Neuwerk Festival 2011 – Krefeld, Kulturfabrik (28.12.2011)

2011-12-28 X-Divide - Bild 007x.jpg
GeschÀtzte Lesezeit: 9 Minute(n)

Was gibt es Schöneres, als so kurz nach Weihnachten nochmal reich beschenkt zu werden? So dachte man auch bei der Agentur neuWerk, welche uns fĂŒr ihr eintĂ€giges neuWerk- Festival ein hochkarĂ€tiges, griffiges Line- Up prĂ€sentierte. Haujobb, Suicide Commando, Nitzer Ebb – um nur einige Namen zu nennen – sorgen immer fĂŒr gute Stimmung und lassen die Fangemeinden hellhörig werden.

So fĂŒhrte es uns also am 28.12.11 in die Krefelder Kulturfabrik und trotz der deutlichen Konkurrenz mit dem Christmas Ball, dessen Termine parallel zu den neuWerk Terminen lagen, trudelten nach und nach immer mehr schwarze Gestalten in die Konzerthalle. Neben dem musikalischen Programm hielt die Location fĂŒr uns nicht nur einen umfangreichen Merchandise- Stand bereit, sondern im vorderen Teil des Clubs auch eine Ecke, in der man gemĂŒtlich bei einem Bier oder Ă€hnlichem beisammen sitzen und sich unterhalten konnte.


X-Divide [GALLERY]

Als erster Act an diesem Abend standen X-Divide, bestehend aus Jens und Eric, auf dem Programm. SĂ€nger Eric, der bei den Shows zuvor gesundheitlich noch etwas angeschlagen war, schien heute etwas gefasster und zeigte sich wieder von seiner besten Seite. GefĂŒhlvoll und mit der nötigen Portion Beat stimmten die beiden die Zuschauer auf einen musikalisch ereignisreichen Abend ein. Und auch wenn die KuFa noch nicht allzu prall gefĂŒllt war, war die Stimmung bereits richtig gut. Die ersten Fans fingen bei Songs wie dem Namnambulu- Klassiker „Now Or Never“ oder dem bandeigenen „Sometimes“ an, die Beine und HĂŒften in Bewegung zu setzen und wĂ€hrend Eric alles gekonnt mimisch und gestisch untermalte, zog der sonst so zurĂŒckhaltende Jens an den Keys die ein oder andere Grimasse. Ein toller Start!

Setlist:
01. Sympathy (NamNamBulu remix)
02. My Love is Guaranteed
03. So in Love
04. Sometimes
05. Now or Never
06. Forever


Reaper [GALLERY]

Nach einer kurzen Pause ging es direkt im Anschluss mit dem Aggrotech- Projekt Reaper weiter, welches natĂŒrlich von niemand anderem angefĂŒhrt wird als Ex- Namnambulu Vasi Vallis. Und auch wenn mit Reaper deutlich hĂ€rtere Wege beschritten und deutlich lautere Töne angeschlagen werden, so erscheint Vasi doch am heutigen Abend nicht als der typische Reaper, den man sich so vorstellt, wenn man den Bandnamen hört. Ganz im Gegenteil wirkten die beiden jungen MĂ€nner, die sich heute auf der BĂŒhne die Ehre gaben, eher wie die perfekten Schwiegersöhne. Die Haare ordentlich gegelt und ein fast schon Schuljungen-mĂ€ĂŸiges Comic- Shirt- Outfit. SĂŒĂŸ! Das waren die fetten Beats, die die beiden Jungs von ihrem DJ- Pult in die Menge feuerten, jedoch ganz und gar nicht. Neben ein paar neuen Songs gaben die beiden auch „Urnensand“ und „X-Junkie“ zum Besten und auch wenn eine richtige Live- Show an diesem Abend ausblieb, kamen die tanzenden Fans doch auf ihre Kosten.

Setlist:
01. X-Junkie
02. Das Grauen
03. Urnensand
04. Robuste Maschine
05. – (New Song – bisher unbetitelt)
06. Sinnkrieg (Skyla Vertex song)
07. – (New Song – bisher unbetitelt)


Haujobb [GALLERY]

Wenig spĂ€ter stand eine Band auf der Tagesordnung, auf die wir uns an diesem Abend ganz besonders gefreut hatten: Haujobb. Die begnadeten Jungs um Mastermind Daniel Myer waren ursprĂŒnglich gar nicht Teil des diesjĂ€hrigen Line- Ups, sprangen jedoch fĂŒr Rotersand ein, die aus gesundheitlichen GrĂŒnden ihren Auftritt absagen mussten. Und obgleich die UmstĂ€nde fĂŒr die Herren von Rotersand unschön sind, freute es mich an diesem Abend umso mehr, Haujobb endlich einmal live auf der BĂŒhne zu erleben. Lange, sehr lange hat Daniel Myer, was dieses Projekt angeht, nichts von sich hören lassen. Sage und schreibe 9 Jahre mussten die Fans auf ein neues Machwerk warten, aber siehe da: was ewig wĂ€hrt, wird endlich gut. Die aktuelle Platte „New World March“ schlug sicherlich nicht nur in meinen Ohren ein wie eine Bombe und dass alle gespannt auf die Performance der Durchstarter warteten, war deutlich hör- und spĂŒrbar. Und als Daniel Myer und sein Kompagnon Dejan Samardzic mit „Letting The Demons Sleep“ loslegten, gab es bereits fĂŒr die eingefleischten Fans kein Halten mehr. Vielmehr wurden hier die DĂ€monen aufgeweckt als dass sie schlafen gelassen wurden und die Stimmung war dementsprechend gut. Ausdrucksstark strömten die Töne nur so aus Daniel heraus und mitunter ließ er einem mit dem einen oder anderen Ausdruck im Gesicht den Atem stocken. Im Hintergrund wurden die einzelnen Songs passend von Leinwand- Projektionen untermalt und an den elektronischen Drums klöppelte man gemeinsam mit Live-member Manuel G. Richter um die Wette. NatĂŒrlich blieb man musikalisch nicht stĂ€ndig in der Gegenwart, sondern gab auch Klassiker wie „Eye Over You“ oder „Dream Aid“ zum Besten, bei welchen sich die Stimmung vor allem unter den vielen Fans ganz besonders aufheizte. NatĂŒrlich durfte aber bei einem so ausgefeilten Set die aktuelle Single „Dead Market“ nicht fehlen, die schon im Vorwege und vor allem am heutigen Tag stark umjubelt wurde. Ein starker Auftritt einer durchweg begabten, sympathischen Band!

Setlist:
01. Letting the Demons sleep
02. Renegades of Noize
03. Little World
04. Let’s drop Bombs
05. Eye over you
06. Dream Aid
07. Unseeing
08. Penetration
09. The Noise Institute
10. Dead Market


Diorama [GALLERY]

In Sachen sympathische Bands kann man zweifelsohne auch die folgende nennen. Diorama scharen aus gutem Grund immer mehr und mehr Fans um sich und waren fĂŒr viele auch am heutigen Tage eines der Highlights. Wer die Jungs bereits auf der BĂŒhne erlebt hat, der weiß, dass immer fĂŒr ordentlich Action und Dynamik gesorgt wird und dass wir uns von Frontmann Torben Wendts GesichtsausdrĂŒcken gerne mal zum Schmunzeln hinreißen lassen. Geschniegelt und gestriegelt trat Selbiger dann mit seinem nicht weniger sympathischen Gefolge vor die Menge und intonierte nach einem kurzen Intro den Kracher „Ignite“, der sofort zum Mitmachen einlud. Nachgelegt wurde dann ohne Umwege mit GrĂ¶ĂŸen wie „Why“, seinerzeit eine richtige Fanhymne, „Champagne For All“ und natĂŒrlich dem gelebten und geliebten „Child Of Entertainment“. Neben diesen fast schon obligatorischen StĂŒcken fand jedoch auch ein neuer Song den Weg in das Set. „Hello Goodbye“ ließ die Fanmenge inne halten und jeden einzelnen neuen Ton in sich aufsaugen. Die Band war gut gelaunt und ausdrucksstark wie eh und je und als man das Set mit „The Girls“ beendete, hĂ€tte es fĂŒr viele Besucher sicherlich noch Stunden lang so weitergehen können. Diorama machten einfach wieder einmal großen Spaß und mit nur 8 Songs war ihr Auftritt am heutigen Tage deutlich zu kurz.

Setlist:
01. Intro
02. Ignite
03. Why
04. Champagne for all
05. Hello, Goodbye (New Song)
06. Child of Entertainment
07. Synthesize me
08. The Girls


Suicide Commando [GALLERY]

Irgendetwas war an uns vorbeigegangen, denn wir hatten es gar nicht bemerkt, wie voll es mittlerweile in der KuFa doch geworden war. Wo einige Stunden zuvor noch viel Platz zum Tanzen gewesen ist, wurde es nun kuschelig; und das, obwohl der nĂ€chste Act doch alles andere als KuschelgefĂŒhle auslöst. Das Suicide Commando ist stets ein Stimmungsgarant – egal, auf welche Menge man den SoundtĂŒftler Johan van Roy loslĂ€sst, das Ergebnis ist stets dasselbe. Schreiende, fiebernde, tanzende Menschenmengen, die zu Dancefloor- Hymnen aus den letzten 20 Jahren abfeiern. Dass der quirlige Belgier nicht erst seit gestern Musik macht, ist aus jedem einzelnen Song herauszuhören. Hier sitzt jeder Ton dort, wo er hingehört, jedes Sample hat seine Berechtigung und die Thematik – Suizid, Tod, Sex -, die bei vielen neueren Bands einfach nur matt belĂ€chelt wird, wirkt beim Suicide Commando absolut glaubwĂŒrdig. Und so kann man auch in Krefeld wieder ordentlich Punkte einstreichen bei Krachern wie „Hate Me“, „Cause Of Death: Suicide“ oder „Bind, Torture, Kill“. Auch die Klassiker „Mein Herz, Deine Gier“ oder „See You In Hell“ sorgten nicht nur fĂŒr Freude unter den Fans, sondern auch fĂŒr eine Stimmung, die es so am heutigen Tag noch nicht gegeben hat. Hier stand keiner mehr still. Die HĂ€nde, die eins in den Tiefen der Hosentaschen vergraben waren, wurden nun Richtung Himmel gerissen, um mit vollem Körpereinsatz Johans Performance zu unterstĂŒtzen. Im Hintergrund liefen wieder die Suicide Commando- typischen Kurzfilme ab, die Szenen von SexualitĂ€t, Mord und Selbstmord zeigten. Hier stimmte einfach alles. Und auch wenn einem beim Anblick der Bilder teilweise fast schlecht geworden ist, passte hier doch alles an seinen Platz. Ein erwartungsgemĂ€ĂŸ gelungener Auftritt eines Projekts, das in der Szene Seinesgleichen sucht.

Setlist:
01. Severed Head
02. Hate Me
03. Death Cures All Pain
04. Raise your God
05. Dein Herz, Meine Gier
06. Cause of Death: Suicide
07. God Is in the Rain
08. Massaker (Tommi Stumpff cover)
09. Love Breeds Suicide
10. Die Motherfucker Die
11. Bind, Torture, Kill
12. See You In Hell (Z)


Nitzer Ebb [GALLERY]

Langsam nĂ€herten wir uns dem Ende. Doch bevor alle restlos glĂŒcklich und zufrieden die Kufa verlassen konnten, bedurfte es noch der letzten Zutat, um diesen Abend perfekt abzurunden. Nitzer Ebb kĂŒndigten sich als Headliner der neuWerk- Festival Reihe an (in Berlin waren VNV Nation als Headliner vorgesehen). Und auch wenn wir die Herren um den charismatischen Douglas McCarthy immer wieder auf eigenen Konzerten oder Festivals antreffen, ist es doch immer wieder ein Erlebnis, dieses EBM Urgestein auf der BĂŒhne performen zu sehen. Sonnenbrille und schwarzer Anzug sind schon lĂ€ngst zum Markenzeichen von SĂ€nger Douglas geworden und genauso betrat er gefolgt von Bon Harris (Synthesizer, Drums, Produktion) und Jason Payne (Drums, Percussion) die dunkle BĂŒhne. Und ohne sich in ĂŒberschwĂ€nglichen BegrĂŒĂŸungszeremonien zu verlieren, legten Nitzer Ebb sofort mit dem Kracher „Getting Closer“ los. Das Publikum zögerte nicht lange und fing an zu stampfen, was der Boden der KuFa aushielt. Nachdem sich die Herren warm gesungen und gespielt hatten, fingen bei Douglas auch schnell die HĂŒften wieder an zu kreisen. „Down On Your Knees“ – und wer hier nicht stampfte, der war gebannt von dieser unsagbaren Dynamik auf der BĂŒhne. Alles war in Bewegung und es fĂŒhlte sich einfach nur gut an. Und auch wenn ich schon viele Shows von Nitzer Ebb gesehen habe, war die heutige eine der besten. Zum einen waren die Herrschaften selbst so gut gelaunt wie noch nie, zum anderen hĂ€tte die Songauswahl besser nicht sein können. Hier jagte wirklich ein Knaller den nĂ€chsten, sei es nun „Hearts&Minds“, „Let Your Body Learn“ oder „I Give To You“, um nur einige zu nennen. Die Stimmung in der aufgeheizten Kulturfabrik war einfach sagenhaft. Ganz besonders erfreut nahmen die Fans auch die im Vorwege versprochenen Live- RaritĂ€ten „One Man’s Burden“ und die Zugabe „Violent Playground“ auf und schenkten den Briten dafĂŒr die höchste Aufmerksamkeit und den verdienten Applaus. Eine großartige Show, die gerne noch Stunden so hĂ€tte weitergehen können.

Setlist:
01. Intro
02. Getting Closer
03. Down On Your Knees
04. Shame
05. Hearts & Minds
06. Let Your Body Learn
07. Once You Say
08. Lightning Man
09. Hit You Back
10. Blood Money
11. Payroll
12. Godhead
13. I Am Undone
14. One Man’s Burden
15. Murderous
16. Control I’m Here
17. Promises (Z)
18. I Give To You (Z)
19. Violent Playground (ZZ)
20. Join in the Chant (ZZ)

Und so geht mit Nitzer Ebb ein absolut gelungener nachweihnachtlicher Abend zu Ende. Dem neuWerk- Team kann an dieser Stelle nur ein großes Lob ausgesprochen werden, dass es fĂŒr die Fans und Freunde der dĂŒsteren ElektroklĂ€nge auch im Jahr 2011 den richtigen Riecher hatte.

Bilder des Festivals befinden sich in unserer Konzertfotos Sektion (Bildkommentare sind durch Anklicken der Sprechblase möglich) oder direkt durch Anklicken der jeweiligen Bandfotos und Gallerylinks.

Autorin: Tanja Pannwitz
Fotos: Michael Gamon

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