EVANESCENCE & RIVAL SONS – Dortmund, FZW (14.06.2012)

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GeschÀtzte Lesezeit: 4 Minute(n)

Das lateinische Wort evanescere heißt so viel wie dahinschwinden. Dass dies bei den Alternative-Rockern um SĂ€ngerin Amy Lee nicht der Fall ist, beweisen Evanescence bei ihrem Besuch im Dortmunder FZW. Im GepĂ€ck haben die Amerikaner nicht nur ihr aktuelles und gleichnamiges Album Evanescence, sondern auch einen Supportact, den man so an diesem Abend musikalisch gesehen nicht erwartet hĂ€tte.

Die Kalifornier von Rival Sons eröffnen das Spektakel und sorgen mit ihrem Blues-Rock fĂŒr regelrechtes Kontrastprogramm. Schmerzlich suchen einige SzenegĂ€nger dĂŒstere Elemente in den dahin gejamten KlĂ€ngen, doch davon ist weit und breit nichts zu hören. Stattdessen dringen Melodien an unsere Ohren, die uns gedanklich in ein rockiges Hippie-Szenario versetzen. Willkommen zurĂŒck in der Vergangenheit! Der SĂ€nger gibt sich stilecht in Lederjacke und seine ins Gesicht baumelnden Haare passen zum Gesamtbild. Auch die andere Bandmitglieder ĂŒberlassen optisch nichts dem Zufall: das Hippie-Kopftuch sitzt genau da, wo es hingehört, und der Bassist mit seiner Sonnenbrille und legeren Kopfbedeckung passt visuell so wenig in dieses Bild, dass es irgendwie doch wieder passt. Die lĂ€ssige Formation, die nach ein paar Startschwierigkeiten auch bei dem Dortmunder Publikum ankommt, schmettert einen Song nach dem anderen in die Menge, stets mit einer derart spĂŒrbaren Ruhe und Gelassenheit, dass es sich fast schon wie ein kleiner Joint-Trip anfĂŒhlt.

Setlist Rival Sons:
01. Gypsy Heart
02. Burn Down Los Angeles
03. Torture
04. Keep On Swinging
05. Face of Light
06. Pressure and Time
07. Soul
08. Get What’s Coming

Die Umbaupause muss einigen Fans wie eine Ewigkeit vorgekommen sein. Denn obwohl nach einer halben Stunde alles an seinem Platz ist, lassen Evanescence die Fans noch ein wenig zappeln, und so steigt die Spannung im FZW immer mehr und ist schließlich deutlich spĂŒrbar. Plötzlich verstummt die hintergrĂŒndige Musik und auf der BĂŒhne wird der Startschuss mit What You Want gesetzt. Die charismatische Amy ist stimmlich in Topform, wirbelt wie der Wind ĂŒber die BĂŒhne, lĂ€sst ihr langes schwarzes Haar von diversen Ventilatoren durchpusten und heizt der Menge mit ihrer kraftvollen Art ordentlich ein. Beim darauf folgenden Kracher Going Under vom Debut- Album Fallen setzen dann auch schon die ersten Fanchöre ein. Vor allem in den ersten Reihen schreien sich die jungen Besucher die Kehle aus dem Hals und schmachten ihr Idol an, das im eher kleinen FZW auch zum Greifen nahe ist. NatĂŒrlich ist das Set an diesem Abend reich gespickt mit Songs des aktuellen Albums, darunter The Other Side, The Change, Lost In Paradise oder das wundervolle My Heart Is Broken. Der emotionale Höhepunkt an diesem Abend ist bei Lithium erreicht, das sofort bejubelt wird. Nachdem Amy dieses StĂŒck mit eindringlicher Stimme eingeleitet hat, nimmt sie an einem schwarzen FlĂŒgel Platz und spielt, singt, schreit als gĂ€be es kein Morgen mehr. GĂ€nsehaut pur! Bei GrĂ¶ĂŸen wie Whisper und Imaginary wird dann wieder aus vollem Herzen abgerockt, sowohl auf der BĂŒhne als auch im Publikum. An diesem Abend passt einfach alles und Amy und ihre Jungs schaffen es gekonnt, die Masse mitzureißen, dass es schwer ist, sich diesen angenehmen Fesseln zu entreißen. Mit ihrem wohl bekanntesten Song Bring Me To Life beschließen Evanescence vorerst ihr Set, treten aber wenig spĂ€ter wieder vor das sehnsĂŒchtig wartende Publikum und legen nochmal nach. Amy, die zunĂ€chst alleine auf die BĂŒhne tritt, ist sofort wieder im Kontakt mit ihren Fans, nimmt eine Deutschland- Fahne entgegen und schmiegt sie an sich und sĂ€uselt: „Ick lieb‘ dick!“ Sie ist einfach ein Herzchen, unsere Amy!

Und auch wenn wir uns sicher noch viele Songs mehr gewĂŒnscht haben – denn obwohl Evanescence bisher nur drei Alben veröffentlich haben, verfĂŒgen sie ĂŒber genug hochwertiges Material – genießen wir die letzten Momente bei Your Star. Dass Amy sich stimmlich an diesem Abend verausgabt hat, ist nun deutlich hörbar, tut dem Ganzen aber keinen Abbruch. Mit My Immortal werden dann final nochmal alle Register gezogen und hier singt nicht nur die charismatische Frontfrau, sondern auch ihre Fans, wodurch sich die feinen HĂ€rchen erneut aufstellen. Evanescence glĂ€nzen und ĂŒberzeugen an diesem Abend auf voller Linie. Von dieser Power, dieser Hingabe kann sich fast jede Band noch eine Scheibe abschneiden!

Setlist Evanescence:
01. What You Want
02. Going Under
03. The Other Side
04. Weight Of The World
05. Made Of Stone
06. Lithium
07. Lost In Paradise
08. My Heart Is Broken
09. Sick
10. The Change
11. Whisper
12. Call Me When You’re Sober
13. Imaginary
14. Bring Me To Life
15. Your Star (Z)
16. My Immortal(Z)

Bilder des Konzerts befinden sich in unserer Konzertfotos Sektion (Bildkommentare sind durch Anklicken der Sprechblase möglich) oder direkt durch Anklicken der jeweiligen Bandfotos.

Evanescence:




Rival Sons:




Autorin: Tanja Pannwitz
Fotos: Michael Gamon

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