NOEL GALLAGHER’S HIGH FLYING BIRDS – K├Âln, Palladium (04.12.2011)

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Das Ende von Oasis scheint an Noel Gallagher zu knabbern. Wie sonst w├Ąre die thematische Klammer des heutigen Konzerts zu erkl├Ąren? Von (It’s good) to be free bis Don’t look back in anger? Themenabend "mein doofer Bruder hat meine Band kaputtgemacht."

So zumindest k├Ânnte man den Abend deuten, wenn man es drauf anlegte – und einem K├╝nstler viele Hintergedanken zugest├╝nde. Belle & Sebastians Stuart Murdoch hat die Frage nach "geheimen Botschaften" in Setlisten einmal lachend damit beantwortet, dass Fans Bands viel zu viel zutrauten. Das Programm eines B&S Konzerts entstehe spontan, je nachdem, auf welche Songs er gerade Lust habe, ganz ohne System. Bei Noel Gallagher scheint dieser Prozess noch etwas pragmatischer abzulaufen: auf der ganzen Tour spielt der S├Ąnger die gleichen Lieder, lediglich die Reihenfolge der Zugaben variiert. So war auch die Reise von der Befreiung von der Vergangenheit bis zum Vorsatz, nicht verbittert zur├╝ckzublicken Zufall, andere Konzerte endeten mit Little by little. Der sch├Ânste Beweis daf├╝r, da├č die Abfolge vollkommen egal ist, ist die Anordnung der Lieder der neuen Platte: Noel spielte alle Songs des Albums (bis auf das letzte St├╝ck Stop the clocks, das im Programm fehlte) in exakt der Reihenfolge, in der die Lieder auf der CD sind, dazwischen ein paar Oasis-Hits, eine B-Seite, ein neues St├╝ck, voil├á, so geht Setlistenbau.

Das Konzert des Engl├Ąnders war urspr├╝nglich im E-Werk angesetzt, nach wenigen Minuten allerdings ausverkauft und wurde auf die andere Stra├čenseite verlegt. Unter K├Âlner Konzertg├Ąngern ist das Palladium die meistgehasste (gr├Â├čere) Bude, leider h├Ąufig allerdings unvermeidbar, weil es in dieser Gr├Â├če eben nichts anderes gibt, will man nicht nach D├╝sseldorf ausweichen. Gl├╝cklicherweise galt das auch f├╝r die K├Âlner Oper, die wegen ihres Umbaus ein Ausweichquartier suchte, und vermutlich freudestrahlend den Fabrikbau in der Schanzenstra├če w├Ąhlte. Wegen des umfangreichen Opernspielplans bleibt dem U-Musikg├Ąnger des Palladium seit einiger Zeit erspart, nur L├╝cken im Opernprogramm bedeuten Konzerte auf der falschen Stra├čenseite. Heute beispielweise.

Der Abend in der Oper begann mit The Electric Soft Parade aus "Brrrr in England", so stellte jedenfalls S├Ąnger Tom White seine Band vor. "Brrrr" ist Brighton und The Electric Soft Parade eine Gruppe, die mich in vielerlei Hinsicht an Teenage Fanclub erinnerte, allerdings ohne die Pullover. Die St├╝cke der Musiker, die alle wie vermeintlich typische Lehrer aussahen, klingen auf den ersten Blick ein wenig lieblich und harmlos (liegt am Gesang), lassen es aber meist gegen Ende richtig scheppern. Von Teenage Fanclub unterscheidet sie nur (neben den Pullovern) der fehlende ganz gro├če Hit, die gute halbe Stunde machte aber auch ohne diese viel Spa├č. Eine gute Vorgruppenwahl.

Punkt neun begann dann das Konzert des ehemaligen Schwagers von Patsy Kensit ("I’m not scared"). Noel, im hellblauen Hemd und mit gewohnt toller Frisur, er├Âffnete mit zweimal Oasis. Auch wenn wir nichts mehr in Setlisten interpretieren, ist das ein Statement. "Oasis ist meine Musik, also spiele ich die auch!" Schwer vorstellbar, da├č Mama Gallaghers Wunsch von der Vers├Âhnung der beiden Jungs unterm Weihnachtsbaum funtioniert.

Das erste post-Oasis St├╝ck war Everybody’s on the run. Ich kannte das Album vor dem Konzert noch nicht, ich hatte nur zwei oder drei Lieder schon geh├Ârt. Im Prinzip ist Noel Gallagher’s High Flying Birds aber so, wie man es erwarten w├╝rde (und wie eine achte Oasis Platte weitestgehend geklungen h├Ątte). Einige der Songs sind Kn├╝ller (If I had a gun… und vor allem das neue, bislang unver├Âffentlichte Freaky teeth), andere nur nett (dieses Kirmeskarussell-Keyboard in ein oder zwei Liedern braucht niemand!). Wenn zwei nur nette St├╝cke dicht an dicht kamen, hatte der Abend kleinere H├Ąnger, das bleibt aber eben nicht aus, wenn K├╝nstler ihr ganzes Album spielen. Wenn man ein Set allerdings in so Momenten mit Oasis Gassenfegern best├╝cken kann, garantiert das einen guten Konzertabend – und das war er nat├╝rlich.

Die Oasis Songs waren alle prima, nur die runtergerotzte Wonderwall-Version war unn├Âtig. Aber wer will Noel das verdenken. Wonderwall ist vermutlich ein der meistgecoverten St├╝cke eines lebenden K├╝nstlers (u.a. von Paul Anka, Jay Z und jedem Stra├čenmusiker der Welt verwurstet). Er mu├č es wohl spielen, aber er mu├č das nicht m├Âgen. Andere Oasis Lieder (Little by little, Supersonic, Half the world away und Don’t look back in anger!) funtionierten da unglaublich viel besser. Auch wenn Don’t look back in anger ├Ąhnlich totgenudelt ist, kann ich mir nicht vorstellen, wie man sich dem Livecharme des St├╝cks entziehen k├Ânnte!

Es war ein guter Konzertabend, der ziemlich genau meinen Vorstellungen entsprach. Ich hatte weder Desaster noch Konzert des Jahres erwartet. Ich hatte mir gew├╝nscht, einen sehr guten Abend zu verleben, und genau so war es dann auch. Cheers.

Setlist:
01. (It’s good) to be free (Oasis)
02. Mucky fingers (Oasis)
03. Everybody’s on the run
04. Dream on
05. If I had a gun…
06. The good rebel
07. The death of you and me
08. Freaky teeth (neu)
09. Wonderwall (Oasis)
10. Supersonic (Oasis)
11. (I wanna live in a dream in my) record machine
12. AKA… What a life!
13. Talk tonight (Oasis)
14. Soldier boys and Jesus freaks
15. AKA… Broken arrow
16. Half the world away (Oasis)
17. (Stranded on) the wrong beach
18. Little by little (Oasis) (Z)
19. The importance of being idle (Oasis) (Z)
20. Don’t look back in anger (Oasis) (Z)

Autor: Christoph Menningen

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