Interview : COVENANT

2010-06-12_Blackfield_Festival_2010_Covenant_-_Bild_021x.jpg
GeschÀtzte Lesezeit: 7 Minute(n)

Covenant sind eine feste GrĂ¶ĂŸe in der Electroszene und haben sich seit ihrer GrĂŒndung im Jahre 1986 mit ihren Songs in viele Herzen spielen können. Songs wie „Stalker“, „Theremin“, Figurehead“, „Der Leiermann“ oder „Call The Ships To Port“ sind absolute TanzflĂ€chenfĂŒller und nun schicken sich die elf Tracks des aktuellen Albums „Modern Ruin“ an, diesen Erfolgsweg fortzusetzen. Die Chancen stehen gut wie schon unsere Albumrezension zeigte und daher wollten wir von der Band mehr zum neuen Werk, der Arbeit des neuen Vollzeitmitglieds Daniel Myer, aber auch den HintergrĂŒnden der Bandphilosophie wissen. Programmierer Joakim Montelius stellte sich den Fragen von Frank Stienen per E-Mail und gab uns tiefere Einblicke in die Welt „Covenant“.

Hi Joakim, wie geht es dir?

Mir geht’s gut. Wenn der verdammte Winter nur weggehen wĂŒrde, wĂŒrde es mir noch besser gehen. Winter ist okay, wenn es Schnee gibt und sternenklaren offenen Himmel, aber dieses ewige Graue und UngemĂŒtliche wird mir zuviel.


Der Pressetext eures Labels beschreibt „Modern Ruin“ als romantisches Klagelied. WorĂŒber lamentiert ihr denn?

 Ich lamentiere ĂŒberhaupt nicht, wie kommst du auf die Idee? Ein Lament ist Ausdruck der Sorge. Aber ich lamentiere leider ĂŒber das Wetter. Ok, ich höre schon damit auf.


Ist „Modern Ruin“ ein Konzept Album? Welche Idee steckt dahinter?

Nein, wir machen keine Konzepte. Wir reagieren und drĂŒcken unsere GefĂŒhle aus, all das was um uns herum geschieht. Der Albumtitel (den wir vom britischen KĂŒnstler Chris Cornish geklaut haben) bezieht sich auf die wundervolle Zukunft, an die wir frĂŒher geglaubt haben. Nichts wird jemals besser werden, wenn sich niemand darum kĂŒmmert, das zu Ende zu bringen, was wir angefangen haben. Es ist als Erinnerung an uns selber und hoffentlich auch an Andere gedacht, etwas Sinnvolles in Gang zu setzen um unserer Selbst wegen. Das Zeitalter des Egoismus, der oberflĂ€chlichen Individuen geht mir gehörig auf die Nerven.


Kannst du beschreiben, wie die Zusammenarbeit mit Necro Facility zustande kam?

Der Song war eigentlich ein Necro Facility Track. Oskar und Henrik fragten Eskil, ob er den Chorus singen wĂŒrde. Aber wĂ€hrend der Arbeit daran wurde er zu einem Covenant Track. Es war keine Absicht und ist einfach so passiert. Leider sind wir nicht so gut darin, aus unseren Kontakten in diesem GeschĂ€ft einen Vorteil zu ziehen, ich denke es ist einfach zu independent. Aber in diesem Fall haben wir den Jackpott geknackt, da wir uns einfach haben treiben lassen. Es ist ein großartiger Song und er ist etwas, was wir selber nie veröffentlicht hĂ€tten.


Daniel Myer ist das neue Covenant Bandmitglied.
Wie kam das zustande? Habt ihr nach jemand neues fĂŒr die Band gesucht und Daniel kam euch sofort in den Sinn?

 Mehr oder weniger, ja. Daniel ist fĂŒr Clas eingesprungen, als er die Band verlassen hat. Wir kennen Daniel schon sehr lange und hatten nie jemand anderes im Auge fĂŒr diesen Job. Ich meine, es gibt viele talentierte Keyboarder auf der Welt, aber wenige sind so faszinierend und vorwĂ€rtsblickend wie Daniel. Er drĂŒckt nicht einfach nur ein paar Knöpfe und spielt ein paar Tasten. Er macht Musik mit seinem Herzen, verkabelt mit seinem Gehirn und darum geht es bei Covenant.


Wie war Daniel im Entstehungsprozess des Albums involviert?

Daniel, Eskil und ich arbeiteten wie eine Band zusammen. Wir haben alle unseren Teil beigesteuert. Daniel hat Songs geschrieben, er hat gesungen, produziert und Texte geschrieben. Es ist nicht wichtig, wer wann was gemacht hat, solange sich das Ergebnis hören lassen kann.


„The Night“ ist ein sehr ruhiger Song auf „Modern Ruin“. Ich kann einige 70er Jahre Sounds hören. Magst du elektronische Songs dieser Dekade?

 Die 70er war die Dekade, in der die elektronische Musik geboren und erwachsen wurde. NatĂŒrlich mögen wir viele Sachen aus dieser Periode. Damals war noch nichts formelhaft oder konnte einem Genre zugeordnet werden. Elektronische Musik war Neuland und die Pioniere haben alles ausprobiert, was sie sich vorstellen konnten. Wenn ich mir Bands wie Popol Vuh, Kraftwerk oder Brian Eno, Giorgio Moroder, frĂŒhe Human League, Cabaret Voltaire oder Tangerine Dream anhöre, bin ich immer noch vom Einfallsreichtum und Geist der Musik ĂŒberrascht, die diese Bands gemacht haben. Ich glaube, das Meiste der faszinierenden Sachen der Periode ist daraus entstanden, das nichts einfach umzusetzen war. Du musstest denken, fĂŒhlen, vorschlagen und planen, was du machen wolltest, bevor du anfangen konntest.


Was ist dein Lieblingstrack des neuen Albums?

Ich habe keine Favoriten. Oder besser gesagt, es sind alles meine LieblingsstĂŒcke. Sonst hĂ€tte das Album eine andere Tracklist. Musik bedeutet alles fĂŒr uns und wir möchten in der Lage sein, sagen zu können, dass wir jeden einzelnen Song lieben, den wir jemals veröffentlicht haben.


Ihr seid sehr erfolgreich in Deutschland. Kannst Du die Schwedische Gothic Szene mit der Deutschen vergleichen?

 Das geht ĂŒberhaupt nicht. Die Gothic Szene in Deutschland ist einzigartig in der Welt, mit nichts zu vergleichen. Es gibt eine Szene in Schweden, die definitiv kleiner ist. Ich werde nicht weiter darauf eingehen, aber als Schweden waren wir am Anfang unserer Karriere ziemlich verwirrt, dass wir als Ikonen der Gothic Kultur angesehen wurden, die wir gar nicht kannten. Wir hatten niemals die Intention dazuzugehören. Aber vielleicht wurden wir gerade deshalb so erfolgreich, da wir etwas Neues in eine bereits bestehende Szene gebracht haben und aus Versehen einige Regeln gebrochen haben.

Wird es weitere Singles und/oder Videoclips vom neuen Album geben?

Es wird eine zweite Single geben, aber wir haben noch nicht entschieden, welcher Song es sein wird. Es gibt viele Alternativen, aus denen wir auswÀhlen können und viele mögliche Formate. Aber erst einmal konzentrieren wir uns auf die Tour.


Was können wir auf der kommenden Covenant Tour erwarten?

Viel Energie und grelles Licht. Und gute Musik. Bass Drums und Krach, mehr LĂ€rm als auf dem Album. So wie immer, nur besser.


Wo habt ihr die CD produziert und wie lange hat das gedauert?

Das Album wurde ĂŒber eine lange Zeit an verschiedenen Orten geschrieben und produziert. Was schließlich als „Modern Ruin“ endete sind Tracks, die ĂŒber eine Zeitspanne von zwei Jahren geschrieben und in zwei Monaten in unserem Studio in Helsingborg aufgenommen wurden. Viele Sachen der Vorproduktion wurden von Daniel in Leipzig und von Eskil und mir in unserem alten Studio produziert.


Es gibt einen exklusiven Covenant Track auf dem Soundtrack des deutschen Vampirfilms „Wir sind die Nacht“. Habt ihr jemals daran gedacht einen Soundtrack zu machen?

 Nicht wirklich, obwohl es bestimmt interessant wĂ€re.


Was ist deiner Meinung nach der Hauptunterschied zwischen „Skyshaper“ und „Modern Ruin“?

Drei Jahre Erfahrung, ein neues Band Lineup und die Zeit mit der grĂ¶ĂŸten VerĂ€nderung in der Geschichte von „Covenant“.


Ihr tragt oft AnzĂŒge auf der BĂŒhne, eine Hommage an Kraftwerk?

Ja und Nein. Es ist eher eine Hommage an die Eleganz oder eine inverse Rebellion. In einer Szene, die voll von lauten Menschen ist, die sich wie DĂ€monen oder Vampire aus der Matrix kleiden, blutgetrĂ€nkt und umgeben von mehr oder weniger nackten Frauen, ist die Tatsache, dass man einen Anzug trĂ€gt eine Art Statement. Es ist „anti-cool“ und „anti-establishment“, aber auf eine coole Art. Und es ist eine sehr praktische Bekleidung.


Wie entsteht ein Covenant Song? Trefft ihr euch im Studio und programmiert eure Ideen?

Wir treffen uns selten persönlich im Studio und wenn wir das tun, arbeiten wir meistens getrennt. Wir sitzen niemals zusammen und jammen, dies findet im Austausch mit den Bausteinen statt. Derjenige, der den Song schreibt, ist normalerweise auch der, der die Arrangements macht, wĂ€hrend die anderen an Details arbeiten, kommentieren und Lösungen vorschlagen. Es gibt keine bestimmte Arbeitsreihenfolge. Manchmal beginnt ein Song mit einem GerĂ€usch, einer Textzeile, einem Rhythmus oder einem StĂŒck Melodie. Alles, was die kreative Flamme entzĂŒndet, wird akzeptiert und ausprobiert. Manchmal schieben wir Ideen per Email oder USB Sticks hin und her, bis jemand eine handfeste Form hat. Dann nehmen wir die Vocals auf, mischen das Ganze und hoffen, das ein Song daraus entstanden ist.


Was ist in textlicher Hinsicht der Haupteinfluss eurer Musik? BĂŒcher, Filme, das Leben an sich?

Alles davon inspiriert uns. Ich glaube fest daran, dass man mit offenen Augen durch die Welt gehen sollte, alle Sinne geschĂ€rft. Das Leben ist ein Wunder der Empfindungen, EindrĂŒcken, Handlungen und Reaktionen. Ich habe Ideen in jeder Minute, die ich wach bin, oder auch wenn ich schlafe. NatĂŒrlich ist nicht jede Idee gut, aber warum sollte man riskieren, sie nicht auszuprobieren? Es gibt eine fantastische Anzahl von versteckten Keimen um uns herum, obwohl die Bandbreite von den Sachen, die vor sich gehen recht groß ist. Diese Welt ist ein konstanter Fluss und mir wurde es geschenkt, all das, was ich beobachte, in etwas umzusetzen, was man als Kunst bezeichnen könnte. Das macht mich immens dankbar und demĂŒtig.


Wenn Morgen der letzte Tag deines Lebens wĂ€re, was wĂŒrdest du tun?

Ich wĂŒrde alle meine Lieben zusammensuchen, eine riesige Party feiern und ihnen sagen, wie viel sie mir bedeuten. Und dann wĂŒrde ich eine Kraft heraufbeschwören (man weiß ja nie, vielleicht besitze ich sie ja), die mich durch einen Blitz erhellen lĂ€sst. Damit es keinen Ärger mit einem BegrĂ€bnis oder Ă€hnlich deprimierenden Sachen gibt.

Vielen Dank fĂŒr das interessante Interview.


Das Interview fĂŒhrte Frank Stienen im Februar 2011 mit Joakim Montelius

Kommentar verfassen