PAVEMENT – Nijmegen, Doornroosje (06.07.2010)

Gesch├Ątzte Lesezeit: 4 Minute(n)

Konzert: Pavement
Ort: Doornroosje, Nijmegen
Datum: 06.07.2010
Dauer: knapp 95 min
Zuschauer: 600 bis 700 vielleicht (ausverkauft)

So wie normale Menschen sich darüber unterhalten, welche Schule die bessere für ihre Kinder ist, wie viele Säulen eine Altersversorgung haben sollte oder ob Schumi jemals wieder der Alte wird, also über Themen, die ein enormes, emotionales Potential haben, reden Leute, die Musik hören, die normale Menschen nicht kennen, über solch weltbewegende Themen, ob ein Comeback einer früheren Heldenband nur für deren Konten oder auch für die Musikwelt Sinn macht. Seit die ersten ernstzunehmenden Gerüchte über eine Pavement Reunion die Runde machten, wurden zig solcher Diskussionen geführt. Man ist da aber auch gerade gut in Form, schließlich sind Comebacks in den letzten zwölf Monaten so hipp wie diese huch-wie-lustigen schwarz-rot-goldenen Autospiegelüberzieher.

"Wink‘ denen mal mit ein paar Geldscheinen zu," war dann auch eine Bitte, die ich vorher hörte. Ganz sicher ist dieser Vorwurf bei vielen der Wiederda-Bands vollkommen berechtigt; ein künstlerischer Grund dafür, warum Skunk Anansie zurückgekommen sind, ist beispielsweise wirklich schwer vorstellbar.

Bei Pavement ist das natürlich ganz anders. Zumindest hatte ich während ihres Auftritts beim Primavera Festival in Barcelona vor ein paar Wochen diesen Eindruck. Viel habe ich von diesem Konzert, auf das ich mich wahnsinnig gefreut hatte, nicht mitbekommen, weil ich ganz schreckliche Müdigkeitsanfälle abwehren musste. Der Spaß, den die Amerikaner aber auf der Bühne vermittelten, war schwer zu übersehen! Weil ich die letzten fünf Stücke in Spanien nicht mehr gesehen hatte, war Nijmegen mein erstes richtiges Pavement Konzert. Pavement gehören zu den vielen Bands, die ich "damals" verpasst habe, weil ich mich in ihrer Zeit nicht für Konzerte interessiert habe. Eine Schande!

Daß Pavement im kleinen, niedlichen Doornroosje in Nijmegen spielten, mochte ich erst gar nicht glauben. Daß das auch während der Woche eine Pflichtveranstaltung sein würde, war ganz klar. Sehr locker nahmen wir in den letzten Wochen zur Kenntnis, daß das vermutliche holländische WM-Halbfinale am gleichen Abend stattfinden würde. Entweder könnten wir also gemeinsam im Club Fußball gucken, oder wir hätten viel Platz im Saal. Vor ein paar Tagen kam das erwartete mail, das Uruguay-Holland vor dem Spiel gezeigt würde. Die einheimische Vorgruppe zZz sollte dann vor dem Spiel und in der Halbzeitpause auftreten, eine herrlich pragmatische Lösung. Wir entschieden uns gegen zZz und für gemeinsames Fußballgucken auf einer Kneipenterrasse.

Während wir in der zweiten Halbzeit dem weitestgehend unspannenden Spiel im Doornroosje folgten, baute man im Hintergrund die Bühne um. Dabei tauchten immer wieder Bandmitglieder auf und guckten mit. Fußball und Popmusik gehören nun mal zusammen (siehe dazu auch diese Studie).

Als das Halbfinale fertig war, ging alles ganz schnell. Zweittrommler Bob Nastanovich erzeugte auf seinem Sampler ein Feuerwerkgeräusch, grinste breit über diesen Einfall und verteilte Bierdosen als Siegprämie an holländische Fans.

Mit In the mouth a desert vom Debütalbum Slanted and enchanted begann es. In den kommenden anderthalb Stunden folgten Lieder aller fünf Alben, sowie viele Stücke die auf einer der zahlreichen EPs veröffentlicht worden waren. Das meiste von dem, was ich hören wollte, kam im Set vor, daher passte alles gut.

Mir fehlte ja wie geschildert der Vergleich, die Band wirkte aber wohl deutlich routinierter als bei den ersten Comeback-Auftritten. Ich hatte nicht den Eindruck, daß die Bandmitglieder das langweile, was sie da tun, im Vergleich zu Barcelona passierte aber auf der Bühne deutlich weniger. Eigentlich passierte gar nichts. Stephen Malkmus, Scott Kannberg, Steve West, Mark Ibold und Bob Nastanovich spielten ihr Programm souverän, hatten Spaß und lachten viel, die wirklich großen Momente fehlten aber weitestgehend. Natürlich war da das Tänzchen zwischen Bob und (?) dem Soundmann zu … We dance. Das gab es auch beim Primavera, es war aber trotzdem schön!

Naja, die großen Moment fehlten dann aber doch nicht, man musste nur den Blick etwas wandern lassen. Wenn man nämlich dem Zweittrommler, Percussionisten und Sänger der Schreiparts, Bob Nastanovich zusah, gab es auch jenseits der Musik allerbeste Unterhaltung. Ich hatte mich schon bei meinem abgebrochenen Konzert in Spanien über sein gestenreiches Spiel erfreut. Ihm über anderthalb Stunden zuzusehen, wie er wippte und feixte, war herrlich!

Mein erstes Mal Pavement mag objektiv nicht perfekt gewesen zu sein, für mich war es das aber, weil meine Erwartungen blendend erfüllt wurden. Ich wollte diesen Liebling endlich einmal sehen, viele liebste Stücke hören, und das in einem wundervollen Club. Aber es war eben ein Perfekt mit Platz nach oben. Daraus ein Perfekt-Perfekt zu machen, kann ja noch kommen, Pavement und ich sehen uns dieses Jahr noch.

Fin.


Setlist:

01. In the mouth a desert
02. Elevate me later
03. Date w/ IKEA
04. Grounded
05. Perfume-V
06. Father to a sister of thought
07. Gold soundz
08. Frontwards
09. Debris slide
10. Trigger cut
11. Stereo
12. Kennel district
13. Spit on a stranger
14. Conduit for sale
15. We dance
16. Lions (Linden)
17. Cut your hair
18. Fin
19. Box Elder
20. Shoot the singer
21. Two states
22. Stop breathing
23. The hexx (Z)
24. Spizzle trunk (Z)
25. Unfair (Z)
26. Shady lane (Z)
27. Range life (Z)

Fotos und Bericht: Christoph (konzerttagebuch.de)

Kommentar verfassen