Front Line Assembly – Improvised Electronic Device

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Front Line Assembly – Improvised Electronic Device



Zu Front Line Assembly muss man kaum Worte verlieren, haben die wechselnden und sich immer wieder zusammenfindenden Line-Ups um Bill Leeb
doch wie kaum ein anderes Projekt so deutliche Spuren in der elektronischen Musiklandschaft hinterlassen und Generationen von Musikern und Fans
beeinflusst und geprägt. Bis heute blicken Leeb und Co. auf eine imposante Discografie und etliche erfolgreiche Seitenprojekte zurück, aber FLA ist und
bleibt die Lieblingsspielwiese des Basslinefanatikers. Als einige Zeit vor der Veröffentlichung von ‚I.E.D.‘ bekannt wurde, dass Rhys Fulber aus zeitlichen
Gründen nicht am Album mitwirken können würde, stellte sich unweigerlich die Frage, ob man überhaupt etwas erwarten durfte, was auch nur annähernd
Richtung ‚Caustic Grip‘, ‚Tactical Neural Implant‘, ‚Millenium‘ oder ‚Hard Wired‘ ? welche allesamt zeitlosen Kultstatus haben ? gehen würde. Verhaltene
Vorfreude wich Gewissheit, als Neuzugang Jeremy Inkel (Left Spine Down) auf den beiden Vorgängeralben Artificial Soldier und Fallout seine Klangschrauberfähigkeiten
in Silber goss. Left Spine Down-Gitarrist Jared Slingerland und FLA-Urgestein Chris Peterson, wurden nach der gemeinsamen FLA-Tour direkt mit Greg Reely ?
dessen Feinschliff und Produktion letzten Endes den FLA-Sound der letzten 16 Jahre geprägt und entwickelt haben ? nach dem Motto "schmieden, solange sie
noch glühen" ins Studio verfrachtet.

Und was da soeben die kanadische Klangschmiede verlassen hat, entpuppt sich nach einem Horchen unter die Haube als eine gewaltige Mixtur Marke entfesselte-
Wut-trifft-auf-detailversessene-Techniker. Zum ersten Mal in der 24jährigen Bandgeschichte hat sich FLA von einer Tourkonstellation zur vollwertigen Band gemausert. All das, was die großen FLA-Alben auszeichnete, wurde mit dem neuen Album auf die nächste Evolutionsstufe gehoben. Kurz aufflackernde sphärische Klangwelten,
wie man sie von alten Delerium-Scheiben (und u.a. ‚Hard Wired‘) kennt, symphonisch anmutende und mit Samplesequenzen durchzogene Passagen, die durch
Basslines und röhrende Gitarren zerfetzt werden, Hooklines, Breakbeats und extrem druckvoll abgemischte Bässe, dazu allgegenwärtig Beats/Livedrums, die vielen
jüngeren Kapellen die Schamesröte für das, was viele von ihnen heute als zeitgemäß abliefern, ins Gesicht treiben müssten. Die Vorabsingle ‚Shifting Through The Lens‘
schraubt sich derzeit bass- und sägezahngewaltig quer durch die Clubs und reiht sich auf dem Album in eine lange Reihe von mindestens gleichwertigen Anwärtern auf
Stammplätze in den Playlists ein, wie z.B. Angriff (ebenfalls auf der Single vertreten), Hostage, Laws Of Deception (welches entfernt an eine aufgebohrte Fassung von Surface Patterns (Millenium) erinnert).

Midtempo-Klassiker wie ‚Threshold‘, ‚Lifeline‘, ‚Infra-Red Combat‘ oder ‚Civilization‘ finden in ‚Afterlife‘ einen mehr als würdigen Nachfolger; emotionaler Text und Instrumentierung bremsen das Album für knapp 6 Minuten auf Gänsehautatmosphäre runter. Dass man bei „Stupidity“ nach knapp 30 Sekunden sphärischem Intro von Ministry’s very own Al Jourgensen niedergeknüppelt wird, wurde im Vorfeld zwar angekündigt, macht massig Laune, ist auf dem Album aber eher ein Nice-to-have, als ein Muss, weil es sich schwer ins Gesamtbild einfügt und das Runde an seltsamen Stellen eckig macht.

Mit Downfall, dem letzten Track des Albums, kommen Erinnerungen an alte Delerium-/(und noch ältere) FLA-Zeiten hoch: filigrane verzerrte Pianoklänge und zerlegte Samples flackern in endlosen dunklen Flächen auf, dazu zeigen verhallte Midtempodrums mit dezentem Ethnosound erneut eindrucksvoll, dass FLA zu keiner Zeit Trends folgen, sondern diese setzen und über Jahrzehnte hinweg ihren Sound als Marke entwickelt haben und immer noch Luft nach oben übrig ist.


Tracklist:

01. I. E. D. – 6:35
02. Angriff – 6:43
03. Hostage – 6:57
04. Release – 5:21
05. Shifting Through The Lens (Edit) – 3:56
06. Laws Of Deception – 5:21
07. Pressure Wave – 4:58
08. Afterlife – 5:57
09. Stupidity (feat. Al Jourgensen) – 4:15
10. Downfall – 8:06

Autor: I. Ill├ęs


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