Crystin Fawn eine farbenfrohe Symbiose eingehen. Aufgefallen ist die SĂ€ngerin durch die Remix-BeitrĂ€ge ihrer Band Hearhere zum „Popgefahr – The Mix“-Album.

Bei der Verwirklichung dieses extrem ausgereiften wie erfrischenden Klangkonglomerats war einmal mehr das Produzenten-Duo Schumann und Bach von unschÀtzbarem Wert. Bereits seit einigen Jahren bildet das Quartett eine eingeschworene wie fruchtbare Gemeinschaft.

„Neben ihrem umfangreichen technischen Know-How verfĂŒgen die beiden ĂŒber eine schier grenzenlose musikalische KreativitĂ€t, und sie haben ein exzellentes GespĂŒr dafĂŒr, was DE/VISION ausmacht. Sie geben uns oftmals neue Impulse und zeigen uns andere Wege auf. Wenn man ĂŒber so viele Jahre so eng miteinander arbeitet, dann ist es aber vor allem wichtig, dass man sich auch privat gut versteht und respektiert. Ein freundschaftlicher, auf Vertrauen basierender Umgang untereinander ist unerlĂ€sslich“, umreißt Thomas das Erfolgsrezept ihrer Zusammenarbeit.

War das vorangegangene Album „Popgefahr“ noch eine augenzwinkernde Auseinandersetzung mit dem oft negativ besetzten „Pop“-Etikett, schlĂ€gt „Rockets & Swords“ thematisch durchaus gesellschaftskritische Töne an.

„Eine Rakete ist eine moderne Waffe, das Schwert eine alte, antike Waffe aus einer vergangenen Epoche. Neu und alt. Beide dienen demselben Zweck, sie sind perfekte Mordinstrumente, sie beschleunigen den Übergang vom Leben zum Tod. Und doch, so komisch das auch klingen mag, können diese Waffen, die ja dazu gemacht wurden, um Leben zu nehmen, manchmal auch Leben retten, wenn es z.B. darum geht, Unschuldige zu beschĂŒtzen“, beschreibt Thomas das Konzept. „Der Albumtitel symbolisiert die BipolaritĂ€t des Lebens im Allgemeinen, positiv und negativ, hell und dunkel, Tag und Nacht usw. Das eine existiert nicht ohne das andere, sie sind nicht gleich und doch eins. Dieses Thema der GegensĂ€tze zieht sich auch textlich durch das gesamte Album. Ein Song auf dem Album trĂ€gt beispielsweise den Titel "Bipolar", der Name ist Programm, in einem anderen Song geht es darum, das Gleichgewicht zwischen den Extremen herzustellen. Dieser rote Faden zieht sich durch das ganze Album.

Ich glaube, dass das Bild von Raketen und Schwertern auch gut die aktuelle Weltpolitik widerspiegelt. Wenn man sich anschaut, wie z.B. die Menschen, die in Syrien fĂŒr ihre Freiheit kĂ€mpfen, von einer modernen, militĂ€rischen Übermacht niedergemetzelt werden. Diese Menschen kĂ€mpfen in der Tat oftmals mit Schwertern (oder weniger) gegen Raketen.“

DE/VISION prĂ€sentieren sich mit „Rockets & Swords“ als ganz und gar erwachsene Electro-Band, die mit ihrem ĂŒber Jahrzehnte angehĂ€uften Erfahrungsschatz gelernt hat, sich immer wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren und eindringliche Pop-Perlen in wunderbar facettenreiche SoundgewĂ€nder zu hĂŒllen. Die ebenso schlicht wie effektiv produzierten Arrangements lassen nicht nur jedes Electro-Herz höher schlagen, sondern funktionieren einmal mehr auf der TanzflĂ€che ebenso wie im Heimkino, wo die stimmungsvollen Songs ganz eigene Filme auf die Leinwand vor dem inneren Auge entstehen lassen. Das ist einfach eindrucksvolles Pop-Kino!

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