WIRE – Köln, Luxor (28.02.2011)

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Am 28.02.2011 spielte eine der bestimmt wichtigsten und einflussreichsten Punk Bands im Kölner Luxor auf. WIRE! Die Band-Geschichte blickt mit kleinen Unterbrechungen auf nun fast 34 Jahre zurĂŒck, aber die AttraktivitĂ€t hat in der Zwischenzeit in keinster Weise darunter gelitten.

Bevor dieser Klassiker der Punk-Ära das Luxor an einem Montagabend fast vollstĂ€ndig mit Fans fĂŒllte, sollte zunĂ€chst die wahrscheinlich kaum jemandem bekannte amerikanische Band „Weekend“ den Boden fĂŒr die Alt-Stars ebnen. Es ist doch immer wieder wirklich ĂŒberraschend, wenn man sich zuvor eigentlich hauptsĂ€chlich auf den Mainact eingestimmt hat und dann doch durch die Vorband wunderbar auf die Hauptattraktion vorbereitet wird.
Weekend sind eine klassische 3er Combo, die durch ihre Gitarrenlastigkeit schon sehr stark an WIRE und andere Bands der spĂ€ten 70er /frĂŒhen 80er wie Gang of Four oder The Sound erinnern. Einzig und allein die Verliebtheit in den „Permanent-Echo-Gesang“ ist etwas gewöhnungsbedĂŒrftig. LĂ€sst der Gesang etwas nach, wird schnell das klassische Konzept von schnellem Gitarren-Punk mit lĂ€ngeren Loops Ă  la WIRE deutlich. Abgesehen vom erwĂ€hnten außergewöhnlichen Gesang spielt die Band sehr erfrischend schnell und gibt einen ersten Vorgeschmack, was anschließend durch die Originale folgen wird. Der Auftritt dauert genau 30 Minuten und ist insgesamt völlig stimmig und gelungen!

Bei WIRE stimmen die Musiker ihre Instrumente noch selbst!! Das ist Punk!

Seit ihrer GrĂŒndung 1977 haben sie bereits zwei lĂ€ngere Schaffens-Pausen eingelegt. Eines ihrer Reunion-Konzerte 1985 in Bochum wird dabei wahrscheinlich in die Analen als eines ihrer schlechtesten Konzerte eingehen. Scheinbar auf der Suche nach einem neuen Stil waren sie sowohl Welten ihrer bekannteren Songs der Vergangenheit als auch ihres jetzigen Stils entfernt. WIRE hatte gerade erst ihre mehr elektronische „WIR-Zeit“ ohne Schlagzeuger Robert Gotobed beendet, die dem Ansehen der Band nicht unbedingt förderlich war. Seit ihrer letzten Pause von 1991 bis 1999 stehen sie nun wieder hĂ€ufiger auf der BĂŒhne und begeistern hauptsĂ€chlich in kleineren Clubs ihre zahlreichen Fans. In der Zwischenzeit wurden zahlreiche CDs auf Collin Newmans Pinkflag Label produziert, die aber in Deutschland kaum zu beschaffen waren. Möglicherweise hatte aber auch das Engagements Newmans in anderen sehr interessanten Projekten wie „Githead“ an der Seite von Malka Spigel zu den Pausen in der Vergangenheit beigetragen. WĂ€hrend WIRE im letzten Jahr noch nebenan im Blue Shell aufgetreten sind, reicht nun der Platz im Luxor kaum noch aus, alle Fans unterzubringen.

Wenn man WIRE schon eine Zeit lang nicht mehr gesehen hat, ist man möglicherweise doch schon erstaunt. Ja, die Zeit geht selbst (oder erst recht) an Punks nicht vorĂŒber, zumindest nicht optisch. Irgendwie erinnert Collin Newman hin und wieder, wenn er in seiner gebĂŒckten Haltung bei seinen berĂŒhmten Loops mit den Pedals rumspielt an irgendeinen tĂŒddeligen Englisch-Lehrer mittleren Alters. Das Ă€ndert sich schlagartig, sobald der erste Akkord durch die Halle fegt!

Die musikalische Vorstellung ist wahnsinnig frisch! Erfreulicherweise gibt es bei der Auswahl der Songs ĂŒberhaupt keinen Schwerpunkt! Es wird aus dem ĂŒberaus vielfĂ€ltigen Repertoire der letzten 30 Jahre komplett bunt durchgemischt. Das Konzert hat, entgegen erster BefĂŒrchtungen von mehrheitlich „ruhigeren“ StĂŒcken, hauptsĂ€chlich die typischen schnellen StĂŒcke an Bord, die aber durchaus knapp die 3 Minuten-Grenze ĂŒberschreiten. Es wird lediglich hin und wieder eine kurze Regenerationsphase eingelegt, bei der dann Graham Lewis den Gesang ĂŒbernimmt.

Vor den beiden Zugaben sind genau 60 Minuten gespielt, in denen nicht ein StĂŒck Langeweile aufkommt. Auch wegen des gigantischen Repertoires können auch die beiden Zugaben das Niveau nicht mehr weiter steigern, obwohl Klassiker aus den spĂ€ten 70ern eher Mangelware sind. Rundum ein sehr kurzweiliges und wahnsinnig unterhaltsames Konzert!

Zugabe!

Setlist:
01. Smash
02. Advantage In Height
03. Comet
04. Please Take
05. Silk Skin Paws
06.Red Barked Trees
07. Kidney Bingos
08. Clay
09. Bad Worn Thing
10. Moreover
11. Two People In A Room
12. 106 Beats That
13. Boiling Boy
14. Spent
15. Down To This (Z)
16. Drill (Z)
17. Underwater Experiences (Z)
18. Adapt
19. Pink Flag

Bilder des Konzerts befinden sich in unserer Konzertfotos Sektion (Bildkommentare sind möglich) oder direkt durch Anklicken des jeweiligen Bandfotos.

Wire:

Weekend:

Autor: Stefan Voigt
Fotos: Michael Gamon

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