Painbastard – KriegserklĂ€rung

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Painbastard – Kriegserklärung


Mit "Kriegserklärung" ist das neueste Machwerk des Leipziger Futurepop- und Aggrotech- Projekts Painbastard erhältlich und es wäre nun mal interessant zu wissen, was es mit dieser ?Kriegserklärung? Alex P.s auf sich hat. Wem wird hier der Krieg erklärt werden? Einem klar definierten Gegner? Einer höheren Macht? Oder vielleicht sogar dem Menschen an sich? Knüppelelektro mit nachhaltigen Messages gibt es selten. Man darf also gespannt sein.

Ein Intro leitet in den wohl nahenden Krieg ein. Sphärisch und mit lauten, wütenden Sprachsamples kommt es daher. Die Aufforderung an den Hörer ist unmissverständlich: aufwachen und nachhaltig handeln, Ungerechtigkeiten und gesellschaftspolitische Missstände überwinden.
Welche jene sind, erfährt der Hörer in den sich anreihenden 12 Songs inklusive des Outros. Ohne Luft zu holen klatscht Alex P. dem Hörer ein gesellschaftliches Problem nach dem anderen vor den Latz, stets den Blick der mangelhaften Ausführung von Demokratie und dem Scheusal Mensch zugewandt. Wütend über die schrecklichen Zustände in unserer Welt deckt Painbastard Alex P. alles auf, was ein sinnvolles, zwischenmenschliches Miteinander stören und gefährden könnte.

Musikalisch gesehen hat Painbastard keine großen experimentellen Sprünge gemacht, sondern ist sich selbst treu geblieben: stets getragen auf den bekannten Futurepop- Elementen kommt jeder einzelne Song, teils sehr gefällig und in gewohnt lauter, eindringlicher Painbastard- Manier daher. Die einzelnen Botschaften des Leipzigers werden auf verschiedene Art und Weise überbracht ? mal leise im Flüsterton, mal als klare Vocals und bestimmendes Gebrüll, zwischen denen in den Songs hin und her geswitched wird. Es müssen also stimmlich gesehen nicht nach und nach Bomben geworfen werden, damit eine Message ankommt ? das beweist Alex P. in seinen Songs allemal. Dennoch gilt bei Krieg im Folge einer ?Kriegserklärung?, dass jener oftmals schneller begonnen als beendet werden kann. Dies zeigt sich ebenfalls beim Durchhören der Platte. Durch das Aneinanderreihen der wutgeladenen, rasenden und durchweg tanzbaren Songs wird der Hörer nur so mitgerissen und findet keinen Moment Ruhe, um die durchaus gehaltvollen Botschaften verdauen zu können. Dennoch gibt es Stücke, die eindeutig herausstechen. Das ist zum einen der Track ?S.I.N. (Seele in Not)?, der vor allem durch seine Gefälligkeit besticht und jedem Hörer sicher noch etwas in den Gehörgängen verweilt. Auffällig auf der Platte ist darüber hinaus der Song ?Kriegserklärung?, der sich politischer Reden bedient und zwar nicht nur ? wie oft gehört und bekannt ? mit Ansprachen aus dem Dritten Reich und ebenfalls nicht nur als Einleitung oder in Widerholungsschleifen. Bei diesem Stück handelt es sich um einen Rundumschlag aus Sprachsamples politischer Herkunft, die teilweise von einer etwas seichteren Elektrobasis untermalt sind, und stellt in seinem Wesen sicherlich einen kleinen Höhepunkt auf der Scheibe dar.

Alles in Allem lässt sich festhalten, dass ?Kriegserklärung? weder enttäuscht noch überrascht. Wer mit den vorangegangenen Painbastard Machwerken vertraut ist, wird sicher auf der aktuellen Erscheinung, die den letzten Schliff (Mixing) durch Daniel Myer (Covenant, Haujobb u.a.) erfuhr, nichts vermissen. Jeder einzelne Song ? abgesehen vom Intro und Outro ? wird sicherlich viele Tanzflächen füllen können, nur ist das Album zum ?privaten? Genuss im Gesamten mit Sicherheit manch einem zu viel des Guten, des Lauten, des Klagenden und Mahnenden, zu viel des Kriegs in seiner elektronischen Darbietung.

Tracklist:
01. Intro: Rebellion Des Gewissens
02. BCM
03. Widerstand
04. S.I.N. (Seele In Not)
05. War Never Changes
06. Silent Death
07. Kriegserklärung
08. Don?t Wake Me Up
09. Invisible
10. Seek & Destroy
11. Fuck U All!
12. Klare Worte (feat. Torsten B. / Coinside)
13. Outro: Sturm Des Zorns

Autorin: Tanja Sunshine

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