WAVE-GOTIK-TREFFEN 2011 Tag 5 (Montag) – Leipzig (13.06.2011)

2011-06-13 WGT - Markt Moritzbastei - Bild 001x.jpg
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Auf geht es in den letzten Tag des Mammut-WGT 2011. Der fĂŒnfte Tag steht auf dem Programm und somit die letzte Chance noch etwas von dieser speziellen AtmosphĂ€re in sich aufzunehmen. Wir starten dieses Mal auf dem Mittelaltermarkt der Moritzbastei, schauen uns das dortige Unterhaltungsprogramm [GALLERY] und die aufgebauten StĂ€nde an, bevor es etwas weiter sĂŒdlich ins Umfeld der Alten Messe geht.

Erster musikalischer Act sind die immer wieder atemberaubenden In The Nursery [GALLERY] aus dem englischen Sheffield. Leider hatte ich ihre AuffĂŒhrung auf dem Völkerschlachtdenkmal 2007 verpasst, doch auch die Kuppelhalle im Pantheon stellt einen Ă€ußerst reizvollen Ort fĂŒr ein In The Nursery Konzert dar. Das Quartett um die beiden Zwillinge Klive und Nigel Humberstone ist eine feste GrĂ¶ĂŸe in der Szene und perfekt aufeinander eingespielt. Jeder Ton, jeder Drumschlag stimmt und die Stimme von SĂ€ngerin Dolores erschallt mal erhellend, mal mysteriös durch die bedrohlich, tanzbare AtmosphĂ€re der Keyboard- und Drumsounds. Halten sich Nigel und Drummer David Elektrik doch eher bedeckt, steht Dolores als Diva graziös in der Mitte der BĂŒhne, wĂ€hrend Klive im Hintergrund auf die Felle eindrischt und damit so Manchem den Atem verschlĂ€gt. Neben bekannten Hits wie „Bombed“ oder „Compulsion“ haben die vier auch bereits Tracks ihres aktuellen Albums „Blind Sound“ im GepĂ€ck, die sich bestens dem Gesamtkonzept unterordnen. Wie immer ein beeindruckendes Erlebnis die sympathischen Briten live zu sehen und natĂŒrlich besonders auch zu hören.

Der Weg zum nĂ€chsten Auftritt ist nicht sehr weit. Nur etwas die Straße herunter liegt die Alte Messe Halle 15, wo Plastic Noise Experience [GALLERY] kurz darauf mit ihrem Gig beginnen. Die Geschichte PNE’s geht ans Ende der Achtziger Jahre zurĂŒck, als die Band erstmals durch Kassettenveröffentlichungen auf sich aufmerksam machte. SpĂ€testens mit der Coverversion von Bronski Beats „Smalltown Boy“ waren sie endgĂŒltig angekommen und ihre Tracks wurden fester Bestandteil in den Clubs und das nicht nur in Deutschland. Seit 1999 ist Claus Kruse alleinverantwortlich fĂŒr PNE tĂ€tig und beim heutigen Auftritt lĂ€sst er sich nur von Technoir Mitglied Steffen Gehring begleiten, der sich aber weitestgehend im Hintergrund hĂ€lt. Claus hingegen marschiert eifrig ĂŒber die BĂŒhne, singt und schreit die Songs heraus, wobei ihm gerade bei letzterem auch ein Megaphon als StĂŒtze gereicht. Die Stimmung in der Halle ist gut und auch der Auftritt an sich weiß zu ĂŒberzeugen.

Wir bleiben in der Alten Messe, wo mit Dirk Ivens Projekt Dive [GALLERY] ein echtes Highlight ansteht. Und der Wortbestandteil „light“ passt heute ganz besonders gut, denn sonst ist Dirk bei Dive auf der BĂŒhne nur selten zu sehen, denn normalerweise dient nur ein Stroboskoplicht der Erhellung des dĂŒsterschwarzen Raums. Aber heute ist es anders, denn die Halle 15 verfĂŒgt ĂŒber eine ganze Reihe von Oberlichtern und da es draußen noch hell ist, haben die Zuschauer die seltene Gelegenheit hinter „den Vorhang“ zu schauen. Nur wenige Posen benötigt Dirk um authentisch zu wirken und mit Hits wie „Bloodmoney“ oder „Snakedressed“ die Alte Messe zu beschallen. Gerade bei Dirk Ivens Projekten wie Klinik, Absolute Body Control und eben Dive wundert sich der geneigte ClubgĂ€nger oft, wie viele TanzflĂ€chenfĂŒller dieser erschaffen hat. Und so tanzt die anwesende Meute auch hier den gesamten Gig hindurch und erhebt den Dive-Auftritt so zu einem wirklichen Höhepunkt des Festivals.

Nun ist aber guter Rat teuer. Wie soll es weitergehen? Zeitgleich spielen jetzt die Mexikaner Hocico, die Horrorpunker The Other im Werk II und Chris & Cosey im Pantheon. Da The Other bereits angefangen hatten, Chris & Cosey meinen Plan durchkreuzen wĂŒrden, spĂ€ter die Misfits zu sehen, entschied ich mich dafĂŒr kurz in die ersten Songs von Hocico [GALLERY] hineinzuhören und mich dann auf den Weg ins Werk II zu machen um den Misfits beizuwohnen. Draußen vor der Halle 15 hatte sich derweil eine lange Schlange gebildet und nicht jedem konnte noch Zugang verschafft werden, als Erk Aicrag auf der BĂŒhne ordentlich loslegt. Nun tobt der Mob, denn jeder versucht es dem quirligen Mexikaner gleich zu tun. Es geht gewohnt energiegeladen zu, ich hingegen verabschiede mich nach einigen Tracks und mache mich auf den Weg zum Werk II, meiner letzten Station fĂŒr heute.

Dort angekommen, hat sich auch hier bereits eine lange Schlange gebildet. Es gelingt mir noch ins Werk II hineinzugelangen, wo die letzten Vorbereitungen fĂŒr das große Finale auf Hochtouren laufen. The Other hatten wohl ĂŒberzeugt, soviel konnte man den Gesichtern aller Anwesenden bereits ablesen, nun kommen mit den Misfits [GALLERY] auch die Großmeister des Horrorpunks noch zu ihren Ehren. Von der Urformation ist allerdings nur noch der ehemalige Bassist Gerald Caiafa alias Jerry Only dabei, der kurz nach der GrĂŒndung 1983 zur Band stieß. Seit 2002 ĂŒbernimmt er neben dem Bassspiel auch den Gesang der nicht gesellschaftsfĂ€higen drei. Das Trio peitscht seine Hits aufs Publikum ein, aber so recht will der Funke nicht ĂŒberspringen. Zu stark ist mittlerweile wohl auch die Konkurrenz in diesem Bereich geworden und auch das Publikum ist heute verwöhnt und schwelgt scheinbar mehr in Erinnerungen an alte Zeiten mit der Band, als noch Glenn Danzig oder Michale Graves den Gesang ĂŒbernahmen. So ist es ein ordentlicher, aber sicher nicht perfekter Abschluss des WGT 2011 den ich hier miterlebe.

Das war es dann also, das WGT 2011 – und es hat richtig Spaß gemacht. Im Programm gab es viel Abwechslung, die Organisation hat weitestgehend perfekt funktioniert und auch sonst gibt es kaum etwas zu bemĂ€ngeln. Selbst das Wetter spielte sehr gut mit, was man so nach den Vorhersagen erst nicht vermuten konnte. Danke Leipzig, wir sehen uns im nĂ€chsten Jahr wieder!

Die kompletten Fotosets zu den Bandauftritten erreicht ihr ĂŒber die [GALLERY]-Links (Bildkommentare sind in der Gallery durch Anklicken der gelben Sprechblase möglich), Infos und Fotos zum letzten Tag und noch mehr Besucherfotos folgen in KĂŒrze. Wer zudem Interesse an gedruckten Bildern hat, kann auch einen Blick in die aktuelle Ausgabe des Orkus werfen (07-08/2011), in der neben einigen unserer Fotos auch Fotos anderer Fotografen enthalten sind.

Autor & Fotos: Michael Gamon

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