Dan Mangan – Oh Fortune

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7 Bewertung

Dan Mangan – Oh Fortune

Mit seinem neuen und gleichzeitig drittem Schaffenswerk "Oh Fortune" wagt sich der kanadische Barde in unbekanntes Terrain vor, welches er aber in enormer Schnelle erforscht zu haben scheint. In Deutschland wurde er im vergangenen Jahr durch seinen Auftritt beim Haldern Pop Festival einem breiteren Publikum bekannt und dort frenetisch gefeiert und umjubelt. Bemerkenswert gute Kritiken hat er dafĂŒr auch von unabhĂ€ngigen Musikjournalisten erhalten. War dieses Aufspielen mit seiner famosen Band regelrecht explosiv, so verlief der nur wenige Wochen spĂ€ter ergreifend stattfindende Termin beim britischen End of the Road Festival kammermusikalisch und folkloristisch. Solch ein Spagat verursacht bei vielen eine schmerzende Zerrung, dieser 23-jĂ€hrige Singer/Songwriter ist aber biegsam und dehnbar wie eine Kunstturnerin (ein ungewöhnlicher Vergleich, ich weiß), wofĂŒr er auch Jahre geĂŒbt hat und wenn es nur Mini-Klubs waren, in denen er aufgetreten ist. Von Nichts kommt Nichts oder ohne Fleiß kein Preis.

Ungewöhnliche Titel, Trauer, Tod, Evolution, ZusammenfĂŒhrung prĂ€gen das aktuelle Album, allerdings immer mit dem Prinzip der Hoffnung in Verbindung gebracht. So zeigt zum Beispiel schon der Opener mit dem ĂŒberaus langen Titel "About As Helpful As You Can Be Without Being Any Help At All" was uns klanglich alles zu erwarten hat, zugleich wird damit leider auch das Überraschungsmoment vorweggenommen. Orchestrale KlĂ€nge mit vielen Streichern und BlĂ€sern, die sich mit sanftem Gitarrengezupfe alternieren.
"Post-War Blues" ist wohl der mit Abstand temporeichste Titel auf dem Album, heißlaufende, quietschende Gitarren und stampfende Perkussion, bei dem niemand ruhig sitzen bleiben kann. Dagegen hat "Daffodil" etwas schauriges und morbides an sich, eine Stimme aus dem Hintergrund spricht, wie aus der jenseitigen Welt. Dan Mangan ergreift mit seiner vollmundigen Stimme auf allen Tracks sofort den Zuhörer im Raum, in dem sich dieser befindet, egal ob laut oder leise angehört. Manchmal nervt lediglich dieser Beirut-Ă€hnliche Ausklang mit viel GeblĂ€se an einigen StĂŒcken, was glĂŒcklicherweise nicht ĂŒberhand nimmt.

"Leaves, Trees, Forest" ist ein warmherziger Canadian-Folk-Pop Song, der fĂŒr den Aufbau vieler Dinge stehen kann: BlĂ€tter gehören zum Baum, ein Wald ohne BĂ€ume ist kein Wald. Ein Synonym, welches auf alle Bereiche des Lebens applizierbar ist. Das Gitarrensolo in "Rows of Houses" ist das beeindruckendste auf dieser Platte. Es ist verschroben und dennoch harmonisch. Der letzte Titel "Jeopardy" sorgt fĂŒr einen sĂŒĂŸlichen Ausgang in die Mangan-freie Zone.

"Oh Fortune" ist sicherlich kein Album, welches die Welt verĂ€ndern wird, auch keines, welches unbedingt benötigt wurde, aber es schafft AnstĂ¶ĂŸe, um ĂŒber einiges nachzudenken, was sonst möglicherweise eher weggeschoben wĂŒrde.

Tracklist:
01. About As Helpful As You Can Be Without Being Any Help At All
02. How Darwinian
03. Post-War Blues
04. If I Am Dead
05. Daffodil
06. Starts With Them, Ends With Us
07. Oh Fortune
08. Leaves, Trees, Forest
09. Rows Of Houses
10. Regarding Death And Dying
11. Jeopardy

Autor: Stefan Weiß

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