WAVE-GOTIK-TREFFEN 2011 Tag 4 (Sonntag) – Leipzig (12.06.2011)

2011-06-12 WGT - Besucher - Bild 005x.jpg
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Der WGT Sonntag 2011 versprach wieder vor allem eins: lang zu sein. Wir am Vortag geht es zunĂ€chst in gemĂŒtlicher AtmosphĂ€re im Heidnischen Dorf auf Motivsuche [GALLERY Besucherfotos] und insbesondere das Dresdener Handbrot entwickelt sich immer weiter zur Pflichtmahlzeit eines jeden WGT-Tages.

Musikalisch lautet unsere erste Station „Alte Messe – Halle 15“, die neue Location, die den Wegfall des ganz in der NĂ€he gelegenen Kohlrabizirkus kompensieren soll und auch tut. Das Fassungsvermögen dĂŒrfte Ă€hnlich groß sein und auch die obligatorischen Besucherschlangen am Einlass sollten zu spĂ€terer Stunde noch folgen. Als erstes schauen wir uns hier Blind Passenger an, jenes Projekt von Nik Page, dass nicht von ungefĂ€hr stark an seine bekannteste Formation „Blind Passengers“ erinnert. Seit deren Auflösung 2005 hatte Nik zunĂ€chst „Songs Of Lemuria“ gegrĂŒndet, nennt sich in neuer Besetzung nun aber Blind Passenger und veröffentlichte 2010 das DebĂŒtalbum „Next Flight To Planet Earth“. Live hat Nik aber natĂŒrlich auch einige Hits aus Zeiten mit nachfolgendem „s“ dabei und so feuern er und seine Mannen in futuristischer Aufmachung Songs wie „Absurdistan“ oder „Born To Die“ ins Publikum, bevor sie Platz fĂŒr die Synthiepopper The Twins machen.

Wir entschließen uns aber kurzerhand doch noch gegen die Zwillinge und stattdessen fĂŒr Megaherz [GALLERY], die sich zeitgleich anschicken, die Agra zu rocken. Seit 2007 schwingt hier Alexander „Lex“ Wohnhaas an Stelle von Alexander „Alexx“ Wesselsky (Eisbrecher) das Zepter und auch trotz des Frontmannwechsels steht die Fangemeinde fast durchweg weiter zu Megaherz. Die Agra ist sehr gut gefĂŒllt und Lex dirigiert sein Publikum, wĂ€hrend auch seine Mitstreiter sich immer wieder am vorderen BĂŒhnenrand postieren und ordentlich abrocken. Die Setlist besteht zur Freude der Anwesenden vornehmlich aus alten Hits wie dem wohl bekanntesten „MiststĂŒck“. Highlight ist aber der „Freiflug“ von SĂ€nger Lex beim gleichnamigen Song, zu dem er sich vom Publikum im wahrsten Sinne des Wortes auf HĂ€nden tragen lĂ€sst.

Nun aber schnell zur ParkbĂŒhne und damit zu PouppĂ©e Fabrikk, der EBM-Legende aus Schweden, die aber leider bereits vor der geplanten Zeit loslegte, so dass ich die ersten Songs verpasse. Harte, treibende Sounds zum Mitstampfen regieren nun im Rund und Shouter Henrik Björkk treibt das Publikum zum Tanzen an. Seit Herbst 2010 hat man sich wieder einmal fĂŒr einige Gigs zusammengetan und nun steht auch endlich wieder Deutschland auf dem Plan. Die Fans haben es lange gehofft, nun ist die Band da und hat mit Stefan Nilsson (Spetsnaz) auch gleich bekannte LiveverstĂ€rkung mitgebracht. NatĂŒrlich stehen die Klassiker im Vordergrund, doch man höre und staune, PouppĂ©e Fabrikk haben auch neue Songs in petto, sogar ein neues Album soll bald erscheinen. EBM ist nicht tot, das beweisen PouppĂ©e Fabrikk hier mit Nachdruck.

Im Laufschritt (und mit der Bahn) geht es wieder zur Alten Messe, denn endlich bekomme ich die Synthiepop-Helden Camouflage [GALLERY] mal live zu Gesicht. Bisher waren sie mir aus den verschiedensten GrĂŒnden immer wieder durch die Lappen gegangen, nun war es soweit: Frontmann Marcus Meyn betritt mit seiner Band die BĂŒhne. Er ist ganz in weiß gekleidet und genau so rein und makellos ist dann auch das, was uns die Musiker in der Folgezeit prĂ€sentieren. Fast jeder Song ist ein Hit, jeder kann alles mitsingen und man merkt sofort, dass hier Profis am Werk sind. Es passt einfach und Songs wie „Love Is A Shield“, „Neighbours“ oder „The Great Commandment“ sind natĂŒrlich absolute Perlen und Eckpunkte einer gesamten Synthiepop-Bewegung geworden. Ein wirklich toller Auftritt und sicher auch ein Highlight des Wave Gotik Treffens 2011.

Das letzte „Konzert“ des Abends ist dann aber wieder der Agra vorbehalten, wo nach den Fields Of The Nephilim noch das Midnight-Special ansteht: Recoil! Hinter Recoil [GALLERY] verbirgt sich niemand Geringeres als das ehemalige Depeche Mode Mitglied Alan Wilder, der hier gemeinsam mit Paul Kendall natĂŒrlich ein ganz anderes Feld beackert als der ĂŒbergroße Bruder. Recoil ist ein wirklich starkes Projekt mit vielen tollen Soundideen etc., aber zu Sinn oder Unsinn solcher „Konzerte“ bei denen eigentlich Visualisierungen im Vordergrund stehen, die von „Nebenakteuren“ mit Musik aus der Konserve und nur leicht live bearbeitet prĂ€sentiert werden, habe ich mich schon an anderer Stelle geĂ€ußert und werde dies daher hier unterlassen. Womöglich stand fĂŒr die meisten Besucher heute aber sowieso auch „nur“ die Möglichkeit Alan Wilder mal ganz nah zu sein im Vordergrund, trotzdem war die Agra ĂŒberraschend dĂŒrftig besucht. Scheinbar sind Recoil nicht nur auf musikalischer Ebene ein Geheimtipp, sondern auch ihre Besetzung selbst, die dafĂŒr umso sympathischer daherkommt. Alan prostet seinem Publikum zu, lĂ€chelt den Fans entgegen und ist sichtlich glĂŒcklich hier zu sein. Mit ihren atmosphĂ€rischen Songs und Animationen lassen Alan und Paul das Publikum abtauchen in den Recoil-Kosmos, bevor der vorletzte Abend des WGT 2011 gegen 2 Uhr endet.

Die kompletten Fotosets zu den Bandauftritten erreicht ihr ĂŒber die [GALLERY]-Links (Bildkommentare sind in der Gallery durch Anklicken der gelben Sprechblase möglich), Infos und Fotos zum letzten Tag und noch mehr Besucherfotos folgen in KĂŒrze. Wer zudem Interesse an gedruckten Bildern hat, kann auch einen Blick in die aktuelle Ausgabe des Orkus werfen (07-08/2011), in der neben einigen unserer Fotos auch Fotos anderer Fotografen enthalten sind.

Autor & Fotos: Michael Gamon

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