Interview : Welle:Erdball

w-e2.jpg
Gesch├Ątzte Lesezeit: 5 Minute(n)

Passenderweise nach einem fr├╝hen deutschen H├Ârspiel benannt, haben sich Welle:Erdball mit minimalen Sounds seit ├╝ber 20 Jahren einen festen Platz in der Synthieszene erspielt. Neun Alben haben Honey und A.L.F. seit jenen Tagen als W:E ver├Âffentlicht, das aktuelle Album ÔÇ×Der kalte KriegÔÇť erschien erst dieser Tage und bietet mal wieder genug Gespr├Ąchsstoff f├╝r ein interessantes Interview.

Hallo Welle Erdball ­čśë

Wie habt ihr die Zeit des kalten Krieges erlebt?

Deutschland als Nabel der Weltgeschichte, die Angst vor der Atombombe, dem Vergeltungsschlag, Pershing 2, SDI, Wargames, Wenn der Wind weht, Feindbild Russe und unser gro├čer Bruder Amerika, dem wir alle unser Leben, McDonalds und hirnrissige Talkshows verdanken. Die Angst vor dem Ende der Welt, dem Weltkrieg Nummer 3, aber auch die absolute "NICHT-Resignation", denn genau in dieser Hochphase der Angst, st├Â├čt man auf die inhaltvollsten Texte der Menschheit.

Euer Album "Der kalte Krieg" beinhaltet einige Coverversionen. Wie kamt ihr auf diese Idee? Viel es schwer, eine Auswahl zu treffen, welche St├╝cke ihr gerne interpretieren m├Âchtet?

Die Ära des Kalten Krieges steht für uns in klarem Zusammenhang mit dem Sender und mit unserem Leben, so wie mit unserer Heimat und mit unserem Lebensgefühl. Eine Zeit, die gar nicht so lange zurück liegt, aber doch mehr in Vergessenheit geraten ist, als noch ferner liegende Dinge. Eine Zeit in die es Wert ist mit einer Zeitmaschine zu reisen. Und Das die neue Welle: Erdball-Sendung ist genau diese, funktionierende Zeitmaschine!


Ihr habt Euch ja mit eurem Radiosender ein strenges Konzept geschaffen, so wie z.B. die Band Kraftwerk. Stand es jemals zur Debatte, sich von dem Konzept zu entfernen, um freier arbeiten zu k├Ânnen?

Hier h├Âre ich einen klaren Fehler, der momentan auch ├╝berall wieder zu finden ist; mehr Optionen zu haben, hat nicht mit Freiheit zu tun! Die Qual der Wahl kontrolliert momentan die Mentalit├Ąt der gesamten kapitalistischen Menschheit. Sich klare Grenzen zu setzten, sich einzuschr├Ąnken und sich auf Wesentliches zu konzentrieren, noch mal: ZU KONZENTRIEREN!!!, ist der Inbegriff der wirklichen Freiheit! Denn wo keine Grenzen mehr gegeben sind, kann ich auch keine ├╝berschreiten und mich nicht frei bewegen.

Definiert bitte mal die Liebe zum C64 Computer und seinen synthetischen Sounds.

Es ist wahrlich eine Liebe und eine wirklich gute Freundschaft zwischen Mensch und Maschine. Dieser kleine Heimcomputer hat mir und Welle: Erdball schon so viel gegeben, das es schwer ist ihm das auch nur ann├Ąherungsweise zur├╝ck zu geben.

Ist die Gitarre im St├╝ck "If you want to sing out, sing out" echt, oder synthetisch erzeugt?

Nat├╝rlich echt! Es sind sogar 6 Gitarren-Spuren, die daf├╝r eingespielt wurden. Grad bei so einem St├╝ck bzw. dessen Adaption ist die Authentizit├Ąt das Allerwichtigste. So m├╝ssen also Text, Inhalt, Gesang und eben auch die Instrumentierung glaubw├╝rdig zusammenpassen, sonst funktioniert das Ganze nicht mehr.

Wird es einen weiteren "Welle:Erdball"-Film geben?

 Nach Indiana Jones und Zur├╝ck in die Zukunfts-Trilogien ist auch in unserer Operation: Zeitsturm und Operation: Atahualpa-Reihe ein dritter Teil schon fast Pflicht. Weiter kann ich dazu noch nicht viel sagen.

Auf den Promo Fotos der neuen CD seid ihr als James Bond abgebildet. Wenn ihr JB w├Ąhrt, was w├╝rdet ihr am coolsten finden? Die Martinis, die Waffen oder die Frauen?

 Na ja, mit Frauen kann man wohl etwas mehr anfangen, als mit Waffen… und wenn die Frauen optisch nicht viel hermachen, kann man sie sich ja dann mit ein paar Martinis mit Eis und Zitrone sch├Ânsaufen.

M├╝sstet ihr einem Au├čerirdischen beschreiben, wie eure Musik klingt, was w├╝rdet ihr ihm sagen?

Wie von einem anderen Stern!

War es einfach f├╝r Euch, die Freigabe des Coverst├╝ckes "Feuerwerk" von Stephan Remmler zu bekommen? Ich habe geh├Ârt, da├č man sehr schwer Kontakt zu ihm herstellen kann.

 Da wir die Lieder nicht direkt ver├Âffentlichen, ist das nat├╝rlich auch Sache der Plattenfirma. Hier geht es ja auch nur um die Textdichter und Komponisten, die ja meist nicht identisch mit dem Interpreten sind. Weiter ist der Sumpf der GEMA-Urheber-Cover-Verlangs-Rechts-Gesetzte auch wirklich ein Buch mit sieben Siegeln.

Was ist f├╝r Euch das Sch├Ânste am Musikmachen?

Dass auch bei ganz klar definierten Konzepten das Resultat doch immer etwas anders ist, als man erwartet hatte.

Festes ÔÇ×BandmitgliedÔÇť von Welle: Erdball ist ja bekanntlich der Commodore SX-64. Was macht ihr, um ihn bei Laune zu halten? Ist er Pflegeleicht?

 Klingt komisch, aber in erster Linie bekommt es wirklich seit ca. 10 Jahren Dauerstrom und ist dem entsprechend auch immer eingeschaltet. Wir haben aber auch recht viele dieser Rechner zum Basteln, Spielen, Steuern und letztendlich zum Musizieren. Ja, sehr pflegeleicht, platz- und geldsparend und sehr dankbar und freundlich. Nicht umsonst steht in jedem C=64 Handbuch in der Einleitung: "Wir begl├╝ckw├╝nschen Sie zum Kauf eines Commodore 64. Commodore ist bekannt als Firma die FREUNDLICHE COMPUTER herstellt!

Sehnt ihr Euch nach der Zeit zur├╝ck, als es nur ein paar Radio- und Fernsehsender gab und nicht wie heute ein riesiges Angebot, welches es einem schwer macht, sich zu entscheiden?

 Also ich schaue seit ca. 5 Jahren nicht mehr in die Glotze, habe ich gar nicht die Option dazu, da ich a. kein Fernseher besitze und z.B. im Funkhaus der Kabelanschluss verplombt ist. Daher auch keine schwere Entscheidung. Dar├╝ber, dass der deutsche Normalb├╝rger im Durchschnitt 15 Jahre seines Lebens fernsieht, also 15 Jahre ohne Nachhalt vergeudet, dass die Glotze in der heutigen Zeit eh keine Bestimmung und keinen Zweck mehr hat und dass Fernsehen t├Âdlich ist, brauchen wir uns jawohl auch nicht mehr zu unterhalten :)!

Was erwartet die Fans bei der kommenden Tour?

Eigentlich verrate ich ja selten etwas im Vorfeld, da sich die G├Ąste nat├╝rlich ├╝berraschen lassen sollen, aber wir haben uns diesmal wirklich sehr viel Neues einfallen lassen und auch sehr viele eigene B├╝hnen-Konzepte auch selbst entworfen und zusammengebastelt. Es ist vielleicht nicht zu viel verraten, wenn ich sage, dass wir bei fast allen Konzerten das Programm in zwei Teilen spielen. Bei dem zweiten Teil kann sich das komplette Publikum via Wahlzetteln ├╝ber die Spielfolge selbst entscheiden, so dass auch f├╝r uns jedes Konzert anders ist.

Vielen Dank f├╝r das Interview und viel Spa├č mit dem Album und auf Tour!


Das Interview mit Honey und A.L.F. (Welle:Erdball) f├╝hrte Frank Stienen (November 2011).

Kommentar verfassen