LENINGRAD COWBOYS – Köln, Essigfabrik (05.12.2011)

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Schnabelschuh extrem, Sonnenbrillen, „Uniform“, eine Menge Haarspray mit viel Profil und laute Stimmen, das alles gab’s am Montagabend in der Essigfabrik in Köln. Eine gut gefĂŒllte Konzerthalle und super Stimmung zudem. Der Blick zur BĂŒhne verriet, dieses Konzert wird anders. Die Instrumente waren bereits aufgebaut worden, das GlanzstĂŒck war eindeutig das Schlagzeug, das im hinteren Teil der BĂŒhne stand und in einen nachgestellten Traktor eingebaut worden war. Ein riesiges Banner prangte in die Höhe und zeigte das hervorstechende Merkmal, den bebrillten Totenkopf mit Tolle und Vodkaflaschen an den Seiten, das man auch auf dem aktuellen CD Cover vorfindet. Die Rede ist natĂŒrlich von der Buena Vodka Social Club Tour der Leningrad Cowboys.

Die Leningrad Cowboys wurden von dem finnischen Regisseur Aki KaurismĂ€ki im Jahr 1989 fĂŒr seinen Film: „Leningrad Cowboys Go Amerika“ erfunden. Sie wurden in diesem Film dem Punkrock zugeordnet. Erst nach dem Erfolg des Filmes entwickelte sich die eigentliche Band. Auch im Nachfolgefilm von 1994, „Leningrad Cowboys Meet Moses“ ĂŒbernahmen sie wieder die Hauptrollen. Im Großen und Ganzen covern die Leningrad Cowboys bekannte Rock und Pop Songs, russische Volkslieder und interpretieren in eigenen Songs ihre Vorstellungen von der Sowjetunion. Dabei ist jedes ihrer StĂŒcke von dem persönlichen Fingerabdruck der Leningrad Cowboys gekrönt. Am 28. Oktober 2011 brachten sie ihr fĂŒnfzehntes Album „Buena Vodka Social Club Never Drink Alone!“ auf den Markt.

Die Band weiß sich jedenfalls in Szene zu setzen. Mehr als 1000 Auftritte in 60 LĂ€ndern haben sie schon zum Besten gegeben. Und so starten die Leningrad Cowboys um kurz nach acht richtig durch. Zuvor hatten sie sich hinter der BĂŒhne in Stimmung gebracht. Das Betreten der BĂŒhne alleine wirkte pompös. So trug einer der SĂ€nger, der der dem „King“ am Ă€hnlichsten sieht, einen weißen Pelzbesatz, der ihm von den beiden Gogo- TĂ€nzerinnen, den „Baikonur Girls“, elegant abgenommen wurde. Neun Herren und zwei Damen blickten in die tobende Menge und tobten mit. Laut ging’s los und skurril nahm die Show ihren Lauf, dabei lag ein fantastischer Big Band Charakter in der Luft, der den rockigen Sound unterstĂŒtzte.

Einem der SĂ€nger war es trotz allem noch zu leise. Er sprang in den Graben und klettere mitten im Lied auf die Abgrenzung, um dem Publikum noch nĂ€her sein zu können. Dieses belohnte die Aktion lautstark, wĂ€hrend auf der BĂŒhne die Party weiterging. Finnen außer Rand und Band! Soviel Flair steckte einfach an. Man ging mit, jeder Muskel zuckte und die Stimme machte sich auch bemerkbar, ob man wollte oder nicht. Aber wer wollte heute Abend schon nicht?!

Und waren die Zuschauer in den Augen der Leningrad Cowboys mal zu leise, wurden sie sofort lautstark aufgeweckt. Mit einigen KostĂŒmwechsel, viele verschiedene Instrumente, Comedy Einlagen und genial umgesetzten Songs machte die Band den Abend perfekt.

„Elvis“ erschien auf der BĂŒhne und schmiss der Menge ein verschwitztes Handtuch zu, bevor er sie aufforderte mit ihm „Baby, Baby“ in verschiedenen Varianten und LautstĂ€rken nach zu singen. Er fand den ersten Versuch des bemĂŒhten Publikums: „Scheiße!“ Und so strengte es sich mehr an und folgte den Anweisungen des SĂ€ngers noch genauer. Rockend belohnte er die Fans und zog sich sogar das Oberteil seines Overalls wĂ€hrend des Songs von der Brust. Yeah!

Mit StörgerĂ€uschen des Mikros wurde ganz einleuchtend und einfach verfahren. Das Mikro wurde kurzerhand hoch in die Luft geschmissen, sodass es sich einmal um sich selbst drehte und dann wieder aufgefangen, um danach einfach weiterzumachen. Eine Polonaise marschierte schon im nĂ€chsten Moment ĂŒber die BĂŒhne. Im HummerkostĂŒm kam anschließend „Mr. Rock Lobster“ auf die BĂŒhne. Er berichtete, dass Weißwein gut zu Hummer passe und ĂŒberreichte den Zuhörern die mitgebrachten Flaschen ehe er „Sweet Home“ anstimmte. „Kids In America“ wurde von den beiden Ladies gesungen, sie wurden dabei gesanglich vom Publikum und einem weiteren SĂ€nger unterstĂŒtzt. Schunkelnd gewunken wurde bei dem Lied „Deliah“ und mit „Those Were The Days“ verabschiedeten sich die finnischen Stimmungskanonen schließlich nach 1 Âœ h von der BĂŒhne.
Es war plötzlich viel zu still in der Essigfabrik, also mussten sie wieder her. Und sie ließen sich nicht lange bitten. Mit drei Zugaben sorgten die Leningrad Cowboys noch einmal fĂŒr explodierende Stimmung und einen grandiosen Abschuss dieses tollen Abends.

Setlist:
01. Back In The USSR
02. Machinegun Blues
03. Fight For Your Right
04. Enter Sandman
05. Gimme All You’r Lovin‘
06. Gasolina
07. L.A. Woman
08. Elvis: Easy Living
09. All We Need Is Love
10. Space Tractor
11. Ring Of Fire
12. Frijoles Y Lager
13. Mr. Rock Lobster: Sweet Home Chicago
14. Gimme Your Sushi
15. Kids In America
16. Buena Vodka
17. Deliah
18. Those Were The Days
Rumpsuttelua Ja Kaljoittelua
19. Born To Be Wild (Z)
20. Sweet Home Alabama (Z)
21. Kasakka (Z)

Bilder des Konzerts befinden sich in unserer Konzertfotos Sektion (Bildkommentare sind durch Anklicken der Sprechblase möglich) oder direkt durch Anklicken der Bandfotos.

Autorin: Stephanie Brockhaus
Fotos: Marcus Nathofer

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