BLACKFIELD FESTIVAL 2010 – Tag 1 – Gelsenkirchen, Amphitheater (12.06.2010)

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Am Wochenende des 12. und 13. Junis 2010 fand das Blackfield Festival nun zum dritten Mal im Gelsenkirchener Amphitheater statt. Nach dem erfolgreichen Start 2008 war es auch dieses Jahr noch zahlreicher besucht, wenn auch weniger Besucher als 2009 da waren. Dies lässt sich angesichts des WM- Auftakts der deutschen Nationalelf in Südafrika gegen Australien allerdings mit einem Augenzwinkern verzeihen.

Das Amphitheater in Gelsenkirchen scheint ein nahezu perfekter Ort für ein solches Festival zu sein. Nicht nur, dass sich der Sound in der antiken Baute gut verteilt, viel angenehmer ist die Tatsache, dass man von jedem Platz im Theater gute Sicht auf die Bühne hat und sich in den Pausen zwischen den einzelnen Acts auch mal hinsetzen kann, wenn einem danach zumute ist.

Das Line-up des diesjährigen Blackfield Festival war für den einen sicherlich interessanter als für den anderen. Trotzdem wurden alle Geschmäcker hinreichend bedient: Von mittelalterlich anmutenden Klängen Ă  la Saltatio Mortis, Sava, die kurzerhand durch Traumtänzer ersetzt wurden, oder aber die etwas metallastigeren Subway to Sally, über verspielten Electro- Pop, der uns von den Belgiern Vive la fete geliefert wurde, bis hin zu mehr oder weniger harten Elektrosounds, die unter anderem von Diorama, Covenant und Front 242 in die Köpfe und vor allem die Beine der Besucher gebracht wurden. Wen wundert es da, dass die Headliner des Festivals gegensätzlicher nicht hätten sein können? Auf der einen Seite erwarteten einen am Samstagabend die Grundsteinleger des EBM Front 242 mit ihrem synthetischen, gradlinigen und unverwechselbaren Sound, auf der anderen Seite wurde man am darauffolgenden Abend vom Grafen und Unheilig, die von keinem Festival mehr wegzudenken sind, mit auf eine emotionale Reise genommen.

Zudem läutete am Vorabend des eigentlichen Festivalbeginns eine Warm- up Party in der Bochumer Matrix das Blackfield Festival ein. Warm getanzt ging es dann am Samstagmittag in Gelsenkirchen weiter, wo Scream Silence als erste Band die Bühne betraten und mit dunklen, rockigen Klängen die Zuschauer auf einen musikalisch erlebnisreichen ersten Tag einstimmten.

Als nächster Act wurden die Jungs von Jesus On Extasy [GALLERY] bereits von ihren hauptsächlich weiblichen Fans erwartet. Nachdem die Band um Sänger und Pianist Dorian Deveraux 2005 gegründet wurde, durften sich die Bochumer einer stetig wachsenden und beständigen Fangemeinde freuen. Das am Samstagmittag anfänglich noch etwas graue Wetter war womöglich Grund dafür, dass das richtige Festivalfeeling noch nicht so wirklich aufkommen wollte. Vor der Bühne war noch genug Platz, um sich je nach personenbezogener Raumbeanspruchung ausreichend zum allseits bekannten ?Assasinate me? oder dem neuen Song der Jungs ?No Gods? zu bewegen. Frontmann Dorian feuerte seine Fans immer wieder an und ließ sich bei ?Neochrome? ein Stückchen durch die Menge tragen. Alles in allem lieferten Jesus on Extasy einen soliden Mix aus Glam- Rock und Post- Industrial ab. Einen Punkt Abzug, für den die Bochumer allerdings nichts können, gibt es dennoch für einen viel zu lauten Bass. Jenen trafen wir allerdings noch bei vielen darauffolgenden Acts an.

Setlist:
01. Change The World
02. Beloved Enemy
03. Assassinate Me
04. No Gods (new song)
05. Direct Injection
06. Church Of Extasy
07. Neochrome

Eine absolute Überraschung für uns und viele weitere Besucher sollte der nächste Act darstellen. Das im Jahre 2000 von Daniel Graves in Hollywood gegründete Hard- Electro- Projekt Aesthetic Perfection [GALLERY] kam mit eingängigen Beats und starken Melodien daher, die einem gar keine andere Wahl ließen, als sich im Rhythmus zu bewegen. Vor der Bühne braute sich etwas zusammen und zwar in einem Wechselspiel zwischen einem provokativen und über die Bühne wirbelnden Graves und den tanzenden und jubelnden Fans der harten Elektromusik. Bei Liedern wie ?Pale? oder ?Schadenfreude? erfuhr der wirklich sehr gelungene Auftritt seinen Höhepunkt. Super Stimmung, super Songs, super Show: Am Ende des Auftritts kochte die Menge und war bestens gewappnet für die nachfolgenden, nicht weniger tanzbaren Acts.

Setlist:
01. The Great Depression
02. Schadenfreude
03. Pale
04. The Ones
05. The Siren
06. Living The Wasted Life
07. Spit It Out

Keine halbe Stunde später wurden die Hamburger Girls Under Glass [GALLERY] von ihren Fans jubelnd empfangen. Der 1986 gegründete Band, die aktuell aus Volker Zacharias (Gesang, Gitarre), Hauke Harms (Keyboard, Schlagzeug, Gesang) und Axel Ermes (E- Bass, Gitarre) besteht, ist es zu wenig, sich musikalisch einseitig nur im Gothrock- Sektor zu bewegen. Daher kommt es, dass sich Girls Under Glass musikalisch nie gleich anhören: Bei manchen Songs sind die Electroelemente, mal die Metaleinflüsse ausschlaggebend, mal klassischer Gothrock, mal Elemente aus Industrial und Techno. Girls Under Glass erfindet sich immer wieder neu. Das ist es, was sie für viele so interessant und nie langweilig macht. Der erste Auftritt der Hamburger auf dem Blackfield war somit erwartungsgemäß ein voller Erfolg. Nach dem sphärischen Intro und Madonna- Cover ?Frozen? wurden unter anderem Klassiker wie ?Down in the park? und das allseits bekannte und geliebte ?Ohne dich? geboten, bei welchem auch der letzte Zuschauer nun anfing zu tanzen.

Setlist:
01. Frozen (Madonna Cover)
02. Ohne Dich
03. Never Go
04. Die Zeit
05. Feuerengel
06. Down In The Park
07. Erinnerung
08. We Feel Alright (new song)
09. Du bist das Licht

Wer zu Aesthetic Perfection noch auf dem Festivalgelände herum schlich, sich bei XtraX und Co neu einkleidete oder einfach eine ?Original Berliner Currywurst? zu sich nahm und den Weg zur Stage noch nicht gefunden hatte, wurde spätestens zum Auftritt der Norweger Zeromancer [GALLERY] die Treppenstufen des Amphitheaters runter bis zur Bühne gelockt. Mit der 1999 in L.A. gegründeten Band um Frontmann Alex MĂžklebust blieb es zwar musikalisch weiterhin elektronisch, aber auf jeden Fall rockiger. Zeromancer sind nach ihren vielen erfolgreichen Tonträgern und etlichen Tourneen in den Staaten und in Europa nicht mehr aus der rockigen Elektroszene wegzudenken. Mit Hits wie ?Clone your lover? und ?Dr. Online? heizten Zeromancer der Menge ein, Frontmann und Frauenliebling Alex ließ – wie bei seinen Auftritten schon bekannt ? zumindest oben herum die Hüllen fallen und das durchaus gelungene Cover von Depeche Mode’s ?Photographic? rundete den Auftritt ab. Die Fans waren glücklich und das Blackfield um einen erfolgreichen Auftritt reicher.

Setlist:
01. V
02. Doppelgänger I Love You
03. Clone Your Lover
04. Need You Like A Drug
05. Sinners International
06. Ammonite
07. Photographic (Depeche Mode Cover)
08. Doctor Online

Auf die nächste Band hatten wir uns persönlich schon sehr gefreut. Diorama [GALLERY] waren bereits bei der Blackfield- Festival- Premiere 2008 mit von der Partie und hatten die Zuschauer begeistert. Daher wuchsen die Erwartungen an die Band, aber vor allem an den talentierten und innovativen Torben Wendt, der nicht nur mit einer genialen Stimme glänzen kann, sondern darüber hinaus eine Sympathie an den Tag legt, die wohl jeden früher oder später mitzureißen vermag. Diorama sind Ausnahmekünstler in ihrem Genre, liefern sie doch extrem eigenständige Musik mit einem Maximum an Wiedererkennungswert ab. So etwas wie Diorama gibt es selten; mit intelligenten Texten und energiegeladenem Electro- Pop stehen sie stets für ein musikalisch hohes Niveau. Wie bereits auf ihrer Tour zum Album ?Cubed?, das in kürzester Zeit bis auf Platz 1 der Deutschen Alternative Charts (DAC) geschossen war, fanden sich Schlagzeuger Markus Halter und Keyboarder Felix Marc in auf der Bühne aufgebauten Cubes wieder. Mit der eingängigen und erfolgreichen Singleauskopplung ?Child Of Entertainment?, die einem einfach nicht mehr aus dem Kopf gehen mag, lieferten Diorama eine würdige Eröffnung ihres Blackfield- Auftritts. Es folgten Songs wie ?Synthesize me? und ?Advance?, denen sich niemand entziehen konnte und die zum Tanzen einluden, aber auch nachdenkliche, von einem ernsten und gefühlvollen Torben präsentierte Songs wie ?Kein Mord? und ?Why?, bei welchem er ein Keyboard- Solo zum Besten gab und seine Fans begeisterte.

Setlist:
01. Child Of Entertainment
02. Kein Mord
03. Stereotype
04. Ignite
05. Record Deal
06. Advance
07. Why
08. Synthesize Me

Im Gegensatz zu den eher düster anmutenden Songs der vorangegangenen Bands, gab es mit der nun folgenden Band Vive La FĂȘte [GALLERY] Electro- Pop vom Feinsten auf die Ohren. Die Songs der von Els Pynoo und ihrem Lebensgefährten Danny Mommens gegründeten belgischen Band sind nicht nur auf den Laufstegen der Welt bekannt, auch bei Festivals wie Roskilde oder Lowlands konnten Vive La FĂȘte bereits punkten und überzeugen. Mit ?Nuit blanche? eröffnete das Live-Quintett seine Show. Die quirlige und energische Frontfrau riss die Besucher an diesem Festival- Samstag in ihren Bann; selbst jene, die sich dem Pop eher abwenden, tanzten und sprangen mit. Vive La FĂȘte versprühten Energie und lockten mit ihren freudigen Klängen selbst die Sonne wieder hinter den Wolken hervor. Ein Act, der Spaß machte; nicht nur den Fans, sondern sichtlich auch den Akteuren auf der Bühne.

Setlist:
01. Nuit Blanche
02. Quatsch
03. Schwarzkopf
04. La Vérité
05. Assez
06. Noir Desir
07. Instrumental (Dannys encore)

Als nächster Act standen die Metaller Deathstars [GALLERY] auf dem Programm. Die im Jahre 2000 gegründete Band um Andreas ?Whiplasher Bernadotte? Bergh formierte sich ursprünglich aus verschiedenen Death- und Blackmetal- Bands. Unter der Selbstbezeichnung Death Glam laufend, was ihre Wurzeln in der Death- Metal- Szene unterstreichen soll, zeigen die Schweden allerdings auch viele Synth- Elemente in ihren Songs, was die Band auch für Freunde der elektronischen Musik zugänglich macht. Frontmann Whiplasher begeisterte seine Fans mit mal klarem, mal gutturalem Gesang und der Auftritt in Uniform gab dem Ganzen den gewissen Schliff. Auch wenn unser Geschmack musikalisch von den Deathstars nicht so recht bedient werden wollte, feierten Deathstars- Fans vor der Bühne und die ersten Headbanger krochen aus ihren Höhlen. Alles in allem ein sicherlich gelungener Auftritt einer Band, die ihre Fans zu unterhalten wusste.

Setlist:
01. Night Electric Night
02. Motherzone
03. Semi-Automatic
04. Mark of The Gun
05. New Dead Nation
06. Tongues
07. Chertograd
08. Blitzkrieg
09. Bloodstains Blondes
10. Cyanide
11. Death Dies Hard

Beim vorletzten Auftritt des ersten Festivaltages gab sich niemand anderes als die seit 1986 bestehende Future- Pop- Band Covenant [GALLERY] die Ehre ? ihr erster Auftritt beim Blackfield Festival. Der stets in weißem Anzug die Bühne betretende Eskil Simonsson wurde von seinen Fans nicht nur in der Hoffnung auf einen tollen Livegig, sondern genauso in der Hoffnung auf ein baldig erscheinendes neues Album erwartet. Würden Songs vom angekündigten Album ?Modern Ruin? gespielt werden? Diese Frage beschäftigte sicherlich jeden Fan.

10 Minuten vor dem eigentlichen Beginn wurden Covenant von den Blackfield- Besuchern mit tosendem Applaus empfangen. Mit dem Kracher ?Stalker? eröffneten Sänger und Songwriter Eskil Simonsson, das Allroundtalent Daniel Myer und Joakim Montelium (Programmierung, Text) ihre Show und spielten sich durch die CrĂšme de la CrĂšme ihrer musikalischen Laufbahn. Da durften Songs wie ?Ritual Noise? und ?Call the ships to port? natürlich nicht fehlen. Und natürlich enthielten Covenant ihrer Fans auch ein Teil ihres angekündigten Albums nicht vor: ?If I would give my soul? und ?Dynamo Clock? kamen in gewohnter Covenant- Manier, aber durchaus wieder etwas härter daher. Das Trio um Simonsson bot ihren Fans einen gewohnt guten Livegig, der Lust auf mehr und vor allem auf das bereits im Februar 2009 angekündigte Album macht.

Setlist:
01. Stalker
02. 20hz
03. Dynamo Clock
04. Invisible & Silent
05. If I Would Give My Soul
06. The Men
07. Ritual Noise
08. Call The Ships To Port
09. Der Leiermann (Z)

Nachdem mit Covenant die Stimmung abermals angehoben wurde, erreichte uns auch schon der Höhepunkt des ersten Blackfield- Tages: Front 242 [GALLERY]. Als Aushängeschild der EBM- Szene stellten sie einen würdigen Headliner und Abschluss des musikalisch einwandfreien Samstags dar. Die Ära Front 242 brach an, als sich Daniel Bressanutti und Dirk Bergen 1981 zunächst als Duo zusammen fanden. Ein Jahr später wurden Keyboarder Patrick Codeny und Sänger Jean- Luc De Meyer mit ins Boot geholt und formierten sich zu einer Band, wie es sie so auf der Welt kein zweites Mal gibt. Die Urgesteine und Grundsteinleger der ?Electronic Body Music? wurden von ihren Fans mit großer Spannung erwartet. Vor der Bühne wurde es so eng, wie es den gesamten Tag über nicht erlebt wurde und auch auf den Stufen des Amphitheaters rückte man immer näher zusammen. Als die musikerfahrenen Herren von Front 242 endlich die Bühne betraten, heizten sie der Menge sofort mit ihrem eingängigen Hit ?Body to body? ein. Auf der für den Headliner angebrachten Bühnen- Leinwand gab es immer wieder die bekannten Videoanimationen aus Textfetzen und Farbspielen zu sehen. Bei Front 242 schloss ein Smash Hit dem anderen dicht auf, so dass das begeisterte Publikum mitstampfte bis zum Letzten. Die Combo um Daniel B. bot ihren Fans eine Best-of- Auswahl ihrer Musikhistorie, stets im kühlen, synthetischen, kraftvollen Front- 242- Stil. Vom extrem tanzbaren ?Headhunter?, über das sich in den Kopf brennende ?No shuffle? bis hin zu ?Quite unusual?, ?Circling overland? oder ?Im Rhythmus bleiben? ? es war alles dabei, was das im Takt der elektronischen Musik schlagende Fanherz begehrte.

Setlist:
01. Body To Body
02. Together
03. Moldavia
04. Tragedy For You
05. Circling Overland
06. No Shuffle
07. Headhunter
08. Triple X Girlfriend
09. Quite Unusual
10. Funkadafi
11. Lovely Day
12. 7 Rain
13. Religion
14. Welcome To Paradise
15. Take One
16. Im Rhythmus Bleiben
17. Kampfbereit (Z)

Mit Front 242 ging ein absolut gelungener Festivaltag zu Ende. Was blieb einem da anderes übrig, als für den darauffolgenden Tag ?Im Rhythmus [zu] bleiben?? Wortwörtlich kamen dieser Aufforderung einige Besucher auf der Aftershow- Party des Blackfields im großen Partyzelt nach; andere ? so auch wir ? machten sich auf den Heimweg und freuten sich auf den zweiten Tag im Amphitheater Gelsenkirchen.

Das Review zum zweiten Tag folgt in Kürze, die kompletten Fotosets der aufgetretenen Bands werden schrittweise eingepflegt.

Autorin: Tanja Sunshine
Fotos: Michael Gamon

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