EGOamp – Welcome To The Cabinet

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EGOamp – Welcome to the Cabinet

 

Sagenumwobene Geschichten ranken sich um die Entstehung von EGOamp. Man munkelt, dass sich die Band, angetrieben von Anstaltsleiter Asmodi Caligari bereits 1920 im niedersĂ€chsischen Holstenwall grĂŒndete um NachtschwĂ€rmern und Somnambulisten die Flucht in tĂ€nzerische Gefilde zu ermöglichen. Es war die Zeit der Stummfilme und von eben jenem Filmgenre zeigen sich EGOamp weitreichend beeinflusst und haben daher auch folgerichtig den Klassiker „Das Testament des Dr. Caligari“ von Robert Wiene zum Leitmotiv ihres ersten Album „Welcome To The Cabinet“ erkoren. Songs wie „The Carnival“, „Holstenwall“ und natĂŒrlich „The Cabinet“ nehmen direkten Bezug auf diese Thematik und ganz besonders das schon von diversen Samplern bekannte „The Cabinet“ lĂ€sst die FĂŒĂŸe sogleich mitwippen und animiert zum tanzen in dunklen RĂ€umen. Der Song ist ein Remake des gleichnamigen Klassikers der britischen Band „Das Kabinette“ und wird uns sicher noch öfter auf den Dancefloors der Republik ĂŒber den Weg laufen.

Aber steigen wir nun mal etwas tiefer hinab in die Gedankenwelt Dr. Caligaris und sehen uns zunĂ€chst mal etwas um: Die Nacht ist dunkel, nicht einmal Sterne sind zu sehen. Doch dann plötzlich erklingt zunĂ€chst aus weiter Ferne Jahrmarktsmusik, die zunehmend lauter wird und sich immer tiefer in den Gehörgang bohrt. Dann lodern helle Lichter auf und nun erkennt man auch das Ortsschild: „Holstenwall"! Und schon ist man mittendrin im Kabinett, aus dem es kein wirkliches Entrinnen mehr gibt. Zum GlĂŒck steht der Anstaltsleiter uns zur Seite und fĂŒhrt uns behutsam durch die von niemand Geringerem als Chris Lietz (Die Krupps) klangtechnisch gemasterte Klanglandschaft Holstenwalls. Hier regiert elektronische Tanzmusik, die ihre charakteristischen Merkmale vor allem im von den Achtziger Jahren beeinflussten Electronic Wave bezieht und diese geschickt mit klassischen Tanzrhythmen verknĂŒpft. Dazu erschallt die beschwörende Stimme von Asmodi Caligari, der puppenspielerartig ĂŒber allem zu wachen scheint und uns immer weiter hinein geleitet. Scheinbar haben er und seine Mitstreiter hier eine komplett eigene Welt voller skurriler Persönlichkeiten erschaffen. Der Bezug zum Film liegt dabei auf der Hand und man meint tatsĂ€chlich einen schwarz-weiß Film vor sich ablaufen zu sehen wĂ€hrend man den Songs lauscht. Da passt es auch sprichwörtlich wie die Faust aufs Auge, dass der Eröffnungstrack „Holstenwall“ in bester Tradition zu Songs wie Propagandas "Dr. Mabuse" steht und somit den Filmbezug ebenso noch weiter in den Vordergrund schiebt wie das GerĂŒcht, dass Asmodi Caligari höchstpersönlich einem alten Stummfilm entsprungen sei. Es soll sich dabei um ein verschollenes Werk (“Das Erbe des Dr. Lang, 1919?) des Regisseurs und Theaterintendanten Joe Castle alias Josef Schloss handeln, der spĂ€ter im Track „The Director“ sogar selbst zu Wort kommt. Sein Markenzeichen ist der ĂŒberzeichnete deutsche Akzent, der deutlich in seinen englischsprachigen ErzĂ€hlungen ĂŒber seine Erfahrungen in Hollywood hervortritt.

Richtig beschwörend wird es bei „The Camera“. Es beginnt mit einem Pianointro, das von einem „Action“-Ruf unterbrochen wird und dessen Sounds den Hörer auf eine hypnotische Reise durch cineastische AbgrĂŒnde entfĂŒhren. UnterstĂŒtzt wird diese Stimmung durch eine „Being Boiled Rhythmik“, die mit getragen-dĂŒsteren SchlĂ€gen Angst einflĂ¶ĂŸende Szenarien heraufbeschwört. Das hier entstehende klaustrophobische GefĂŒhl lĂ€sst den Hörer auch beim nachfolgenden „The Veil“ nicht los. Nur mit Hilfe von psychoaktiven Substanzen scheint man dem Prozess der völligen Isolation noch entkommen zu können, die einen wieder etwas weiter an die OberflĂ€che und hin zum sarkastischen „Lady And The Tramp“ fĂŒhren.

Als Abschluss prĂ€sentieren uns EGOamp dann noch einmal etwas ganz besonders Feines: „Egomanic Maniacs“ ist das SahnehĂ€ubchen und vielleicht das Highlight ĂŒberhaupt dieses starken DebĂŒts. Der Song besitzt alles, was man sich nur wĂŒnschen kann: AtmosphĂ€re, Tanzbarkeit und einen mitreißenden Refrain. Ist der letzte Sound erloschen, spĂŒrt man den unaufhaltsamen Drang, die Scheibe noch einmal von vorne abzuspielen und sich erneut in die Obhut des Doktors zu begeben.

„Welcome To The Cabinet“ ist schon jetzt ein klarer persönlicher AnwĂ€rter fĂŒr den Titel „Album des Jahres 2011“ und erscheint am 22.02.2011 ĂŒber Ionium Records. Bis dahin kann man dank der kostenlosen Download EP „The Cabinet“ schon einmal einen Blick in die Welt von EGOamp werfen. Es lohnt sich!

Tracklist:
01. Holstenwall
02. The Cabinet
03. Curious
04. We Are Freaks
05. The Carnival
06. The Director
07. The Surgery
08. The Camera
09. The Veil
10. Lady and the Tramp
11. Out Of Place
12. Egomanic Maniacs

Wertung: 10 / 10 Punkte

Autor: Michael Gamon

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