RAMMSTEIN – DĂŒsseldorf, ISS Dome (04.12.2011)

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Erst kĂŒrzlich ließen sich Rammstein in ihrer Heimatstadt Berlin ein Mausoleum errichten und sorgten fĂŒr ordentlich Aufsehen,als sie ihre Totenmasken stilvoll per Kutsche in das Totenhaus einfahren ließen.
Alles andere als tot, blass und fahl kĂŒndigte sich die nicht selten als Skandal-Band bezeichnete Formation in DĂŒsseldorf zu gleich drei Terminen an. Neue Songs braucht eine Band diesen Kalibers schon lange nicht mehr, um einer nahezu restlos ausverkauften Tour entgegen zu sehen, und mit ihrem aktuellen Best-Of-Album "Made In Germany 1995-2011" belegen sie, dass ihr Repertoire zeitlos ist.

Ein Blick ins Publikum beweist, dass die Ost-Berliner Jungs mittlerweile ihre Fans aus der breiten Masse gewinnen. Waren sie doch damals als Vorband von Project Pitchfork der Szene verschrieben, fehlen heutzutage Menschen aus den dĂŒsteren Musikgefilden nahezu komplett. BierbĂ€uchige Feierlustige, mitunter auch politisch deutlich auszumachende Personen – von rechts als auch links -, der unauffĂ€llige Normalo und zwischendrin ein, zwei SzenegĂ€nger, hauptsĂ€chlich mĂ€nnliche Wesen, hetero- und homosexuell, und viele der weiblichen Fans kommen optisch ihrer mĂ€nnlichen Begleitung gleich.

Bevor das Spektakel, dem alle so fiebernd entgegen sehnten, dann jedoch starten konnte, wurde zunĂ€chst mit den Deathstars losgelegt. Die Skandinavier, die optisch an Marilyn Manson und musikalisch an den Hauptact angelehnt sind, hatten es jedoch schwer, die Masse mit ihrer Show mitzureißen. Trotz des souverĂ€nen Auftritts waren die Deathstars, die immer wieder neue Versuche starteten, um die Menge zu erreichen, dem monströsen Hauptact jedoch deutlich unterlegen.

Um Punkt 21 Uhr wurde dann endlich das Licht gedimmt und wie durch Geisterhand tauchte die gesamte Band, teilweise mit Masken vermummt, in der Menschenmenge auf. Ekstatisch fingen die Fans an zu jubeln und ĂŒber eine BrĂŒcke fanden Rammstein – von einem FackeltrĂ€ger angefĂŒhrt- den Weg auf
die BĂŒhne. Ein großer Knall! Schon befanden wir uns bei "Sonne" in einer eindrucksvollen Pyro- Show und immer wieder riss die feiernde Fanmenge die HĂ€nde in die Höhe, als FeuerfontĂ€nen mit viel Druck aufflammten. Aber nicht nur Stichflammen und NebelfontĂ€nen bei Krachern wie "Wollt Ihr Das Bett In Flammen Sehen" oder "Keine Lust" erzeugten das Besondere, das Große. Vor allem die einzelnen Charaktere der Bandmitglieder sorgten fĂŒr das gewisse Etwas. Immer wieder setzte Till den Axtmörder- Blick auf und untermalte damit Songs wie "Asche Zu Asche" und "Mein Teil". Bei Letzterem trat er dann in blutiger MetzgerschĂŒrze auf die genial ausgeleuchtete BĂŒhne und kochte in einem großen Topf den schlaksigen Keyboarder Flake, der ohnehin mit seiner Standard- BĂŒhnenaufgabe, dem Laufbandlaufen, schon gestraft ist. Das Publikum war sofort hin und weg und die Stimmung steigerte sich ins Unermessliche. Und auch wenn manch Dargebotenes moralisch Ă€ußerst fragwĂŒrdig ist, stand der Spaß bei derart schwerverdaulichen Inhalten hier deutlich im Vordergrund. Und immer wieder klappten die Kinnladen gen Boden, denn die Effekte nahmen und nahmen kein Ende. Besonders packend prĂ€sentierte Till auch "Mutter" und gab man sich dem Moment, dieser vereinnahmenden Stimme hin, war GĂ€nsehaut garantiert. Eine Bootsfahrt bei "Haifisch" forderte die Menge zum weiteren Mitmachen auf und so schwebte Flake in seinem paillettierten Ganzkörperanzug ĂŒber ein Meer aus lenkenden HĂ€nden.

Wenig spĂ€ter peitschte eine dominante, blondgelockte Hausfrau die aneinander gekettete und kriechende Band ĂŒber den Steg zu einer kleineren, in der Menschenmenge gelegenen BĂŒhne. "BĂŒck dich!, Befehl‘ ich dir…". Am Ende zog Till dann einen Gummischwanz aus seiner Hose und entließ FontĂ€nen aus weißer FlĂŒssigkeit ins Publikum. Mit "Mann Gegen Mann" wurde dann schnell stark nachgelegt und mit dem GĂ€nsehautgaranten "Ohne Dich" verließ die Band vorerst die Bretter, die an diesem Abend fĂŒr viele die Welt bedeuteten.

Lange dauerte es dann aber nicht, bis sich auf der BĂŒhne wieder etwas tat. Zur Freude des Publikums ging es mit dem Kracher "Mein Herz Brennt" weiter und hierbei glĂ€nzte der ausgeklĂŒgelte BĂŒhnenaufbau um ein Weiteres. Eine riesige Turbine spuckte Nebel in rauen Mengen und das bunte Licht wurde darin nur so aufgesaugt. Die Fans rissen immer wieder die HĂ€nde in die Höhe und wurden wenig spĂ€ter bei "Amerika" von einem weißen Lamettaregen bedeckt. Mit dĂ€monischen FlĂŒgeln, die Feuer fingen, intonierte Till mit voller Hingabe im Anschluß den wohl grĂ¶ĂŸten Rammstein-Hit aller Zeiten: "Engel". Die ekstatische Menge war begeistert und saugte diesen Anblick in sich auf. "Pussy" beendete die letzte Zugabe und im ersten Moment herrschte reine Sprachlosigkeit ĂŒber das soeben Erlebte. Und wer bereits bei vergangenen Rammstein- Touren dabei war, dem war schnell klar, dass sich die Ostberliner Jungs wieder einmal selbst ĂŒbertroffen hatten. Rammstein sorgten fĂŒr eine großartige Stimmung und legten eine Wahnsinnsshow ab, die Ihresgleichen sucht.

Setlist:
01. Sonne
02. Wollt Ihr Das Bett In Flammen Sehen
03. Keine Lust
04. Asche Zu Asche
05. Feuer Frei
06. Mutter
07. Mein Teil
08. Du Riechst So Gut
09. Links 2 3 4
10. Du Hast
11. Haifisch
12. BĂŒck Dich
13. Mann Gegen Mann
14. Ohne Dich
15. Mein Herz Brennt (Z)
16. Amerika (Z)
17. Ich Will (Z)
18. Engel (ZZ)
19. Pussy (ZZ)

Autorin: Tanja Pannwitz

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