DEINE LAKAIEN / VIC ANSELMO – Krefeld, Kulturfabrik (13.02.2011)

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Den Anfang machte an diesem Sonntag, wie auch schon bei den Konzerten der Lakaien im Herbst, die Lettin Vic Anselmo. Ganz allein am E-Piano, fĂŒhlte man sich an KĂŒnstlerinnen wie Tori Amos erinnert, aber halt mit diesem unverwechselbaren „schwarzen“ LebensgefĂŒhl, das den Liedern einen Hauch von Wahnsinn (im positivsten Sinn) verleiht. Leider war nur ein Teil des Publikums bereit, sich auf diese interessante und außergewöhnliche KĂŒnstlerin einzulassen. Ein Großteil hatte noch zu viele eigene Geschichten, die mit dem jeweiligen Nachbar geteilt werden mussten. Schade, denn die IntensitĂ€t mit der Vic Anselmo ihre in Lieder verpackten Geschichten erzĂ€hlte, hĂ€tte mehr Aufmerksamkeit verdient. Hoffentlich bekommt Vic Anselmo bald Gelegenheit, ihre Solo-Werke auf eine CD zu bannen. Bisher gibt es leider nur ein Album, das bei Weitem der AtmosphĂ€re eines Live-Auftritts nicht gerecht wird. Nichtsdestotrotz wurde sie mit freundlichem Applaus bedacht und schien sichtlich erfreut, ob der positiven Reaktionen des Publikums.

Dann wurde es Zeit fĂŒr Deine Lakaien, Zeit fĂŒr schöne Abende, wie Alexander Veljanov schon recht frĂŒh verkĂŒndete. NĂ€mlich eine Fortsetzung der schönen Abende des letzten Herbstes, in welchem der erste Teil der Indicator Tour stattfand. Indicator ist das mittlerweile neunte Studio-Album der beiden Musiker Ernst Horn und Alexander Veljanov unter dem Namen Deine Lakaien, wenn man die „Early Works“ mitzĂ€hlt. UnterstĂŒtzt wurden die beiden Lakaien, wie auch letztes Jahr, von Robert Wilcocks an der Gitarre, Tobias B. Deutung (Inchtabokatables) am Cello und Ivonne Fechner an Geige und am Mikrofon.

„On your stage again“ war der erste Song des Abends und wie hĂ€tte man besser anfangen können? Ein StĂŒck, einzig und allein dafĂŒr geschrieben, Konzerte zu beginnen, sehr eindrucksvoll. Ein erstes Highlight kam schon bald mit „Fighting the Green“, einem der hĂ€rteren StĂŒcke von Winter Fish Testosterone. Schon nach den ersten drei StĂŒcken fiel auf, wie gut das Konzert abgemischt war. Die Kulturfabrik in Krefeld ist nun wahrlich kein Veranstaltungsort, der wegen seines guten Raumklangs aufgefallen wĂ€re. Umso beeindruckender, es war nicht zu laut, man verstand jedes Wort, hörte jedes Instrument, sehr fein!

Überhaupt kann man das Geschehen auf der BĂŒhne gar nicht genug loben: Die Musik von Deine Lakaien wurde schon immer vom Spannungsfeld zwischen dem Elektronischen, in Person von Ernst Horn, und dem Organischen, dem Menschlichen, in der Person von Alexander Veljanov geprĂ€gt. Live wird dies zum Teil ĂŒberdeutlich; das Elektronische ist zum einen das Korsett, das die Performance stĂŒtzt, zum anderen aber auch der genau abgesteckte Raum, in dem sich Veljanov und die ĂŒbrigen Musiker bewegen und entfalten können. So merkt man den Musikern, allen voran Tobias B. Deutung am Cello immer wieder an, wie sie es genießen, die RĂ€ume die ihnen geboten werden, auszufĂŒllen.
Das Zusammenspiel zwischen Geige und Cello ist dabei nicht nur musikalisch, sondern auch optisch ein Leckerbissen, kleine Blicke werden zu Choreographien, werden zu einem herzlichen Grinsen
 Besonders deutlich wurde dies bei „Europe“, auch einem neuen Song von Indicator, der mit seinem Instrumentalteil den Musikern genug Möglichkeiten gab, zu zeigen was sie können. Am linken BĂŒhnenrand rockt Gitarrist Robert Wilcocks, als wĂŒrde er ein komplett eigenes Konzert in seinem Kopf spielen, aber es passt!
Der nĂ€chste echte Höhepunkt des Abends war das ruhige „Blue Heart", emotional prĂ€sentiert und von den Zuschauern begeistert aufgenommen. Apropos Zuschauer, es dauerte eine Weile, bis sich KĂŒnstler und Publikum aufeinander eingestimmt hatten. Den Lakaien, allen voran Veljanov, war eine gewisse Unruhe, eine NervösitĂ€t anzumerken, die sich erst in der zweiten HĂ€lfte des Abends etwas legte. Vielleicht war es der Schrei am Ende von „WhoÂŽll save the world“, der eine befreiende Wirkung hatte. Von Song zu Song wurde die NervositĂ€t abgelegt, und die Euphorie (und das schreibe ich ganz bewusst) des Publikums nahm zu. Obwohl ganz bewusst auf die Clubhits "Dark Star" und "Love me to the end" verzichtet wurde, mangelte es keineswegs an Hits wie zum Beispiel „Mindmachine“ mit Ivonne Fechner als zweiter Stimme.

Die BeifallsstĂŒrme des Publikums wurden tatsĂ€chlich immer lauter, was zu immerhin drei Zugaben fĂŒhrte und Herrn Veljanov mehr als nur ein Kompliment entlockte. In den Zugaben wurden dann noch mit "Colour-ize" und "Reincarnation" zwei Hits versteckt, die dann auch den Rest des Publikums in helle Freude versetzten.

Anfangs war ich mir nicht sicher, ob die Zeit fĂŒr Deine Lakaien-Konzerte nicht vor einigen Jahren abgelaufen war, hatte ich den Werdegang der Band doch nicht mehr verfolgt. Aber Deine Lakaien prĂ€sentieren sich anno 2011 nicht mehr als reine Dark Wave-Band, diese Ă€sthetischen Fesseln wurden schon vor langer Zeit abgeschĂŒttelt und durch ein umfassenderes kĂŒnstlerisches Gesamtkonzept ersetzt. Deine Lakaien klingen 2011 frischer und prĂ€senter, als ich es mir erhofft hatte. Einen schönen Abend hatte Veljanov dem Publikum angekĂŒndigt und genau das wurde es dann auch, sogar ein richtig schöner Abend.

Bilder des Konzerts befinden sich in unserer Konzertfotos Sektion (Bildkommentare sind möglich) oder direkt durch Anklicken des jeweiligen Bandfotos.

Deine Lakaien:

Vic Anselmo:

Autor: Andreas Viehoff
Fotos: Frank GĂŒthoff

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