ERASURE / NESSI – Köln, E-Werk (12.11.2011)

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PĂŒnktlich um 20 Uhr war es soweit: der Support Nessi aus Berlin trat mit ihrer Gitarre auf die große BĂŒhne des E-Werks. Die sympathische SĂ€ngerin prĂ€sentierte Songs aus ihrem aktuellen Album ganz im Stil von Singer/Songwriter Kate Nash und Ă€hnlich gelagerten SĂ€ngerinnen. „My Guitar and I“ war das Motto und die 20jĂ€hrige kleine Dame mit schöner Stimme kam gut beim Publikum an. Ein schöner Kontrapunkt zum folgenden Multimedia Happening im Anschluss.

Nach lĂ€ngerer Schaffenspause haben Andy Bell und Vince Clarke nun ihr 14. Album „TomorrowÂŽs World“ veröffentlich und die CD, von Producer Frankmusik auf Hit gebĂŒgelt, kam fast unisono bei Fans und Kritikern gut an. Doch wie sollten die Dancetracks live auf der BĂŒhne funktionieren? Sparklingphotos hat sich das Konzert in der Domstadt Köln mal genauer angeschaut.

Die BĂŒhne der „TomorrowÂŽs World“ Tour war mit vier Podesten und einigen Figuren aus dem Fantasybereich geschmĂŒckt und diese Umgebung wirkte so, als hĂ€tten J.R.R. Tolkin und H.R. Giger sich zusammengesetzt und zusammen die Stage kreiert. Kurz vor 21 Uhr wurden dann die Fans nervös und ein forderndes Klatschen schwoll an, sodass einige Minuten spĂ€ter die BĂŒhne erhellt wurde. Beim Opener „Sono Luminus“ erschienen Vince Clarke (im Glitzeranzug), die BackgroundsĂ€ngerinnen (im „kleinen schwarzen“ und Federn auf dem Kopf) und Andy (mit Römerhelm) an der OberflĂ€che und wurden vom Publikum euphorisch beklatscht. WĂ€hrend Vince fast unmerklich hinter seinem mit einem Drachen verzierten KeyboardstĂ€nder stand, wirbelte Andy wie ein Derwisch ĂŒber die BĂŒhne, zeigte seinen durchtrainierten Körper und kokettierte in gebrochenem Deutsch mit dem Publikum „Isch bin frisch geduscht“!

Die Farben Blau, GrĂŒn und Orange dominierten die Show und leuchteten das Set gut aus, allein die Farbkombination steigerte die Freude. Die Band brachte ein gelungenes Potpourri aus neuen Hits und alten Krachern. Die neuen Tracks wie „When I Start To (Break It All Down)“ und „Be With You“ reihten sich sehr gut in die Klassiker ein. Denn egal wer produziert, irgendwie blitzt doch immer Erasures Stil hindurch. Partystimmung kam natĂŒrlich immer dann auf, wenn die Classics ertönten: „Breathe“ und „Drama“ ließen das Publikum singen und tanzen, „Blue Savannah“ wurde natĂŒrlich in blauem Licht gehĂŒllt intoniert. Schöne Momente wie der, als die Band bei „Ship of Fools“ (einer der grĂ¶ĂŸten Balladen der 80er Jahre) zusammenrĂŒckte und ein fast intimer Moment entstand, wechselten sich mit treibenden Beats und leuchtenden MikrophonstĂ€ndern („Chorus“) ab. FĂŒr jeden war also etwas dabei.

Die beiden SĂ€ngerinnen machten ihre Sache gut und zeigten neben ihren tollen Stimmen auch eine witzige Choreographie, immer passend zum gespielten Song. In der Mitte der Show konnte Andy es nicht mehr ertragen und bat „meinen Meister Vince Clarke“ ihn aus seiner durchgeschwitzten Corsage zu schneiden. So bequemte sich der scheue Keyboarder von seinen Tasten fort und tat, wie ihm geheißen. Andy zog sich demonstrativ eine Spiegelbrille auf und ein „Michael Jackson Memorial“ Shirt an und es konnte weiter gehen. Bei „Victim Of Love“ und „Alien“ in der Akustik Version durfte Vince dann zeigen, dass er das Gitarrenspiel noch beherrschte (wenn der Gitarrenamp denn auch funktionierte) und „A Whole Lotta Love Run Riot“ kam in der Livefassung noch genialer herĂŒber als auf CD. Der drĂŒckende Sound sorgte fĂŒr mĂ€chtig Rave-Feeling und das Publikum, welches absolut gut drauf war an diesem Abend, zeigte seine Liebe zur Band mit tanzenden FĂŒssen, klatschenden HĂ€nden und vibrierenden StimmbĂ€ndern.

Genau wie beim Smasher „Sometimes“, bei dem jeder mitsang und sich in Gedanken in die guten alten 80s versetzen ließ. Mit „A Little Respect“ verabschiedete sich die Band vorerst von ihren Fans, bevor sie mit „Oh L’Amour“ und „Stop“ (welcher Song könnte ein Konzert besser ausklingen lassen?) die Show beendeten. Demonstrativ wurde das Saallicht eingeschaltet, keine Chance also fĂŒr weitere Zugaben. Kitschig, bunt, grell und schwul sind Adjektive, mit denen man die Erasure Show beschreiben kann, aber das erwartet man irgendwie auch von dem genialen Popduo. Und genau das bekamen die Fans. Eine perfekte Show also!

Setlist:
01. Sono Luminus
02. Always
03. When I Start To (Break It All Down)
04. Blue Savannah
05. Fill Us With Fire
06. Breath Of Life
07. Drama!
08. Be With You
09. Ship Of Fools
10. Chorus
11. Breathe
12. Victim Of Love
13. Alien (acoustic)
14. Love To Hate You
15. I Lose Myself
16. A Whole Lotta Love Run Riot
17. Chains Of Love
18. Sometimes
19. A Little Respect
—-
20. Oh L’Amour (Z)
21. Stop (Z)

Bilder des Konzerts befinden sich in unserer Konzertfotos Sektion (Bildkommentare sind durch Anklicken der Sprechblase möglich) oder direkt durch Anklicken der Bandfotos.

Erasure:

Nessi:

Autor: Frank Stienen
Fotos: Michael Gamon

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