Amphi Festival 2010 – Köln, Tanzbrunnen (24./25.07.2010)

2010-07-24 Besucher - Bild 001x.jpg
Geschätzte Lesezeit: 37 Minute(n)
Weitere Berichte im Festivalbereich: AMPHI Festival

Am Wochenende des 24. und 25. Juli 2010 fand zum seither 6. Mal das Amphi Festival im Kölner Tanzbrunnen statt und konnte einen neuen Besucherrekord feiern. Waren es im vergangenen Jahr noch rund 12.000 Fans und Freunde der dunklen, vorrangig elektronischen Musik, so konnten die Veranstalter in diesem Jahr 16.000 Besucher aus Deutschland und der ganzen Welt verbuchen. Ein weiterer Rekord und ein weiterer Beweis dafür, dass das Amphi Festival langsam aber sicher aufschließt an Festivals in der Größenordnung von WGT und M’era Luna. Bereits einige Wochen zuvor waren sämtliche Tages- und Wochenendtickets ausverkauft gewesen ? mit gutem Grund! Das Line- Up ließ keine Wünsche offen, fand doch ein wahres Gipfeltreffen der Szenegiganten statt. Ob Skinny Puppy, Project Pitchfork, Frontline Assembly, Anne Clark, And One, Eisbrecher, ASP oder Combichrist ? zufrieden ging sicherlich jeder Besucher schlussendlich vom diesjährigen Amphi Festival nach Hause.

Abgesehen von dem hochkarätigen Line- Up haben sich die Schwachpunkte des Festivals allerdings wenig gebessert. Immer noch waren die Preise für Speis und Trank verhältnismäßig hoch und die Sitzmöglichkeiten, um das Erworbene zu sich zu nehmen, zu gering. Das ließ allerdings wie in den vergangenen Jahren die gute Grundstimmung nicht trüben und so wurde auf und vor den Bühnen gefeiert, was das Zeug hielt.


Samstag, 24.07.2010:

Pünktlich um 12.00 Uhr fielen am Samstagmittag auf dem Tanzbrunnen- Gelände die Startschüsse für den ersten Act des Tages auf der Hauptbühne. Eröffnet wurde das Festival von den Gewinnern des am Vorabend ausgetragenen New Talents Specials. Die Band Zin aus Leipzig konnte die Fans begeistern und sich bei dem Wettbewerb gegen ihre 3 Konkurrenten durchsetzen und sich somit eine Spielposition auf dem Amphi Festival sichern. Wie am Vorabend konnte die Formation um Sänger Iven Cole auch Samstagmittag die Besucher in ihren Bann ziehen und wurde mit verdientem Applaus entlohnt.

Nach dem erfolgreichen Festivalstart ging es im Staatenhaus mit dem Industrial- Nebenprojekt von Chris Pohl (Blutengel, Terminal Choice) Miss Construction weiter. Miss Construction begeisterten ihre Fans unter anderem mit dem Terminal Choice Cover ?Totes Fleisch? und dem poppigen ?Kunstprodukt?. Fans von Chris Pohls Künsten bekamen hier auf jeden Fall Lust und Appetit auf den nahenden Auftritt von Blutengel.

Auf der Mainstage ging es unterdessen bereits mit der New Wave-/ Elektro- Band Din [A] Tod [GALLERY] weiter. Die 2003 gegründete, experimentierfreudige Band um Sven und Claudia hat es sich zur Aufgabe gemacht, anders zu klingen als andere Bands der Szene. Frühe 80er- Jahre- Sounds im minimalistischen Kleid trifft man heutzutage nicht regelmäßig an und so ist es auch nicht verwunderlich, dass sich nicht nur die treue Fanschar sondern auch viele neugierige Amphi- Besucher vor der Bühne versammelt hatten und sich bei Ohrwürmern wie ?Some Kind Of Hate? oder ?Vorwärts? langsam warm tanzten und vor allem klatschten. Der Minimalismus spiegelte sich dabei nicht nur als musikalische Begleiterscheinung, sondern auch auf der Bühne selbst wieder: wenig Schnick- Schnack und für Sänger und Gitarrist Sven fiel auch die Beinbekleidung etwas minimal aus, trug er doch an diesem noch relativ frischen Samstagmittag nur kurze, sportliche Shorts im 80er- Jahre Stil. Ein insgesamt gelungener Auftritt einer sympathischen Band stimmte uns auf einen ereignisreichen Nachmittag ein.

Im Staatenhaus hatten es sich derweil schon Destroid [GALLERY] auf der Bühne bequem gemacht und empfingen uns mit einer Mischung aus feiner Elektromusik und harten EBM- Klängen. Mit Destroid ist Multitalent und Soundkünstler Daniel Myer (Haujobb, Covenant) ein weiteres Projekt eindeutig gelungen. Unterstützt wird Myer hierbei von Keyboarder und Programmer Sebastian Ullmann. Auf der Bühne jedoch nahte weitere musikalische Unterstützung durch Live- Drummer Achim Färber (Project Pitchfork) sowie einem weiteren Keyboarder. So heizte also ein gut gelaunter und im Vergleich zum Covenant- Auftritt auf dem e-tropolis in Berlin deutlicher entspannterer Daniel den Besuchern mit Songs wie ?Revolution?, ?Judgement Throne? oder dem absolut tanzbaren The Sisters of Mercy Cover ?Lucretia, My Refletion? von der aktuellen EP ein. Destroid stellten sich in meinen Augen als absolute Entdeckung und Überraschung des Tages dar. Das restliche Publikum sah das anscheinend ähnlich und so erhielt das innovative Projekt eine Menge verdienten Applaus und somit die nötige Anerkennung für ihre starke musikalische Leistung auf der Bühne.

Setlist:
01. Silent World
02. Friend Or Foe
03. Revolution
04. Run And Hide
05. Mourn
06. Leaving Ground
07. Lucretia My Reflection (Sisters Of Mercy Cover)
08. Judgment Throne

Draußen auf der Mainstage ging es musikalisch nun etwas härter zu. Die Stuttgarter Goth- Rock Band End of Green [GALLERY] hatte es sich zur Aufgabe gemacht, ihre Fans mit Hits wie ?Drink Myself To Sleep?, ?Nice Day To Die? und Co zum Rocken und vor allem zum Headbangen zu bringen. Auch die Neuerscheinung ?Goodnight Insomnia? durfte zu einem gelungenen Auftritt nicht fehlen. Sänger und Gitarrist Michelle Darkness und seine Mannen schafften es unter Körper- und Haareinsatz die Menge zu begeistern und animierten neben den eindeutig zu identifizierenden Goth- Rock- Fans auch viele andere Besucher zum mitmachen. End of Green stellten somit eine willkommene Abwechslung zu den das Festival dominierenden Electro- und Industrialbands dar.

Waren auf der Hauptbühne die harten Gitarrensounds langsam verklungen, so begann im Staatenhaus bereits Faderhead [GALLERY] aus Hamburg die Besucher und Fans mit seinen elektronischen und eingängigen Sounds in eine tanzende, bebende Masse zu verwandeln. Anhänger der Cyberszene befanden sich ganz in ihrem Element und hatten sich, bewaffnet mit Knicklicht und Leuchtkugeln, an den Seiten der Halle Platz geschaffen, um ihre ausgefeilten Tänze darzubieten. Vor der Bühne gab es von Faderhead eine Ladung Wodka in die Menge (und auf die Kameras der Fotografen) und von Song zu Song steigerte sich die Stimmung. Neben dem beliebten ?ZigZag Machinery? riss auch das Harsh- Elektro- Stück ?Destroy Improve Rebuild? vom neuen Album die Menge in den Bann und forderte entsprechende Bewegung. Unterstützung bekam der energiegeladene Faderhead von Daniel und Joe Meyer (SAM), die sich am Keyboard und in Form von Backing Vocals sinnvoll einbrachten.

Setlist:
01. Girly Show
02. Acquire The Fire
03. Electrosluts Extraordinaire
04. Zigzag Machinery
05. Destroy Improve Rebuild
06. Horizon Born (Electric Paradise Club Edit)
07. Houston
08. O/H Scavenger
09. Dirtygrrrls / Dirtybois
10. TZDV

Um pünktlich zum nächsten Act zu gelangen, bewegte sich ein Teil der gerade noch wild feiernden Masse in Windeseile wieder nach draußen, um dort von feinem Synthpop des schwedischen Duos Ashbury Heights [GALLERY] glücklich gemacht zu werden. Nachdem Yasmin Uhlin die Band Ende 2008 verlassen hatte, wurde ihr Platz mit der sympathischen Blondine Kari Berg besetzt, die ihrer Vorgängerin optisch und stimmlich gesehen in nichts nachsteht. Die Chemie zwischen Sängerin Kari und Kumpane Anders Hagström stimmt perfekt und so wurde dem Amphi- Publikum eine erotisch- exotisch angehauchte, kokette und spielerische Bühnenshow geboten. Charmant umgarnte Kari, die im Kimono über die Bühne huschte, immer wieder ihre Fans, liebäugelte zwischendurch mit dem energiegeladenen Anders und nach einem kleinen Patzer des Livekeyboarders Johan Andersson zu Beginn lief auch alles wie am Schnürchen. Das Augenmerk im Hinblick auf die Songs lag vorrangig auf der aktuellen Platte, von der es auch das eingängige ?Anti- Ordinary? zu hören gab. Ashbury Heights stellten sich als sympathischer Act heraus, der das Publikum zu unterhalten wusste und hauptsächlich zufriedene Fans zurück ließ.

Als nächstes erwartete uns im Staatenhaus die Berliner Future- Pop Band Solitary Experiments [GALLERY], die sich schon seit Jahren einer großen Anhängerschaft erfreuen darf. An diesem Festivalsamstag war die anwesende Fangemeinde allerdings überschaubar, was sicher auch an dem sich noch im Gange befindlichen Ashbury Heights Auftritt lag oder eben daran, dass der ein oder andere Besucher nach dem bereits durchlebten musikalischen Marathon sicher endlich einen Nachmittags- Imbiss zu sich nehmen wollte. Das alles tat dem Auftritt der Formation um Sänger und Texter Dennis Schober, der mit Solitary Experiment im vergangenen Jahr das 15-jährige Bandbestehen feiern durfte, jedoch keinen Abbruch. Im Gegenteil hatte man als tanzfreudiger Fan nun endlich in Bühnennähe etwas mehr Platz, um sich angemessen zu Songs wie ?Pale Candle Light? oder dem allseits bekannten ?Delight? zu bewegen. Frontmann Dennis heizte seinen Fans von Song zu Song mehr ein und somit war die Stimmung vor und auf der Bühne erwartungsgemäß super. Absolutes Highlight war für jeden Fan sicherlich das beliebte ?Seele Bricht? in der etwas treibenderen Version der Kollegen Feindflug.

Setlist:
01. Road To Horizon
02. Pale Candle Light
03. Immortal
04. Déjà Vu
05. Delight
06. Seele Bricht
07. Point Of View
08. Rise And Fall

Nächste Station des Tages waren Welle:Erdball [GALLERY], die wie gewohnt für die ein oder andere Überraschung zu haben waren. Dass das Minimal-/Electropop- Quartett um den einfallsreichen C64- Genie Honey stets mit einer unterhaltsamen und lohnenswerten Bühneshow daher kommt, ist sicherlich für niemanden etwas Neues. Auch schrecken Welle: Erdball vor keinem Song zurück, den man als Mensch covern kann und sei er noch so szenefremd. Nachdem Kraftwerks ?Die Roboter? und France Galls ?Poupée De Cire? mit C 64- Sounds von der Bühne schallten, erwartete die Fans ein außergewöhnliches Cover des Grand Prix Gewinnersongs aus dem Jahre 1982 ?Ein Bisschen Frieden? (Nicole). Um die Botschaft nicht nur musikalisch, sondern auch optisch zu unterstützen, machten Welle: Erdball es sich zur Aufgabe, die große Menschenmenge mit einer noch größeren Menge an roten Lamettaherzen zu besprühen. Glücklich sein und Freude haben – was dem ein oder anderen Fan beim seichten Geplänkel von ?Ein Bisschen Frieden? wohl als schier unmöglich erschien, funktionierte jedoch sofort wieder bei Welle: Erdball- eigenen Songs wie ?Ich bin aus Plastik? oder ?Starfighter F- 104G?. Honey, A.L.F., Plastique und Frl. Venus lieferten an diesem Amphisamstag das ab, was man von ihnen gewohnt ist und schon nahezu erwartet: Spaß auf der Bühne und mit den Fans.

Setlist:
01. Intro
02. Wir Sind Die Roboter (Kraftwerk)
03. Und Es Geht Ab
04. Fred Vom Jupiter (Andreas Dorau)
05. Poupee De Cire
06. Es Geht Voran (Fehlfarben)
07. Ein Bisschen Frieden (Nicole)
08. Schweben, Fliegen, Fallen
09. Ich Bin Aus Plastik
10. Die Falsche Front
11. 0173-1923954
12. Die Stunde: NULL
13. Monoton Und Minimal
14. Starfighter F104G

Parallel zu den Minimal- Electro- Göttern Welle:Erdball bekamen in der Halle vorrangig Cyberanhänger nahezu gottlosen Hellektro des One- Man- Projekts Nachtmahr [GALLERY] auf die Ohren. Thomas Rainer, der unter anderem bei L’âme Immortelle und Siechtum mitwirkte, hatte sich weibliche Unterstützung auf die Bühne bestellt. 4 junge Damen in Uniform, deren Einsatzgebiet im Gesamtkonzept der Darbietung allerdings noch ziemlich ungewiss erschien, standen auf der Bühne herum und da standen sie und standen und eigentlich tat sich nicht viel. Die treuen Fans hatten dennoch ihren Spaß, denn um ausgeklügelten Ausdruckstanz bei Songs wie ?Mädchen in Uniform? oder ?Tanzdiktator? zu betreiben, reichte die Show allemal und somit hinterließ sicherlich auch Nachtmahr zufriedene Menschen.

Setlist:
01. Deus Ex Machina
02. Leistung
03. Mädchen In Uniform
04. Boom Boom Boom
05. Tanzdiktator
06. War On The Dancefloor
07. Weil Ich’s Kann
08. Feuer Frei!
09. Katharsis

Hatte sich Chris Pohl mit seinem Projekt Miss Construction mittags im Staatenhaus zumindest schon mal geistig seinen Anhängern gezeigt, wurde nun mit größerem Geschütz in Form von Blutengel [GALLERY] auf der Mainstage aufgefahren. Die 1998 gegründete Electropop- Band bestehend aus Sänger und Schöpfer Chris Pohl und den Sängerinnen Constance Rudert und Ulrike Goldmann und ist dafür bekannt, in der Szene zu polarisieren. Viele lieben sie, viele hassen sie; Letzteres wahrscheinlich, weil Blutengel die Szeneklischees so sehr bedienen wie kaum eine andere Band, aber das Ganze trotzdem nicht so schlecht klingt und aussieht, wie man es sich schlecht reden kann. Demnach war es draußen vor der Mainstage brechend voll. Die Fans in den hinteren Reihe versuchten mit aller Mühe, einen Blick auf die Bühne zu erhaschen, auf der Chris an diesem Tag von Ulrike und einer anderen Sangesschönheit (aber nicht von Constance Rudert) begleitet und stets von seinen adretten Bühnenengeln umschwirrt wurde. Er gab dabei einen Blutengel- Hit nach dem anderen zum Besten. Neben älteren Songs wie ?Bloody Pleasures? oder ?Soul Of Ice? verleitete auch der neueste Hit ?Soultaker?, der gewohnt eingängig, im Vergleich zu älteren Stücken aber positiv weitergedacht daher kommt, zum Tanz. Alles in Allem lieferten Blutengel eine außergewöhnliche und exklusive Bühnenshow sowie eine durchdachte Setlist ab.

Setlist:
01. Behind The Mirror
02. The Oxidising Angel
03. Soul Of Ice
04. Winter Of My Life
05. Schneekönigin
06. Dreh Dich Nicht Um
07. Vampire Romance
08. Soultaker
09. Bloody Pleasures
10. Love Killer
11. Engelsblut

Parallel zu Blutengel kamen Funker Vogt [GALLERY] Fans im Staatenhaus auf ihre Kosten. Das Hamelner Elektroprojekt um Gründer Jens Kästel und Gerrit Thomas hat sich die Kriegs- und Militär- Thematik in ihren Darbietungen zu Eigen gemacht und sticht durch Authentizität und Professionalität auf der Bühne hervor. Im Gegensatz zu anderen Mitstreitern des Genres schaffen Funker Vogt es aber gerade in den letzten Jahren, diese Thematik nicht zum Dreh- und Angelpunkt ihrer Show zu machen und gehen der Gefahr der Lächerlichkeit somit geschickt aus dem Weg. Das Kriegsgeschwader begeisterte seine Fans in gewohnter Funker Vogt Manier und schaffte es mit Hits wie ?White Trash? und ?Gunman?, dass in der Halle sicherlich kein Bein still stand.

Setlist:
01. Child Soldier
02. White Trash
03. Arising Hero
04. Date Of Expiration
05. Maschine Zeit
06. City Of Darkness
07. Thanatophobia
08. Subspace
09. Gunman
10. Tragic Hero

Im Anschluss ging es im Staatenhaus mit der Synth Rock Band The Crüxshadows [GALLERY] energiegeladen weiter. Der quirlige Sänger Rogue hatte seit Bandbestehen und vor allem in den vergangenen Jahren einiges an Besetzungsänderungen innerhalb der Band vorgenommen. Mit Cassandra Luger an der Gitarre, die sie seit 2009 im Rahmen von The Crüxshadows auf der Bühne spielt, und Johanna Moresco und David Woods an den Violinen, die seit 2008 dabei sind, scheint die Band eine optimale Konstellation gefunden zu haben. Wer The Crüxshadows kennt, der weiß, dass ihre Auftritte alles nur keine Langeweile verheißen. Und so war es auch am Samstagabend auf der abgedunkelten und mit Discolicht beleuchteten Bühne im Staatenhaus: es blitze, blinkte, die Tänzerinnen unterstützen Energiebündel Rogue durch eine perfekte, erotische Choreographie und musikalisch blieb kaum ein Wunsch offen.

Setlist:
01. Quicksilver
02. Immortal
03. Solus
04. Sophia
05. Deception
06. Avalanche
07. Dragonfly
08. Winterborn
09. Happy Birthday
10. Marilyn, My Bitterness

Stimmungs- und gefühlvoll ging es auf der Mainstage mit Anne Clark [GALLERY] weiter. Mit 17 Alben und mindestens ebenso vielen Singles hat die musikalisch sehr begabte Formation um Wave- Ikone Anne Clark seit 1982 die Fans begeistert und kann somit auf eine erfolgreiche Karriere zurückblicken. So ist es nicht verwunderlich, dass der Andrang an der Hauptbühne dementsprechend groß war und jeder Besucher gebannt auf die Bühne schaute, um ein bisschen Wave- Feeling zu erhaschen. Elektronische Klänge vom Feinsten getragen auf Folk-, Klassik- und teils Rockelementen drangen geschmückt mit Annes fast schon poetisch gesprochenen Texten an das Ohr und in den Kopf des Publikums. Ein Jammer, dass ein solcher Act auf einer Open- Air Bühne untergebracht wurde, wo doch diese von Anne Clark geschaffene Intimität und Wärme eigentlich in eine wesentlich atmosphärischere Umgebung gehört. Das Erschaffen einer solch angenehmen, tragenden Stimmung, wie es sich Anne Clark zu Eigen gemacht hat, bedurfte am Amphisamstag keiner weiteren großen Bühneshow, um zu wirken. Musikalisch wurde ein Spagat zwischen älteren und neueren Song erfolgreich gemeistert. Trotz der Statik auf der Bühne wurde jedoch zu dem wohl bekanntesten Song ?Our Darkness?  vor der Bühne angeregt getanzt, auf "Sleeper In Metropolis" mussten die Fans allerdings, obwohl auf der Setlist vorhanden, verzichten.

Setlist:
01. The Third Meeting
02. Killing Time
03. Echoes Remain For Ever
04. Alarm Call
05. Short Story
06. The Healing
07. Waiting
08. Off Grid
09. Heaven
10. The Haunted Road
11. Seize The Vivid Sky
12. Full Moon
13. Our Darkness
14. Abuse
15. Boy Racing

Während sich die angetanen Festivalbesucher noch draußen von Anne Clark beflügeln ließen, ging es währenddessen im Staatenhaus bereits mit einem weiteren Highlight des Festivals weiter. Die ebenfalls aus dem Wave- Umfeld stammenden Szenegiganten Project Pitchfork [GALLERY] gaben sich die Ehre und gaben 60 Minuten einwandfreien Synth- Rock zum Besten. Auf die Hamburger Formation um Frontmann Peter Spilles hatten wir uns an diesem Abend ganz besonders gefreut. Leider trat die Band ohne den erkrankten Keyboarder Dirk Scheuber auf, was die Fans zu einem gemeinsamen Genesungsklatschen veranlasste. Musikalisch boten Project Pitchfork beliebte und bekannte Hits aus über nunmehr 20 Jahren Bandgeschichte, die kaum Wünsche offen ließen. Angestimmt wurde ihr Auftritt mit ?God Wrote? vom Album ?Chakra Red? aus dem Jahre 1997. Ebenso intensiv ging es weiter mit Stücken wie ?Conjure?, bei dem das Publikum absolute Textsicherheit bewies, und dem allseits bekannten ?Timekiller?, welches Spilles nebenbei als mittlerweile bestes Stück von And One, welche den Pitchfork- Klassiker coverten, deklarierte. Auch mit dem eingängigen Stück ?Endless Infinity? der am Vortrag erschienenen neuen Pitchfork- Platte ?Continuum Ride? heizte ein kraftvoller und stimmstarker Peter der Menge genauso ordentlich ein wie mit dem mitreißenden ?Darkness? vom Album ?Dream Tiresias? aus dem vergangenen Jahr. Natürlich durften auch Stimmungsträger und Gänsehautgaranten wie ?Souls? und ?I Live Your Dreams?, welches Project Pitchfork lange nicht mehr live dargeboten und auf ihrer Tour in den Staaten neu erprobt hatten, nicht fehlen. Ein musikalischer Glücksmoment jagte den nächsten und so hinterließen Peter Spilles, Achim Färber (Live- Drums), Carsten Klatte (Gitarre) und Jürgen Jansen (Synthesizer) letztendlich ein rundum ausgepowertes und glückliches Publikum.

Setlist:
01. God Wrote
02. Conjure
03. Timekiller
04. Endless Infinity
05. Carrion
06. Teardrop
07. I Live Your Dream
08. Mine
09. Darkness
10. Souls
11. Steelrose
12. I Am
13. Existence

Vor der Hauptbühne sammelten sich während des Pitchfork- Auftritts schon etliche Besucher an und warteten auf den Headliner des Tages. Die ebenfalls seit über 20 Jahren aktive und erfolgreiche Synthie- Pop Band And One [GALLERY] war an der Reihe. Die Crew um Frontmann Steve Naghavi hatte tagsüber bereits massig T- Shirts an seine ?Schlampen? und ?Krieger? an einem And One- eigenen Stand verkauft, so dass man eingefleischte Fans ohne große Umwege sofort ausmachen konnte. Als der rote Vorhang, mit dem die Bühne bis Showbeginn verhangen war, sich endlich öffnete, sprang ein energischer, gut gelaunter Steve hervor und wurde vom Publikum sofort mit tosendem Applaus begrüßt. Passend zu seinem Soldaten- Dress im Front 242- Stil und mit Deutschland- Fähnchen am linken Oberarm stimmte Naghavi nach dem Klassiker ?Die Mitte? auch sofort zu Beginn das absolut tanzbare ?Deutschmaschine? an und versetzte das Publikum in sofortige Tanzlaune. Anlehnend an das Deutschland- und Kriegsgehabe fragte Naghavi darauf seine Fans mit eindringlicher und lauter Stimme ?Wollt ihr den totalen Steve??, was die Menschen bejahten und somit erwartungsgemäß auch bekamen. Es ging weiter mit dem Project Pitchfork- Cover ?Timekiller?, das sicher noch so einigen Besuchern vom vorangegangenen Pitchfork- Auftritt in den Ohren klang. Ab nun gab es kein Halten mehr; Steve feuerte seine Fans immer weiter an und schoss Songs wie ?Get You Closer?, ?Technoman? und ?Bodynerv? in die Menge. Auch ein sehr gelungenes weiteres Cover durften wir vernehmen, nämlich den a-ha Klassiker ?The Sun Always Shines On TV?. Vom angekündigten neuen Album ?Tanzomat? wurde musikalisch hingegen noch nichts verraten, jedoch freut sich jeder Fan spätestens nach dem gelungenen Amphi- Auftritt umso mehr auf Neuigkeiten in Sachen And One. Auch wenn sich zum Ende der Show hin bereits einige Besucher in Richtung Staatenhaus in Gang setzten, wo der zweite Headliner des Abends bereits mit großen Aufbauarbeiten auf der Bühne beschäftigt war, kann man auf einen äußerst gelungenen Auftritt der Synthie- Pop- Helden zurückblicken. Ihre Spielposition als Headliner auf dem Amphi- Festival 2010 haben sich die Mannen um Naghavi allemal verdient.

Setlist:
01. Die Mitte
02. Deutschmaschine
03. Timekiller (Remix Of Project Pitchfork)
04. Love To The End
05. High
06. The Sun Always Shines On T.V. (A-HA)
07. Traumfrau
08. Sometimes
09. The Walk (The Cure)
10. Schwarz
11. Over There
12. Steine Sind Steine
13. Body Nerv
14. Military Fashion Show
15. Get You Closer
16. Techno Man
17. Für

Ebenfalls als verdient schien sich bereits schon während der Aufbauten die Spielposition des zweiten Headliners, den Kanadiern Skinny Puppy [GALLERY], heraus zu stellen. Hatte man bereits Berichten vom Gothic Festival in Waregem eine Woche zuvor Glauben geschenkt, so durfte man an diesem Festivalsamstag ebenfalls Großes der Industriallegende erwarten. Die Bühne füllte sich stetig mit dem für die folgende Show benötigtem Equipment bestehend aus einem mit weißen Laken verhangenen Metalkäfig, einem Drumset und zahlreichen Beamern, Bildschirmen und einer Leinwand, die später für die wirkungsvollen Effekte sorgen sollten. Das experimentierfreudige Duo aus dem begabten cEvin Key an den Instrumenten und der ebenso begabten Stimmgewalt Nivek Ogre ist dafür bekannt, stets skurrile, schaurige und eindrucksvolle Bühneshows abzuliefern. Als Ogre dann schließlich mit einem bizarren Kostüm aus weißen Tüchern, den Kopf mit einem spitzen, großen, weißen Papierhut geschmückt, das Gesicht mit einer schaurigen Maske und einem schwarzen flatterigen Tuch als Bartersatz behangen, die Bühne betrat, riss er schlagartig das Publikum in seinen Bann. Wie ein kranker, alter, gebrechlicher Mann kam er auf einen Gehwagen gestützt daher getrottet und stimmte, das Mikrofon in seiner mit blutigen Laken verbundenen Hand geklammert, den ersten Song des Abends ?Love In Vein? an. Auf der Leinwand im Hintergrund laufen währenddessen Videoshows ab und die Beamer projizierten zahlreiche bunte Bilder auf das weiße Kostüm Ogres. Bei diesen einmaligen Effekten blieb einem jeden Fan gar nichts anderes übrig als gebannt auf die Bühne zu starren und durch das Gespiele auf Ogres Kostüm in eine Art Rauschzustand zu verfallen. Es gab kein Entkommen, denn ein Hit jagte den nächsten und immer wieder blieben die Augen an dem sich krank und abgehackt bewegenden Sänger kleben. Auch der Metalkäfig sollte bald schon zum Einsatz kommen, spielte Ogre doch bereits immer wieder mit den Tüchern, die diesen Zwinger verhangen. Bei ?Dogshit? stieg der brummende Nivek dann selbst in diesen Käfig und wurde von dort aus mit einer Kamera beäugt, was auf der Leinwand und dem am Käfig angebrachten Bildschirm zu sehen war. Surreale Effekte zeigten sich auch hier, denn auf dem kleineren Käfig- Bildschirm wurde das Bild so seltsam gespiegelt, dass es zunächst schwierig zu erkennen war, was dort überhaupt vor sich ging. Immer wieder wurden die staunenden Zuschauer an die Grenze zwischen Wahn und Wirklichkeit gebracht. Dabei bewegten sie sich im Takt von großen Hits wie ?Pro- Test? und ?Assimilate?, ließen jeden Ton durch ihre Körper strömen, um schlussendlich bei ?Worlock? explodieren zu können. Die Industrialgurus Skinny Puppy hatten Großes geleistet und sich mit einer der besten Liveshows, die ich persönlich je genießen durfte, als absolute Sieger des gesamten Amphi Festivals herausgestellt.

Setlist:
01. Love In Vein
02. Hatekill
03. Addiction
04. Dogshit
05. Deadlines
06. Politikil
07. Pedafly
08. Rodent
09. Tormentor
10. Pro-Test
11. Morpheus Laughing
12. Ugli
13. Assimilate
14. Worlock (Z)
15. Brap (Z)
16. Shore Lined Poison (Z)

Mit Skinny Puppy ging ein erfolg- und erlebnisreicher erster Festivaltag dem Ende entgegen. Die 16.000 hauptsächlich zufriedenen Besucher strömten nun entweder in die Nacht und ließen sich noch auf der Aftershowparty im Theater berauschen oder traten wie wir den Heimweg an, um für den zweiten Tag des Amphi Festivals Kraft zu tanken und sich ein bisschen auszuruhen. Ruhe tat nach einem solch vollgepackten Tag durchaus gut, denn wer wirklich viele der durchaus brillanten Acts des ersten Tages miterlebt hatte, wird bemerkt haben, dass es kaum eine Verschnaufpause und Zeit zum Luftholen gab. Fragwürdig ist bei diesem vollen Spielplan auch, wie gut besucht die Vorträge in Wort und Bild tagsüber im Theater tatsächlich gewesen sind, nutzten doch die meisten Besucher eine kleine Pause hauptsächlich dazu, mal relaxed am Strand einen Drink einzunehmen oder sich an den zahlreichen Verkaufsständen der großen Shoppingmeile auf dem Tanzbrunnen- Gelände mit neuem Gewand und Accessoires einzudecken.

Sonntag, 25.07.2010:

Der zweite Festivaltag wurde mittags von der Cyber- Trance- Industrial Band Extize [GALLERY] auf der Mainstage eröffnet. Was einst als Soloprojekt um Kopf der Crew ?Cyb3erella? begann, ist nun bereits zu einem vierköpfigen Krach- und Tanzgeschwader ausgewachsen. Extize durften sich zwar erst seit 2 Jahren an größeren Erfolgen erfreuen, dennoch geht es seitdem stetig bergauf. Vor dem WGT suchte die extravagante Band zudem 2 Werbe- Girls, die dem hohen Anspruch der Band gerecht werden konnten. Diese sollten das Cyberprojekt promoten, um die Fangemeinde abermals zu vergrößern. Auch am Amphi- Sonntag waren Extize vor allem von ihren Anhängern aus der Cyberszene ein gern gesehener Leckerbissen. In Neonfarben und mit unechten bunten Cyberhaaren standen die 4 Krachmacher auf der Bühne und sorgten dafür, dass auch der letzte noch vom Samstag geschaffte Festivalbesucher den Weg in den Tag findet. Während Cyb3erella, Cyb3erslut (Drums), Cyb3erc0re (Sampling, Sound Design) und Ionic Matrix (Keyboard) mit Hits wie ?Hellektrostar? oder ?Gothic Pussy? auffuhren, tanzten die 2 mitgebrachten Tänzerinnen, was das Zeug und das Auge [aus]hielt. Die beiden ?Grazien? versuchten immer wieder, das Amphi-Publikum zu animieren und warfen mit kreisender Hüfte sogar Flyer in die Menge. Werbung machen, bekannter werden. Die Idee war an und für sich nicht schlecht; schade nur, dass der Wind an diesem Sonntagmorgen so ungünstig stand, dass ein Großteil der Werbeträger ohne Umwege wieder auf der Bühne landete. Schlechte Stimmung kam dennoch nicht auf, denn die treuen Fans im Neongewand tanzten jeden einzelnen Beat mit.

Für alle, die es etwas rockiger mögen, stand bereits im Staatenhaus die Waverock- Band Escape With Romeo [GALLERY] auf der Bühne. So entschieden auch wir uns für Frontmann Thomas Elbern, der dafür bekannt ist, mit seinem Gitarrensound und seiner mitreißenden Stimme in Kombination mit Synthieelementen Großartiges zu vollbringen. Und das taten die seit 1989 bestehenden Escape With Romeo auch an jenem Sonntag. Vor der Bühne war zwar der Andrang noch überschaubar, dennoch herrschte eine absolut angenehme, fast schon familiäre Stimmung, als Elbern mit dem Klassiker ?Somebody? auffuhr. Jeder einzelne Ton saß und drang von den Instrumenten und durchs Mikrofon direkt in die Köpfe der Besucher, um von dort aus laut mitgesungen zu werden. Es war schon fast unglaublich, wie der ehemalige Pink Turns Blue- Gitarrist und -Songwriter sein Publikum im Bann hielt. Neben dem genannten Klassiker gaben die vier weitere mitreißende Stücke wie ?It’s Loneliness? oder ?White Room? zum Besten. Ein absolut gelungener Auftritt und gleichzeitig ein ehrwürdiger Start in den zweiten Tag des Amphi Festivals 2010!

Auf der Mainstage erwarteten uns währenddessen schon die Dark- Rocker Mono Inc. [GALLERY], die bereits auf dem Amphi Festival und dem WGT 2009 vollends überzeugen konnten. Die Karriere der vier Hamburger hat spätestens seit dem vergangenen Festivalsommer einen derart steilen Verlauf nach oben genommen, wie es selten bei einem Musikact der Szene zu beobachten war. Dieses Jahr sollte es also weitergehen mit dem Lauf nach Vorne. Mono Inc. werden ASP bei ihrer nahenden Tour supporten und dort ihr neuestes Machwerk vorstellen.

Der Erfolg der Band war auf dem diesjährigen Amphi in Form der Menschenmenge vor der Bühne zu erkennen, die bereits gespannt auf die Formation um Martin Engler wartete. Als es dann endlich mit ?This Is The Day? losging, setzte sich die Masse in Gang und feierte ihre kleinen, großen Helden. Zwar kam der über die Bühne rauschende Martin hin und wieder aus der Puste, so dass der ein oder andere Ton mal nicht ganz dort saß, wo er hingehörte, aber trotzdem riss er seine Fans immer mehr mit. Die neue Single ?Voices Of Doom? schlug hierbei genauso ein wie das beliebte ?Get Some Sleep?, bei welchem die begabte Drummerin Katha Mia nebenbei eine einwandfreie Stimme bewies. Entertainer Martin stimmte zwischendurch zusammen mit einer Akustikgitarre Iggy Pops ?The Passenger? an und bot damit eine kleine Abwechslung zur rockigen Grundtonlage. Alles in Allem bewiesen Mono Inc. abermals, dass sie den richtigen Weg gehen und in der Lage sind, ein großes Festivalpublikum glücklich zu machen.

Auf der Staatenhaus- Bühne begann während des Mono Inc.- Auftritts bereits die Gothic- Rock Band Frank The Baptist, für die wir uns an diesem Tage allerdings nicht entschieden hatten. Stattdessen warteten wir wie viele andere Besucher auf den kleinen Mexikaner Erk Aicrag mit seinem Nebenprojekt Rabia Sorda [GALLERY], das langsam aber sicher an die Erfolge seines Hauptprojektes Hocico anknüpfen kann. Konnte Erk mit Rabia Sorda bereits in diesem Jahr in der Leipziger Moritzbastei bei einer Art Battle gegen Terminal Choice begeistern, so stellte sich die Frage, wie das Ganze nun auf einer wesentlich größeren Open- Air- Bühne wirken würde. Wie gewohnt sprang also ein energiegeladener und geschminkter Erk auf die Bühne und legte mit ?Monkeyland? sofort ordentlich los. Ein lustiger Effekt bot sich bei dem Keyboarder, der sein Gesicht schwarz bepinselt hatte und somit vor dem schwarzen Vorhang gar nicht richtig zu sehen war. Der über die Bühne wirbelnde kleine Mexikaner bewies mit jedem Song, wie groß Rabia Sorda mittlerweile geworden war, konnte doch jeder einzelne Song die Menge begeistern und zum wilden Tanz auffordern. Und mal ehrlich: wer kann bei Songs wie ?Radio Paranoia? oder dem phantastischen ?Save Me From My Curse? von der Debüt- EP still stehen bleiben?!

Parallel zu Rabia Sorda heizten in der Halle die US- Horrorpunks Blitzkid ihren Fans ein. Wir fanden den Weg ins Staatenhaus allerdings erst wieder zu Coppelius, die bereits beim Amphi Festival 2009 eine lohnenswerte und etwas andere Show abgeliefert hatten. Doch zuvor galt es, Liv Christin mit ihrer Symphonic- Metal- Band Leaves‘ Eyes [GALLERY] zu beschauen. Die sympathische Norwegerin, die früher Teil von Theatre Of Tragedy war, ist mit Atrocity Mitgliedern 2003 zu einer kraftvollen Formation verschmolzen und wurde vom Amphi- Publikum mit tosendem Applaus begrüßt. Mit ?Njord? lieferten der blonde Engel und ihre Mannen auch einen bombastischen Einstieg in ihre 50-minütige Show. Während Liv Christin mit glockenheller Stimme in den Wind rief, ließen Gitarristen Torsten Bauer und Sander van der Meer, der Neuzuwachs der Band, kräftig die Köpfe kreisen. Auch Ehemann Alexander Krull fand neben seinen Growls immer wieder genug Zeit, kräftig sein ultralanges Haupthaar zu schütteln und ordentlich zu posen. Vor allem Krull schaffte eine unheimliche Dynamik auf der Bühne, die jeden einzelnen Song stütze und das Publikum zum Mitmachen animierte. Auch hier wurde nun zu Songs wie ?My Destiny? oder dem obligatorischen ?Elegy? getanzt und gefeiert. Somit boten Leaves‘ Eyes ihren Anhängern eine rundum einwandfreie Show.

Im Staatenhaus hatten sich währenddessen schon die Herren Coppelii in Szene gesetzt und boten ihrer stetig wachsenden Fangemeinde eine erwartungsgemäß unterhaltsame Show. Musikalisch gesehen fahren die sechs Berliner stets mit etwas selteneren Instrumenten auf. Graf Lindorf (Gesang, Cello) ließ den Bogen über die Cellosaiten tanzen und für melodiösen Ohrenschmaus sorgten Max Coppella und Comte Caspar (außerdem Gesang) an den Klarinetten. Sissy Voss hingegen sorgte mit dem Kontrabass für die notwendige Schwere in den Stücken. Für die Dynamik sorgte Nobusama am Schlagzeug und so verschmolz das Ganze zu einem phantastischen musikalischen Konstrukt, das sicherlich jeden Besucher glücklich machte. Auch das Auge wurde ordentlich bedient, denn die Coppelianer werfen sich gewohnheitsmäßig für ihre Fans in Schale. So durfte der Zylinder ebenso wenig fehlen wie die altertümlichen, edlen Gewandungen. Coppelius [GALLERY] konnten ihre Fans beim diesjährigen Amphi Festival ein weiteres Mal überzeugen. Man darf gespannt sein, wie sich diese einmalige Formation weiter entwickelt.

Als nächster Act standen Mesh [GALLERY] auf der Tagesordnung des Amphi Festivals. Die aus dem englischen Bristol stammende Formation um Frontmann und Gitarrist Marl Hockings wurde von den Fans draußen bereits mit Freuden erwartet. Ihr neuesten Machwerk ?A Perfect Solution? aus dem vergangenen Jahr schlug wieder ein wie eine Bombe und so wollte sicherlich jeder, der die Jungs seither nicht live erleben durfte, wissen, wie sich das Ganze denn nun auf der Bühne darstellen und vor allem anhören würde. Und kaum hatte die begnadete Synthiepop- Band, deren Ähnlichkeit zu Depeche Mode nicht von der Hand zu weisen ist, die Bühne betreten, ging es auch sofort los mit einem Song der neuesten Platten. Mit dem kraftvollen ?If We Stay Here? stimmten Mesh ihre Fans definitiv auf eine Darbietung auf höchstem Niveau ein und bekamen sofortige Rückmeldung durch die vielen tanzenden und klatschenden Besucher. Hockings, der – nebenbei erwähnt ? eine der schönsten und emotionalsten Stimmen des Genres besitzt, merkte man regelrecht an, dass er Spaß an der Sache hatte und er riss mit seiner stimmlichen Energie alles mit, was sich vor der Bühne versammelt hatte. Kraftvoll wurde nun eine große Auswahl des neuen Albums, darunter ?Only Better? und ?How Long?, geboten, welche durch glanzvolle Klassiker wie ?From This Hight? untermalt wurden. Mit ?From This Hight?, das eigentlich nur eine B- Seite Meshs ist, fing auch der letzte noch in sich ruhende Besucher an zu tanzen, denn die Stimmung auf der Bühne und im Publikum war überragend. Für den Song ?Who Says?? holte sich der stets lässig wirkende Mark dann Unterstützung auf die Bühne. Julia Beyer (Chandeen) übernahm den weiblichen Part in dem emotional mitreißenden Song. Ihre Nervosität ließ sie sich nur zu Beginn etwas anmerken; im Songverlauf stellte sich Julia jedoch als eine solide gesangliche Begleitung heraus und erntete dafür den verdienten Applaus. Da die Zeit auf der Bühne wie im Fluge verging, blieb leider schlussendlich kein Platz mehr, um einen weiteren Smashhit an den Mann zu bringen. ?Friends Like These?, das auf Konzerten schon fast obligatorisch dazu gehört, hörten wir an diesem Festivalsonntag leider nicht. Alles in Allem lieferten Mesh aber dennoch einen wunderschönen, gefühl- und kraftvollen Auftritt ab.

Während einige Besucher im Anschluss ins Staatenhaus strömten, um Samsas Traum auf der Bühne zu erleben, entschieden wir uns für den Herrn LaPlegua, der mit Combichrist [GALLERY] im Gepäck die Bühne betrat. Angekündigt wurde der Auftritt, auf den wir uns so gefreut hatten, von VNV Nation- Kopf Ronan Harris. Wer Combichrist bereits live erlebt hat, dem ist bekannt, dass die Jungs stets energiereiche Auftritte abliefern und ein Schlachtfeld der Verwüstung hinterlassen. Ein wahres Erlebnis und fast schon unerklärlich, dass bei Combichrist- Auftritten noch kein Bandmitglied ernsthaft verletzt wurde. Nachdem sich die Jungs in Windeseile an ihre Positionen auf der Bühne begeben hatten, blieb uns kurz der Atem stehen. Was war mit Sänger und Aushängeschild Andy los? Statt mit wilder Strubbelfrisur stand LaPlegua mit einwandfrei gestriegelter Frisur im Rockabilly- Style vor seinen Fans. Nichts desto Trotz legte er mit dem Opener ?All Pain Is Gone? vom letzten Album ordentlich los und setzte das Publikum in Bewegung. Wie gewohnt legten auch Live- Drummer Joe Letz und seine Kollegen eine einmalig durchgeknallte und vor Energie nur so strotzende Show an ihren Instrumenten hin. Trotz des schon zu Beginn einsetzenden Regens ließ sich niemand davon abhalten, es der Band gleich zu tun: abgehen und die Sau rauslassen! Und so nutzte jeder das bisschen Platz in der eng gedrungenen Menge, um zu Songs wie ?Electrohead? oder ?Get Your Body Beat? zu tanzen und zu feiern. Es gab sogar eine Songwidmung, denn der Kracher ?Blut Royale? wurde von Andy seinen besten Freunden gewidmet: Combichrist! Der Mann hat Humor und seine Fans lieben ihn dafür. Kein Wunder, dass bei jenem Lied die Masse so laut mitgröhlt, dass man zumindest an den Außenseiten kaum noch den über die Bühne flitzenden Andy verstehen kann. Natürlich ging es beim obligatorischen Abschlusssong ?What The Fuck Is Wrong With You People?? auch wieder wild her und so gingen, angetrieben von Drummer Joe und Percussion- Genie Trevor, auch wieder die ein oder andere Trommel zu Bruch. Combichrist lieferten einen gewohnt tollen Auftritt, der allerdings vom Gesamteindruck her nicht ganz an den Auftritt beim E-tropolis Festival in Berlin heran kommt.

Als nächstes erwartete die Amphi- Besucher in der Halle ein wahrer Szenegigant. Fast ein viertel Jahrhundert Bandgeschichte kann verbucht werden, 15 Studioalben und über 20 Singles und EPs fanden bereits den Weg in die CD- Regale eines jeden Fans. Die Rede ist von den Kanadiern Front Line Assembly [GALLERY]. Auf dem diesjährigen Gothic Festival in Waregem konnte die Electro-/Industrial-Legende bereits zahlreiche Fans begeistern und an jenem Amphi- Sonntag sollte es nicht anders werden. Seit Kurzem steht auch ein neuer Tonträger des begnadeten Musikprojekts in den Läden der Republik und der ganzen Welt. Mit ?Improvised Electronic Devise? knüpft die Crew um Bill Leeb (Gesang, Synthesizer, Programming) an frühere Erfolge ihrer Musikgeschichte an. Ein wahres Meisterwerk, das von vielen Hörern bereits zum besten Album des Jahres erkoren wurde!
Bei ihrem Auftritt auf dem Amphi boten die Kanadier eine, musikalisch gesehen, auf höchstem Niveau anzusiedelnde Show. Immer wieder wechselten die Herren von Keyboard und Gitarre zu ihren kleinen Live- Drums und brachten damit die entsprechende Dynamik und Abwechselung hinein. Das Publikum durfte sich dabei an Klassikern wie ?Plasticity?, ?Circuity? oder ?Resist? erfreuen, die live absolut bombastisch rüber kamen. Auch ?Angriff?, einer der besten neuen Songs mit Klassikerpotential, sowie die Singleauskopplung ?Shifting Through The Lense? vom neuen Machwerk begeisterten jeden einzelnen vor der Bühne. Bei nur 9 Songs insgesamt war durchaus auffällig, dass mit 3 Songs (neben den beiden gerade genannten noch ?I.E.D.?) vom neuen Album bereits ein Drittel der Setlist besetzt war, was einem manchen ? wie auch mir ? als ziemlich viel erschien. Jedoch fügten sich die drei neuen Songs so gut in die älteren Juwelen ein, dass deren Platz auf der Setlist durchaus verdient war. Mit Millenium schossen Front Line Assembly zum Abschluss einen weiteren Klassiker in die Menge und ließen schließlich viele zufriedene Fans zurück. Für viele Amphi- Besucher waren Front Line Assembly sicherlich der inoffizielle Headliner des Tages.

Auf halber Strecke von Front Line Assembly wurde es draußen düster und rockig auf der Bühne. Die Masse wollte brennen! Natürlich bedarf es dafür einer angemessenen Zündung, welche durch ASP [GALLERY] geliefert werden sollte. Sänger Alexander ?Asp? Frank Spreng und seine Mannen zaubern seit Gründung der Band 1999 immer wieder regelrechte Dancefloor- Hymnen aus dem Ärmel, die sogar Nicht- Fans textsicher mitsingen können. Trotz ihrer vielen Konzeptalben klingen die meisten Songs auch aus dem Zusammenhang gerissen einfach nur von Anfang bis Ende rund. Das ist wohl die große Kunst, die die vier Frankfurter für sich beansprucht haben. Dem Amphi- Publikum wurde eine bunte Reise durch verschiedene ASP- Alben geboten; sowohl ältere als auch neuere Stücke fanden ihren Platz, stets dem Grundsatz der Bekanntheit folgend. Beim beliebten und in den Szeneclubs hoch und runter gespielten ?Sing Child? forderte ASP seine Fans auf, sich nun nicht mehr weiter aufzusparen und zu feiern und zu tanzen, was das Zeug hielt. Gesagt, getan! Die Stimmung in der Masse wurde von Stück zu Stück belebter. ?Ich bin ein wahrer Satan? wurde dann von tausenden Menschen laut mitgesungen und getanzt. Mit dem emotionalen, langsameren Stück ?Ungeschickte Liebesbriefe? fesselte die eindringliche Stimme ASPs die Menge wieder, um sie über ?Werben? und das eingängige ?Schwarzes Blut? schlussendlich bei ?Ich will brennen? zu entzünden. Die Masse loderte! Die Mission ASPs war erledigt. Nicht ganz, denn zu guter Letzt verneigte sich die Band vor dem verstorbenen Peter Steel (Type O Negative) in Form eines Covers des großartigen ?I Don’t Wanna Be Me?, was sogar richtig angenehm daher kam.

Als nächstes stand auf der Innenbühne schon die Elektro-/Synth- Rock Band Diary Of Dreams [GALLERY] bereit. Diejenigen, die den Stilwechsel der Urgesteine vom Dark Wave zur Synthieschiene Ende der 90er hin problemlos mitgemacht hatten, fanden sich im Staatenhaus also neben vielen weiteren Fans wieder. Frontmann Adrian Hates, den manche Frau sicher um seine Haarpracht beneidet, begeistert mit seinem ?Traumtagebuch? stets durch atmosphärische und stimmungsvolle Auftritte, wie auch nun beim Amphi 2010. Die größtenteils sehr stilvoll aufgezogenen Stücke aus vielen ihrer Schaffensjahre versetzten die Fans ins Träumen. Vor allem das vereinnahmende ?Amok? sorgt für das nötige Gänsehautfeeling, obgleich es diesmal in einem rockigeren Gewand von der Bühne schallte. Bei ?Soul Stripper? konnte dann ebenfalls ordentlich gerockt werden. Natürlich war auch das obligatorische ?Traumtänzer? mit von der Partie, bei welchem das Publikum zum Abschluss durch gemeinsamen Gesang der Band ebenfalls ein bisschen Gänsehaut bereiten konnte.

Auf der Hauptbühne betrat unterdessen bereits die letzte Band die Bühne. VNV Nation [GALLERY] sollten das Amphi Festival 2010 zumindest draußen beenden. Die eingefleischten Fans hatten bereits während des ASP- Auftritts vor der Bühne gelauert, um sich im Anschluss für den Headliner die besten Plätze direkt vor der Bühne zu sichern. Die Beliebtheit der Future-Pop-Formation um Kopf des Projektes Ronan Harris in der Szene ist nicht von der Hand zu weisen. Somit werden Harris und Co von einer riesigen Menschenschar begrüßt, die alle darauf warten, zu VNV Klassikern und neuen Stücken ausgelassen zu feiern. Hatte Harris gerade erst die Bühne betreten, wurde auch sofort mit dem melancholischen Electro- Stück ?Tomorrow Never Comes? losgelegt. Etwas ungewöhnlich als Einstieg, wenn man dem bloßen Titel Glauben schenken mag. Trotzdem wurde er von den Fans super aufgenommen, auch wenn sich die Menge noch etwas zurück hielt. Weiter ging es dann aber mit ?Testament? und dem darauf folgenden ?Genesis?, bei dem nun auch kein Bein mehr still stand. Harris hüpfte hierbei wie ein Flummi über die Bühne und spornte seine Fans immer weiter an, ihm nachzukommen und ebenso durch die Gegend zu springen. ?Sorry, Ronan. Hier in den vorderen Reihen ist es etwas eng!? So eine Dynamik, wie sie Frontmann Ronan stets dem Publikum entgegen bringt, ist jedoch leider ab und zu hörbar mit stimmlichen Einbußen verbunden. Davon ließen sich jedoch weder der Herr selbst, noch seine Fans verunsichern und somit ernteten VNV Nation für jeden einzelnen Song die verdiente Bestätigung in Form von Geschrei und Applaus. Ronan stand daraufhin nahezu nach jedem Lied fassungslos vor der riesigen Menge und staunte und konnte das alles kaum glauben. Ja, Ronan, die Leute sind tatsächlich alle gekommen, weil ihnen deine Musik so gefällt. Was dachtest du denn? In einem perfekten Set durften natürlich auch Songs wie ?Dark Angel?, ?Nemesis? und das großartige ?Honour? nicht fehlen. Die Besucher nahmen alles mit Freuden entgegen; für viele schienen VNV Nation jedoch trotzdem eher nur Pflichtprogramm zu sein, war doch die Stimmung vor allem in den hinteren Reihen relativ verhalten. Abgeschlossen wurde das Set mit dem wunderschönen ?Beloved? und natürlich mit dem obligatorischen, aber mittlerweile eher anstrengenden ?Perpetual?, das sich allerdings scheinbar zur VNV Nation- Hymne gemausert hat. Jene Hymne wurde dann zum Schluss auch von den vielen Fans weitergesungen und begleitete Harris und sein mehr oder weniger unscheinbares Gefolge von der Bühne. Der Platz als Headliner ist aufgrund der Massenkompatibilität von VNV Nation jedoch mehr als verdient.

Musikalisch gesehen begangen viele Besucher nun jedoch einen Bruch und wechselten von treibendem Future-Pop ins Staatenhaus, wo die Folk- Rocker von Letzte Instanz [GALLERY] die Bühne bereits in Beschlag genommen hatten. Die seit 1996 bestehende Band um Sänger Holly, der allerdings erst seit 2005 dabei ist und seinen Vorgänger Sebastian Lohse ehrwürdig abgelöst hatte, konnte sich seit Bestehen mehr und mehr neben Szenegrößen wie Subway To Sally, Saltatio Mortis und In Extremo etablieren. Diese teilen sich seither ein ewig gut gelauntes und tanzfreudiges Publikum und sind nunmehr alle vier Aushängeschild für die Mittelalter- Rock- Szene. Wie es sich für Spielleute aus diesem Genre gehört, betreten auch Letzte Instanz stets mit Instrumenten wie Violine (M. Stolz) und Cello (Benni Cellini) die Bühne. Die rockigen, treibenden Klänge verleiten sofort zum Tanzen. Vor allem der Song ?Flucht ins Glück? findet im Publikum eine Menge Anklang und wird sofort von der Menge verschlungen und betanzt. Danach wurde es etwas ruhiger und Frontmann Holly bat seine Fans um Licht, um sie den folgenden Song atmosphärisch korrekt mitgestalten zu lassen. Bei ?Dein Licht? zückte also ein jeder, dem es möglich war, ein Feuerzeug oder ähnlich leuchtende Gegenstände, so dass die dunkle Halle in ein wahres Lichtermeer verwandelt wurde. Eine solche Stimmung gemeinsam zu erschaffen, ist immer etwas Besonderes. Sich fallen zu lassen und zu träumen war hier sicher für einige eine gern gesehene Abwechslung zu den doch eher hektischen Erlebnissen des Tages. Zu Songs wie ?Ohne Dich? und ?Mein Engel? wurde dann hingegen auch hier wieder ordentlich gerockt und zwar nicht nur vor, sondern vor allem auch auf der Bühne. Die Jungs hatten Spaß an dem, was sie uns da rüber bringen wollten, und genau das merkte man und wurde von jedem einzelnen Stück nur so mitgerissen. Ein wirklich gelungener Auftritt mit einer super Stimmung und zudem ein willkommener musikalischer Ausreißer an dem gesamten Festivalwochenende.

Der Sonntagabend und somit ein erfolgreiches Festival näherte sich langsam aber sicher dem Ende. Doch bevor alles vorbei sein sollte, erwartete uns noch der zweite Headliner des Tages. Mit Eisbrecher [GALLERY], die mit einer neuen Platte im Gepäck anreisten, hatten die Veranstalter schweres Geschütz aufgefahren und auf einen wahrlichen Stimmungsgaranten gesetzt. Kaum eine Band war in den vergangenen Jahren so oft auf dem Amphi Festival anzutreffen und kaum eine andere Band schafft es, die Besucher immer wieder aufs Neue zu begeistern und zu fesseln. Ex- Megaherz- Gründer und -Sänger Alexander ?Alexx? Wesselsky hatte sich mit Eisbrecher 2003 einen Raum für neue und ganz eigene Ideen geschaffen und kann seither auf eine starke Fangemeinde zählen. Hatten Eisbrecher mit ihrem Debütalbum ?Eisbrecher? noch Aufsehen erregt, weil sie zum Kopieren der Scheibe je zwei Rohlinge beifügten, braucht diese Rohlinge nun kein Fan mehr. Jeder möchte nun sein eigenes Original im Regal stehen haben, denn Freunde und Kenner der Neuen Deutschen Härte wissen, dass sie mit Eisbrecher keinen Fehlgriff begehen. Der Beliebtheit Eisbrechers war es auch an jenem Sonntagabend geschuldet, dass das Staatenhaus gerammelt voll war. Fans und Freunde des toughen Alexx, der nebenbei als Checker auf DMAX Gebrauchtwagen auf Herz und Nieren prüft, standen und saßen bis an den Rand der Halle gedrängt und warteten gespannt auf den Beginn der Show. Mit ?Eiszeit? knallte Alexx, der wie gewohnt im uniformähnlichen Anzug und Sonnenbrille die Bühne betrat, dem Publikum auch sofort ein starkes Stück vom gleichnamigen neuen Album vor den Latz. Es wurde gejubelt und getanzt. Weiter ging es mit ?Angst?, bei dem Alexx auf der Bühne auch selbst ordentlich abging und damit seine Fans immer weiter pushte. Natürlich wurde es ihm schnell zu warm in seiner Kutte und somit wurde jene vorsichtshalber schon einmal abgelegt und von seinem selbst ernannten ?Auszieher? in Empfang genommen. Bei so viel Erfolg kann man sich einen solchen Burschen sicherlich leisten! Bei Songs wie ?Willkommen Im Nichts? und ?Vergissmeinnicht? nahm die Lust auf harte Beats im Körper immer mehr zu und so wurde sogar in der hintersten Ecke der Halle getanzt. Natürlich durfte zu einem gelungenen Amphi- Auftritt ein ?Heilig? genauso wenig fehlen wie der Klassiker ?Schwarze Witwe?, bei welchem Alexx‘ Stimme einem immer wieder ein Gänsehaut einzujagen weiß. Bei ?This Is Deutsch? tauchte Alexx dann gewohnt in traditionellen, bayerischen Accessoires auf die Bühne und performt diesen großartigen Kracher stets mit einem leichten Schmunzeln auf den Lippen. Mit dem Megaherz- Überbleibsel ?Miststück? wurde das Set beendet und Eisbrecher können eine weitere überdurchschnittlich gute und erfolgreiche Show verbuchten. Ob man sie auf dem Amphi Festival 2011 zum 5. Mal in Folge antreffen wird? Man darf gespannt sein. Zumindest bewiesen die Jungs mit ihrem diesjährigen Auftritt ein weiteres Mal, dass sie in der Lage sind, ein glückliches Publikum zurück zu lassen.

Mit einem grandiosen Line- Up hatte das Amphi Festival 2010 im Vorwege eine Menge versprochen. Zieht man Bilanz, so lassen sich tatsächlich eine Menge toller Auftritte der verschiedenen Acts verbuchen, so dass unterm Strich ein vollends erfolgreiches Festivalwochenende verbucht werden kann. Einzig getrübt wurde die Stimmung allerdings am Samstag durch die Kenntnis über die Geschehnisse auf der Love Parade im nahen Duisburg. Den betroffenen Familien der Opfer an dieser Stelle unser aufrichtiges Beileid sowie eine schnelle und nachhaltige Genesung den vielen verletzten Besuchern!

Bezüglich des Amphi Festivals 2011 bleibt zu hoffen, dass die Besucherzahl im kommenden Jahr nicht noch weiter in die Höhe schnellen wird. Ansonsten freuen wir uns auf ein friedliches Amphi Festival 2011. Bis zum nächsten Jahr!


Die kompletten Fotosets der aufgetretenen Bands können  durch die entsprechenden [GALLERY]-Links erreicht werden.


Autorin: Tanja Sunshine
Fotos: Michael Gamon

Kommentar verfassen