INCUBUS & FIN – Köln, Lanxess Arena (19.11.2011)

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Fünf Jahre sind ins Land gegangen, bevor im Juli 2011 Incubus‘ neues Album „If not now, when?“ erschien. Und dieses Werk spaltet Fans und Kritiker. Laut eigener Aussage passt Aggressivität momentan nicht in ihr Leben. Und das merkt man den Songs an. Denn es ist anders, weit entfernt vom Crossover-Sound der vergangenen Jahre, es ist ruhig und das -bis auf einen Song- konsequent. Viele werden dieses Album als das schwächste bezeichnen, als poppig und austauschbar. Aber das wird „If not now, when?“ nicht gerecht. Man braucht ein paar Anläufe bis man erkennt, was in diesen Songs steckt. Es ist ein gutes Album, das seine volle Schönheit erst nach mehrmaligem Hören entfaltet. Aber es blieb die Frage, ob diese Songs auch live funktionieren würden.

Am letzten Wochenende war es dann soweit: nicht ganz 10.000 Zuschauer kamen in die Lanxess-Arena nach Köln, um Incubus endlich wieder mal live zu erleben. Es fanden sich erstaunlich viele Leute weit unter 30 ein, eigentlich hätte man eher ein etwas älteres Publikum erwartet.

Der Abend begann um 20 Uhr mit dem Support der britischen Band fiN. Bereits seit einiger Zeit gilt das Quartett in ihrer Heimat als Geheimtipp. Die einstigen Schulfreunde Luke Joyce (Vocals), Jonny Garner (Gitarre), Simon Harding (Drums) und Kerry Lambert (Bass) basteln gerade an ihrem Debutalbum. Ihre Musik ist mit verschiedensten Einflüssen gemixter alternativer Rock, und das machen die Jungs richtig gut. Besonders der Song „It changes everything“ gefiel und wurde von den Zuschauern mit großem Applaus belohnt. Man darf auf die weitere Entwicklung dieser Band gespannt sein.

Nach einer halben Stunde Umbaupause war es dann endlich soweit. Brandon Boyd (Gesang, Gitarre, Perkussion), Mike Einziger (Gitarre, Gesang), Jose Pasillas (Schlagzeug, Perkussion ), Ben Kenney (E-Bass, Gesang ) und Chris Kilmore (DJ, Keyboard) stürmten mit „Megalomaniac“, gefolgt von „Pardon Me“ die Bühne – und niemanden hielt es mehr auf seinem Sitz. Nach dem explosiven Beginn folgten drei Stücke vom neuen Album. Entgegen aller Befürchtungen funktionieren sie live richtig gut. Insbesondere der Titelsong des neuen Albums, der auf der CD sehr anschmiegsam daherkam, war überraschenderweise ein echtes Highlight.

Wer Incubus kennt, weiß um die unglaubliche Stimme von Brandon Boyd. Bei „If Not Now, When?“ gerät man ob ihrer schier unfassbaren Bandbreite förmlich ins Schwärmen. Wenn er seine Stimme zum Refrain steigert, möchte man die Luft anhalten. Einfach zum Anbeten! Das großartige Gitarrenspiel von Mike Einziger sorgte dabei noch mehr dafür, dass der Song viel dynamischer wirkte als auf dem Album.

Nach den ersten neuen Stücken folgten wieder temporeichere Songs älterer Alben, wie das fabelhafte „Anna Molly“, die ihre Wirkung nicht verfehlten. Wer konnte, tanzte ausgelassen – genau wie Brandon Boyd. Auf einer Leinwand im Hintergrund wurden die Songs visuell untermalt, teils mit Videos, teils mit live gefilmten Bildern der Show, die mit verschiedenen Effekten unterlegt wurden. Bei „In the Company of Wolves“, das sich von einer sanften Ballade in einen progressiven Song mit düsterer, aber kraftvoller Atmosphäre wandelt, lief erst Goldregen über die Leinwand, am Ende des Songs wurde die Leinwand knallgelb und tauchte das Publikum in ein goldenes Licht. Das erzeugte ein tolles Flair und passte wunderbar zu diesem Stück.
Bei den folgenden zwei Songs blieb die Leinwand schwarz, so dass nichts von dem neuen „Defiance“ und dem wohl beliebtesten Incubus-Song „Love Hurts“ ablenkte, die Brandon Boyd nur begleitet von seinem Gitarristen Mike Einziger sang. Gänsehaut pur!

Bei „Are You In?“ gab es dann noch eine kleine Überraschung. Mitten im Song sang Brandon eine Passage aus „Riders on the Storm“ von den Doors. Das gefiel. Am Ende von „Echo“ fiel dann auch Brandon Boyds T-Shirt, was das wohl mit leichter Mehrheit vertretene weibliche Publikum begeistert aufnahm.
Nach „Switchblade“ vom neuen Album, das als einziges etwas an frühere Zeiten erinnert, folgten mit „Nice To Know You“, „Drive“ und „Wish You Were Here“ einige der größten Hits. Das Publikum dankte es mit lautem Mitsingen.
Und damit war das reguläre Konzert auch schon beendet. Die Band kam für zwei Zugaben zurück auf die Bühne und der Abend endete wie auch das neue Album mit „Tomorrow‘ s Food“.

Zurück blieb ein Lächeln und ein gutes Gefühl. Incubus kann beides – laut und leise. Beeindruckend wie perfekt Brandon Boyds Stimme auch live in allen Tonlagen klingt. Die Setlist ließ keine Wünsche offen, uptempo-Stücke und Balladen wechselten sich ab. Die neuen Songs konnten mit komplexen Melodien und intelligenten Texten überzeugen. Die alten Songs machten wie immer Freude. Ihren Groove haben Incubus wahrlich nicht verloren. Und auch wenn man sie lieber in kleineren Clubs erleben möchte, sind Incubus auch auf großer Bühne ein Erlebnis. Hoffentlich bald wieder.

Setlist:
01. Megalomaniac
02. Pardon Me
03. Adolescents
04. Promises, Promises
05. If Not Now, When?
06. A Crow Left of the Murder
07. Anna Molly
08. Nowhere Fast
09. Vitamin
10. In the Company of Wolves
11. Defiance (acoustic)
12. Love Hurts(acoustic)
13. Are You In?
14. A Kiss to Send Us Off
15. Echo
16. Switchblade
17. Nice to Know You
18. Drive
19. Wish You Were Here
20. A Certain Shade of Green (Z)
21. Tomorrow’s Food (Z)

Bilder des Konzerts befinden sich in unserer Konzertfotos Sektion (Bildkommentare sind durch Anklicken der Sprechblase möglich) oder direkt durch Anklicken der jeweiligen Bandfotos.

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