PETER HOOK & THE LIGHT – NL-Eindhoven, De Effenaar (20.12.2011)

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Wir schreiben den 18. Januar 1980. In der niederlĂ€ndischen Stadt Eindhoven wird unwissentlich aller Beteiligten eines der letzten Joy Division Konzerte stattfinden. Doch bevor die Band um Ian Curtis auf der BĂŒhne steht, treten The Minny Pops als Support Act fĂŒr die Briten ins Rampenlicht. Dies ist keine neue Aufgabe fĂŒr die HollĂ€nder denn The Minny Pops eröffneten bis dato so einige Gigs fĂŒr Joy Divison in England und Holland.

31 Jahre spĂ€ter steht SĂ€nger Wally van Middendorp mit seiner, in den letzten 30Jahren stets umformierten Band wieder an gleicher Stelle wie 1980, um die Show zu eröffnen. Diesmal aber fĂŒr einen Tribute Abend an den Manchester Sound von Joy Division und ihren ungewöhnlichen Frontmann.

Die Band aus Amsterdam, die sich nach dem rhythmischen Korg Drumcomputer benennt, war in den Jahren 1978- 1985 aktiv. Das letzte Konzert spielten The Minny Pops 1981, vier Jahre spĂ€ter trennten sie sich… bis Peter Hook anklopft, um fĂŒr den zweiten Teil der Joy Division Zeitreise nĂ€mlich „Closer“ die gleiche Band wie vor drei Jahrzehnten im Vorprogramm zu haben.

Der minimalistische Minny Pops Sound klingt auch im Jahre 2011 noch erfrischend eckig und punkig. Frontmann Wally van Middendorp tanzt ebenso kantig wie es klingt, zu den elektronisch vermischten Post Punk StĂŒcken. Die Songs vom `82er DebĂŒt „Sparks In A Dark Room“ wie „Mountain“ oder „Time“ bringen den Klang der Vergangenheit auf den Post Punkt. Obwohl die Musik der Minny Pops fĂŒr einige Besucher Neuland ist, setzen sich die Beine zu den vertraut klingenden Beats schnell in Bewegung. Nach einer kleinen Minny Pop Rundreise von neun Liedern ist der Appetit auf mehr krĂ€ftig angeregt aber so wie es scheint kann der Hunger im nĂ€chsten Jahr gestillt werden, jedenfalls auf der Insel, denn im Januar spielen sich die Minny Pops erst ein mal durch England.

Lets dance to Joy Division die Zweite. Im Mai 2011 verabschiedeten sich Peter Hook & The Light nach dem „Unknown Pleasures“ Tribute bis „Closer“ von ihrem niederlĂ€ndischen Publikum. Nun ist ein halbes Jahr vergangen und die BĂŒhne im De Effenaar fĂŒr die „Closer“ Show eingerichtet. Der Applaus bestĂ€tigt Freude und reges Interesse an den alten Dingen des Quartetts die vor einigen Jahrzehnten aus den britischen Musikfugen gerieten. So kurzlebig die Band auch war, so unvergessen hat sich die Post Punk Legende einen Platz in der Musikgeschichte gesichert. Das Publikum, vor dem Peter Hook mit der Band The Light und seinem Sohn neben ihm am Bass heute steht, ist zur HĂ€lfte gleich alt wie das vor 31 Jahren, als der Bassist ebenfalls von hier oben runterschaute. Es ist schon erstaunlich, dass die Songs von Joy Division noch immer Anklang finden und den Ohren der vielen Fans noch nicht aufstoßen. An diesem Dezemberabend bekommen die StĂŒcke von „Closer“ dem Zweitling der einst jungen Depressiven, neues Leben eingehaucht, um wie die Königin der Nacht nur einen Augenblick in voller BlĂŒte zu stehen.

Ohne die restlichen ehemaligen Bandkollegen tingelt Peter Hook in mittelgroßen, gut besuchten Hallen durch die Lande. Er hat sich selbst vom Bassisten zum SĂ€nger befördert und interpretiert die Songs auf sich zugeschnitten ohne die Ikone Ian Curtis zu kopieren. Ein großer Entertainer ist Mr. Hook jedoch nicht, seine Showeinlagen bewegen sich in einem kleinen Radius der sich von Arme ausbreiten bis zum einarmigen ausstrecken, einem lĂ€ssigen Griff um das Mikro oder dem liebevollen Umarmen seines Basses erstreckt.

Überraschungen oder VerĂ€nderungen an der Tracklist des Albums wird es nicht geben, außer dass Peter neben seinem Standardinstrument in eine Melodika, oder besser gesagt Key-Flute (das gleiche Instrument welches auch Clan Of Xymox nutzen) prustet. Das Publikum in Eindhoven lĂ€sst es sich gut gehen und feiert die neu performten Tracks in ausgelassener Stimmung ab. Jedes StĂŒck ist ein Klassiker, bei dem jeder Anwesende textsicher mit einstimmen kann. Der Herr mit dem Irokesen- Haarschnitt am Mikrofon und dem locker umgehĂ€ngten Bass macht einen ebenfalls zufriedenen Eindruck, auch von einem ĂŒberwĂ€ltigenden Schwall Applaus lĂ€sst sich der Mancunian nicht aus der Ruhe bringen. „Closer“ ist schnell durchgespielt, was sich die Musiker als Zugaben ausgedacht haben steht noch in den Sternen. Erst als die komplette Mannschaft wieder im bunten Scheinwerferlicht steht wird das Geheimnis gelĂŒftet. Es gibt nicht nur eine Zugabe, sondern gleich einen ganzen Satz klingender GlĂŒckseeligkeit. Die Beratung hinter der BĂŒhne mit Hook Junior und seinem Vater hat unterm „Closer“ Strich ein gutes Ergebnis fĂŒr die wartenden Fans ergeben. – nĂ€mlich: wir spielen das gesamte Set wie vor 30 Jahren! Vor Freude strahlen die Augen der Fans mit den Schweinwerfern um die Wette. In der nĂ€chsten Stunde ist alles vertreten was sich jemals auf den Factory- Records gedreht hat. FĂŒr diejenigen die damals nicht dabei waren ist es ein bisschen wie Jurassic Park wenn die KlĂ€nge der Urzeit zu Leben beginnen.

AtmosphĂ€re und Punk wechseln sich bei Songs wie dem unkaputtbaren „Love Will Tear Us Apart“, „Ice Age“ oder etwa „She‘s Lost Control“ ab. Es wird getanzt, gefreut und bei „Atmosphere“ innerlich vielleicht die ein oder der andere TrĂ€ne fließen. Doch ganz zum Schluss, wenn die Gitarren auf „Ceremony“ stehen, sind sich alle wieder einig und das Motto der Band The Wombats wieder zelebriert, wenn alle gemeinsam zum Sound von Joy Division ausgelassen das Tanzbein schwingen.

Setlist:
01. Atrocity Exhibition
02. Isolation
03. Passover
04. Colony
05. A Means To An End
06. Heart & Soul
07. Twenty Four Hours
08. Eternal
09. Decades
10. Love Will Tear Us Apart (Z)
11. Digital (Z)
12. New Dawn Fades (Z)
13. These Days (Z)
14. Ice Age (Z)
15. Dead Souls (Z)
16. Disorder (Z)
17. Day Of The Lords (Z)
18. Autosuggestion (Z)
19. Shadowplay (Z)
20. She’s Lost Control (Z)
21. Transmission (Z)
22. Warsaw (ZZ)
23. Ceremony (ZZ)

Bilder des Konzerts befinden sich in unserer Konzertfotos Sektion (Bildkommentare sind durch Anklicken der Sprechblase möglich) oder direkt durch Anklicken der jeweiligen Bandfotos.

Peter Hook And The Light:

Minny Pops:

Autoren: Monique Rijksen & Martina Peitz
Fotos: Roger Op Den Camp

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