Blackfield Festival 2010 – Gelsenkirchen, Amphitheater (12./13.06.2010)

2010-06-12 Blackfield Festival 2010 Besucher - Bild 027x.jpg
GeschÀtzte Lesezeit: 21 Minute(n)

Am Wochenende des 12. und 13. Junis 2010 fand das Blackfield Festival nun zum dritten Mal im Gelsenkirchener Amphitheater statt. Nach dem erfolgreichen Start 2008 war es auch dieses Jahr noch zahlreicher besucht, wenn auch weniger Besucher als 2009 da waren. Dies lässt sich angesichts des WM- Auftakts der deutschen Nationalelf in Südafrika gegen Australien allerdings mit einem Augenzwinkern verzeihen.

Das Amphitheater in Gelsenkirchen scheint ein nahezu perfekter Ort für ein solches Festival zu sein. Nicht nur, dass sich der Sound in der antiken Baute gut verteilt, viel angenehmer ist die Tatsache, dass man von jedem Platz im Theater gute Sicht auf die Bühne hat und sich in den Pausen zwischen den einzelnen Acts auch mal hinsetzen kann, wenn einem danach zumute ist.

Das Line-up des diesjährigen Blackfield Festival war für den einen sicherlich interessanter als für den anderen. Trotzdem wurden alle Geschmäcker hinreichend bedient: Von mittelalterlich anmutenden Klängen Ă  la Saltatio Mortis, Sava, die kurzerhand durch Traumtänzer ersetzt wurden, oder aber die etwas metallastigeren Subway to Sally, über verspielten Electro- Pop, der uns von den Belgiern Vive la fete geliefert wurde, bis hin zu mehr oder weniger harten Elektrosounds, die unter anderem von Diorama, Covenant und Front 242 in die Köpfe und vor allem die Beine der Besucher gebracht wurden. Wen wundert es da, dass die Headliner des Festivals gegensätzlicher nicht hätten sein können? Auf der einen Seite erwarteten einen am Samstagabend die Grundsteinleger des EBM Front 242 mit ihrem synthetischen, gradlinigen und unverwechselbaren Sound, auf der anderen Seite wurde man am darauffolgenden Abend vom Grafen und Unheilig, die von keinem Festival mehr wegzudenken sind, mit auf eine emotionale Reise genommen.

Zudem läutete am Vorabend des eigentlichen Festivalbeginns eine Warm- up Party in der Bochumer Matrix das Blackfield Festival ein. Warm getanzt ging es dann am Samstagmittag in Gelsenkirchen weiter, wo Scream Silence als erste Band die Bühne betraten und mit dunklen, rockigen Klängen die Zuschauer auf einen musikalisch erlebnisreichen ersten Tag einstimmten.

Als nächster Act wurden die Jungs von Jesus On Extasy [GALLERY] bereits von ihren hauptsächlich weiblichen Fans erwartet. Nachdem die Band um Sänger und Pianist Dorian Deveraux 2005 gegründet wurde, durften sich die Bochumer einer stetig wachsenden und beständigen Fangemeinde freuen. Das am Samstagmittag anfänglich noch etwas graue Wetter war womöglich Grund dafür, dass das richtige Festivalfeeling noch nicht so wirklich aufkommen wollte. Vor der Bühne war noch genug Platz, um sich je nach personenbezogener Raumbeanspruchung ausreichend zum allseits bekannten ?Assasinate me? oder dem neuen Song der Jungs ?No Gods? zu bewegen. Frontmann Dorian feuerte seine Fans immer wieder an und ließ sich bei ?Neochrome? ein Stückchen durch die Menge tragen. Alles in allem lieferten Jesus on Extasy einen soliden Mix aus Glam- Rock und Post- Industrial ab. Einen Punkt Abzug, für den die Bochumer allerdings nichts können, gibt es dennoch für einen viel zu lauten Bass. Jenen trafen wir allerdings noch bei vielen darauffolgenden Acts an.

Setlist:
01. Change The World
02. Beloved Enemy
03. Assassinate Me
04. No Gods (new song)
05. Direct Injection
06. Church Of Extasy
07. Neochrome

Eine absolute Überraschung für uns und viele weitere Besucher sollte der nächste Act darstellen. Das im Jahre 2000 von Daniel Graves in Hollywood gegründete Hard- Electro- Projekt Aesthetic Perfection [GALLERY] kam mit eingängigen Beats und starken Melodien daher, die einem gar keine andere Wahl ließen, als sich im Rhythmus zu bewegen. Vor der Bühne braute sich etwas zusammen und zwar in einem Wechselspiel zwischen einem provokativen und über die Bühne wirbelnden Graves und den tanzenden und jubelnden Fans der harten Elektromusik. Bei Liedern wie ?Pale? oder ?Schadenfreude? erfuhr der wirklich sehr gelungene Auftritt seinen Höhepunkt. Super Stimmung, super Songs, super Show: Am Ende des Auftritts kochte die Menge und war bestens gewappnet für die nachfolgenden, nicht weniger tanzbaren Acts.

Setlist:
01. The Great Depression
02. Schadenfreude
03. Pale
04. The Ones
05. The Siren
06. Living The Wasted Life
07. Spit It Out

Keine halbe Stunde später wurden die Hamburger Girls Under Glass [GALLERY] von ihren Fans jubelnd empfangen. Der 1986 gegründete Band, die aktuell aus Volker Zacharias (Gesang, Gitarre), Hauke Harms (Keyboard, Schlagzeug, Gesang) und Axel Ermes (E- Bass, Gitarre) besteht, ist es zu wenig, sich musikalisch einseitig nur im Gothrock- Sektor zu bewegen. Daher kommt es, dass sich Girls Under Glass musikalisch nie gleich anhören: Bei manchen Songs sind die Electroelemente, mal die Metaleinflüsse ausschlaggebend, mal klassischer Gothrock, mal Elemente aus Industrial und Techno. Girls Under Glass erfindet sich immer wieder neu. Das ist es, was sie für viele so interessant und nie langweilig macht. Der erste Auftritt der Hamburger auf dem Blackfield war somit erwartungsgemäß ein voller Erfolg. Nach dem sphärischen Intro und Madonna- Cover ?Frozen? wurden unter anderem Klassiker wie ?Down in the park? und das allseits bekannte und geliebte ?Ohne dich? geboten, bei welchem auch der letzte Zuschauer nun anfing zu tanzen.

Setlist:
01. Frozen (Madonna Cover)
02. Ohne Dich
03. Never Go
04. Die Zeit
05. Feuerengel
06. Down In The Park
07. Erinnerung
08. We Feel Alright (new song)
09. Du bist das Licht

Wer zu Aesthetic Perfection noch auf dem Festivalgelände herum schlich, sich bei XtraX und Co neu einkleidete oder einfach eine ?Original Berliner Currywurst? zu sich nahm und den Weg zur Stage noch nicht gefunden hatte, wurde spätestens zum Auftritt der Norweger Zeromancer [GALLERY] die Treppenstufen des Amphitheaters runter bis zur Bühne gelockt. Mit der 1999 in L.A. gegründeten Band um Frontmann Alex MĂžklebust blieb es zwar musikalisch weiterhin elektronisch, aber auf jeden Fall rockiger. Zeromancer sind nach ihren vielen erfolgreichen Tonträgern und etlichen Tourneen in den Staaten und in Europa nicht mehr aus der rockigen Elektroszene wegzudenken. Mit Hits wie ?Clone your lover? und ?Dr. Online? heizten Zeromancer der Menge ein, Frontmann und Frauenliebling Alex ließ – wie bei seinen Auftritten schon bekannt ? zumindest oben herum die Hüllen fallen und das durchaus gelungene Cover von Depeche Mode’s ?Photographic? rundete den Auftritt ab. Die Fans waren glücklich und das Blackfield um einen erfolgreichen Auftritt reicher.

Setlist:
01. V
02. Doppelgänger I Love You
03. Clone Your Lover
04. Need You Like A Drug
05. Sinners International
06. Ammonite
07. Photographic (Depeche Mode Cover)
08. Doctor Online

Auf die nächste Band hatten wir uns persönlich schon sehr gefreut. Diorama [GALLERY] waren bereits bei der Blackfield- Festival- Premiere 2008 mit von der Partie und hatten die Zuschauer begeistert. Daher wuchsen die Erwartungen an die Band, aber vor allem an den talentierten und innovativen Torben Wendt, der nicht nur mit einer genialen Stimme glänzen kann, sondern darüber hinaus eine Sympathie an den Tag legt, die wohl jeden früher oder später mitzureißen vermag. Diorama sind Ausnahmekünstler in ihrem Genre, liefern sie doch extrem eigenständige Musik mit einem Maximum an Wiedererkennungswert ab. So etwas wie Diorama gibt es selten; mit intelligenten Texten und energiegeladenem Electro- Pop stehen sie stets für ein musikalisch hohes Niveau. Wie bereits auf ihrer Tour zum Album ?Cubed?, das in kürzester Zeit bis auf Platz 1 der Deutschen Alternative Charts (DAC) geschossen war, fanden sich Schlagzeuger Markus Halter und Keyboarder Felix Marc in auf der Bühne aufgebauten Cubes wieder. Mit der eingängigen und erfolgreichen Singleauskopplung ?Child Of Entertainment?, die einem einfach nicht mehr aus dem Kopf gehen mag, lieferten Diorama eine würdige Eröffnung ihres Blackfield- Auftritts. Es folgten Songs wie ?Synthesize me? und ?Advance?, denen sich niemand entziehen konnte und die zum Tanzen einluden, aber auch nachdenkliche, von einem ernsten und gefühlvollen Torben präsentierte Songs wie ?Kein Mord? und ?Why?, bei welchem er ein Keyboard- Solo zum Besten gab und seine Fans begeisterte.

Setlist:
01. Child Of Entertainment
02. Kein Mord
03. Stereotype
04. Ignite
05. Record Deal
06. Advance
07. Why
08. Synthesize Me

Im Gegensatz zu den eher düster anmutenden Songs der vorangegangenen Bands, gab es mit der nun folgenden Band Vive La FĂȘte [GALLERY] Electro- Pop vom Feinsten auf die Ohren. Die Songs der von Els Pynoo und ihrem Lebensgefährten Danny Mommens gegründeten belgischen Band sind nicht nur auf den Laufstegen der Welt bekannt, auch bei Festivals wie Roskilde oder Lowlands konnten Vive La FĂȘte bereits punkten und überzeugen. Mit ?Nuit blanche? eröffnete das Live-Quintett seine Show. Die quirlige und energische Frontfrau riss die Besucher an diesem Festival- Samstag in ihren Bann; selbst jene, die sich dem Pop eher abwenden, tanzten und sprangen mit. Vive La FĂȘte versprühten Energie und lockten mit ihren freudigen Klängen selbst die Sonne wieder hinter den Wolken hervor. Ein Act, der Spaß machte; nicht nur den Fans, sondern sichtlich auch den Akteuren auf der Bühne.

Setlist:
01. Nuit Blanche
02. Quatsch
03. Schwarzkopf
04. La Vérité
05. Assez
06. Noir Desir
07. Instrumental (Dannys encore)

Als nächster Act standen die Metaller Deathstars [GALLERY] auf dem Programm. Die im Jahre 2000 gegründete Band um Andreas ?Whiplasher Bernadotte? Bergh formierte sich ursprünglich aus verschiedenen Death- und Blackmetal- Bands. Unter der Selbstbezeichnung Death Glam laufend, was ihre Wurzeln in der Death- Metal- Szene unterstreichen soll, zeigen die Schweden allerdings auch viele Synth- Elemente in ihren Songs, was die Band auch für Freunde der elektronischen Musik zugänglich macht. Frontmann Whiplasher begeisterte seine Fans mit mal klarem, mal gutturalem Gesang und der Auftritt in Uniform gab dem Ganzen den gewissen Schliff. Auch wenn unser Geschmack musikalisch von den Deathstars nicht so recht bedient werden wollte, feierten Deathstars- Fans vor der Bühne und die ersten Headbanger krochen aus ihren Höhlen. Alles in allem ein sicherlich gelungener Auftritt einer Band, die ihre Fans zu unterhalten wusste.

Setlist:
01. Night Electric Night
02. Motherzone
03. Semi-Automatic

04. Mark of The Gun
05. New Dead Nation
06. Tongues
07. Chertograd
08. Blitzkrieg
09. Bloodstains Blondes
10. Cyanide
11. Death Dies Hard

Beim vorletzten Auftritt des ersten Festivaltages gab sich niemand anderes als die seit 1986 bestehende Future- Pop- Band Covenant [GALLERY] die Ehre ? ihr erster Auftritt beim Blackfield Festival. Der stets in weißem Anzug die Bühne betretende Eskil Simonsson wurde von seinen Fans nicht nur in der Hoffnung auf einen tollen Livegig, sondern genauso in der Hoffnung auf ein baldig erscheinendes neues Album erwartet. Würden Songs vom angekündigten Album ?Modern Ruin? gespielt werden? Diese Frage beschäftigte sicherlich jeden Fan.

10 Minuten vor dem eigentlichen Beginn wurden Covenant von den Blackfield- Besuchern mit tosendem Applaus empfangen. Mit dem Kracher ?Stalker? eröffneten Sänger und Songwriter Eskil Simonsson, das Allroundtalent Daniel Myer und Joakim Montelium (Programmierung, Text) ihre Show und spielten sich durch die CrĂšme de la CrĂšme ihrer musikalischen Laufbahn. Da durften Songs wie ?Ritual Noise? und ?Call the ships to port? natürlich nicht fehlen. Und natürlich enthielten Covenant ihrer Fans auch ein Teil ihres angekündigten Albums nicht vor: ?If I would give my soul? und ?Dynamo Clock? kamen in gewohnter Covenant- Manier, aber durchaus wieder etwas härter daher. Das Trio um Simonsson bot ihren Fans einen gewohnt guten Livegig, der Lust auf mehr und vor allem auf das bereits im Februar 2009 angekündigte Album macht.

Setlist:
01. Stalker
02. 20hz
03. Dynamo Clock
04. Invisible & Silent
05. If I Would Give My Soul
06. The Men
07. Ritual Noise
08. Call The Ships To Port
09. Der Leiermann (Z)

Nachdem mit Covenant die Stimmung abermals angehoben wurde, erreichte uns auch schon der Höhepunkt des ersten Blackfield-Tages: Front 242 [GALLERY]. Als Aushängeschild der EBM- Szene stellten sie einen würdigen Headliner und Abschluss des musikalisch einwandfreien Samstags dar. Die Ära Front 242 brach an, als sich Daniel Bressanutti und Dirk Bergen 1981 zunächst als Duo zusammen fanden. Ein Jahr später wurden Keyboarder Patrick Codeny und Sänger Jean- Luc De Meyer mit ins Boot geholt und formierten sich zu einer Band, wie es sie so auf der Welt kein zweites Mal gibt. Die Urgesteine und Grundsteinleger der ?Electronic Body Music? wurden von ihren Fans mit großer Spannung erwartet. Vor der Bühne wurde es so eng, wie es den gesamten Tag über nicht erlebt wurde und auch auf den Stufen des Amphitheaters rückte man immer näher zusammen. Als die musikerfahrenen Herren von Front 242 endlich die Bühne betraten, heizten sie der Menge sofort mit ihrem eingängigen Hit ?Body to body? ein. Auf der für den Headliner angebrachten Bühnen- Leinwand gab es immer wieder die bekannten Videoanimationen aus Textfetzen und Farbspielen zu sehen. Bei Front 242 schloss ein Smash Hit dem anderen dicht auf, so dass das begeisterte Publikum mitstampfte bis zum Letzten. Die Combo um Daniel B. bot ihren Fans eine Best-of- Auswahl ihrer Musikhistorie, stets im kühlen, synthetischen, kraftvollen Front- 242- Stil. Vom extrem tanzbaren ?Headhunter?, über das sich in den Kopf brennende ?No shuffle? bis hin zu ?Quite unusual?, ?Circling overland? oder ?Im Rhythmus bleiben? ? es war alles dabei, was das im Takt der elektronischen Musik schlagende Fanherz begehrte.

Setlist:
01. Body To Body
02. Together
03. Moldavia
04. Tragedy For You
05. Circling Overland
06. No Shuffle
07. Headhunter
08. Triple X Girlfriend
09. Quite Unusual
10. Funkadafi
11. Lovely Day
12. 7 Rain
13. Religion
14. Welcome To Paradise
15. Take One
16. Im Rhythmus Bleiben
17. Kampfbereit (Z)

Mit Front 242 ging ein absolut gelungener Festivaltag zu Ende. Was blieb einem da anderes übrig, als für den darauffolgenden Tag ?Im Rhythmus [zu] bleiben?? Wortwörtlich kamen dieser Aufforderung einige Besucher auf der Aftershow- Party des Blackfields im großen Partyzelt nach; andere ? so auch wir ? machten sich auf den Heimweg und freuten sich auf den zweiten Tag im Amphitheater Gelsenkirchen.

 

Sonntag, 13.06.2010:

Der zweite Festivaltag wurde von dem italienischen Duo XP8 eingeleitet, das die Festivalbesucher mit einem Mix aus EBM, Electro, Trance und Techno aus ihren Zelten lockte: Ein tanzbares Erlebnis und somit der perfekte Act zur Einstimmung in den Blackfieldsonntag. Nachdem schon mal die Beine beim Tanzen gelockert wurden, gab es mit Traumtänzer gut tanzbaren, mal mehr, mal weniger druckvollen Gothic- Rock. Als spontane Vertreter der Band Sava waren die Newcomer (Gründung 2008) ein würdiger Act, den wir sicherlich noch auf dem einen oder anderen Festival antreffen werden.

Mit dem dritten Act des Tages, den Nordlichtern Tyske Ludder [GALLERY], blieb es weiterhin tanzbar, es wurde aber deutlich härter und wesentlich lauter. Da die Auftritte der drei Jungs seit der Bandgründung Anfang der 90er immer rar gesät waren, war es nicht verwunderlich, dass sich dementsprechend viele Fans vor der Bühne tummelten, um die harten Electrosounds in ihrem Körper zu spüren. Und mit dem wieder einmal extrem lauten Bass, der den Boden unter uns zum Beben brachte, blieb niemandem mehr eine andere Wahl, als im Takt der Beats und angefeuert von Frontmann Albert-X (Claus Albers) mit zu stampfen. Stets energisch und geladen heizte Albert-X über die Bühne und manifestierte die Texte, die sich auf kritische Art und Weise hauptsächlich mit Macht, Krieg und der rücksichtslosen Durchsetzung der amerikanischen Interessen in der Weltpolitik beschäftigen, in den Köpfen der Besucher. Zwischen den Liedern sprachen die EBMer ihre Fans immer wieder mit ?Zuckergrufties? an, provozierten und heizten der Menge mit Songs wie ?Shokkz? und ?Manipulation? immer mehr ein. Ein Auftritt, der insgesamt durchaus gelungen war, auch wenn der laute Bass einem fast das Gehirn wegpustete, was aber wohl nur den wenigsten bei einem derart energiegeladenen Act wie Tyske Ludder als störend auffiel.

Setlist:
01. ?
02. Panzer
03. Khaled Aker (?)
04. Canossa
05. Shokkz
06. Manipulation
07. –

Ganz im Kontrast zu den vorangegangenen harten Elektrosound sollte es nun mit S.P.O.C.K. [GALLERY] zwar elektronisch bleiben, aber es wurde viel sanfter und wesentlich poppiger. Das schwedische Spaceteam um Alexander Hofmann (Android) formierte sich seit der Gründung 1988 immer wieder neu. Auf die Reise in den Synthpop- Orbit wurden wir von der seit 1999 bestehenden Formation aus den beiden Keyboardern Christer Hermodsson (Crull- E) und Johan Malmgren (Yo- Haan) sowie Sänger Alexander Hofmann genommen. Der Zwischenstopp der Star Pilots On Channel K. (S.P.O.C.K.) auf der Erde entwickelte sich nach und nach zu einem der besten Auftritte des Blackfield Festivals 2010. Mit ihrem ?S.P.O.C.K.’n’Roll? begeisterten die Schweden die Masse und ließen sie tanzen und mitsingen. Der sympathische Anführer der Crew sprach immer wieder zu seinen Fans, trank mit ihnen gemeinsam wiederholt einen oder mehrere Schlucke Bier auf der Bühne und gab schlussendlich bei dem Song ?E-Lectric? einen breakdance-basierten Spacedance zum Besten. Zum Repertoire der Bordbesatzung gehörten unter anderem die bekannten Lieder ?Out There?, ?Astrogirl? und ?Never Trust a Klingon?. S.P O.C.K. haben Spaß gemacht und hatten selbst Spaß. Zudem waren sie eine willkommene Abwechslung zu den schweren, düsteren Elektrosounds, die das Blackfield-Festival ansonsten dominierten.

Setlist:
01. Reactivated
02. E.T. Phone Home
03. Dr. Mc Coy
04. All E.T.s aren?t nice
05. Not Human
06. Astrogirl
07. Astrogirl?s Secret
08. Out There
09. E- Lectric
10. Never Trust a Klingon

Nachdem die Band SONO sich vom Blackfield-Moderator Jens Domgörgen (X-Divide) entschuldigen ließ, da sie sich zu dem Zeitpunkt schon seit Stunden in einem Stau mit Vollsperrung befanden, ging es im Anschluss an S.P.O.C.K. und nach einer kurzen Pause direkt mit Saltatio Mortis [GALLERY] weiter. Für die SONO-Fans sei an dieser Stelle bereits gesagt, dass die Hamburger ihren Auftritt für das Blackfield 2011 schon fest zugesagt haben.

Wesentlich rockiger wurde es nun also mit dem Mittelalter- Rockact Saltatio Mortis, die für ihre stimmungsstarken Auftritte und Liveperformances spätestens seit dem Amphi-Festival 2009 bekannt sind. Gegründet wurde die Band um Sänger und Multitalent ?Alea, dem Bescheidenen? im Jahre 2000, woraufhin sie sich mit ihren Auftritten auf mittelalterlichen Veranstaltungen und mit ihren erfolgreichen Veröffentlichungen schnell neben Bands wie In Extremo und Schandmaul etablierten.

Fast eine Stunde zu früh betraten die Spielmänner nun also die Bühne und wurden von ihren Fans mit tosendem Applaus in Empfang genommen. Ohne lange Einführung fanden sich die Besucher in einem Fest der Freude und des Tanzes wieder. Bereits ab dem ersten Song ?Rastlos? vom hoch in den Charts platzierten Album ?Wer Wind sät…? rauschte Frontmann Alea über die Bühne. Getragen wurde er von den eingängigen Klängen des Mittelalter- Sextetts und dem Gesang und Gejubel der Menschenmasse im Amphitheater. Ein Stimmungskracher folgte nun dem nächsten: stetig angehoben wurden Stimmung und Auftritt mit Liedern wie ?Uns gehört die Welt?, ?Prometheus? und ?Koma?, bei welchem sich die Besucher an den Händen festhielten, um die Gemeinsamkeit zu spüren. Bei ?Wir säen den Wind? ließ Alea seine Fans nicht nur den Songtext mitrufen, sondern forderte sie auf, eine Lücke in der Menschenmenge zu bilden, durch die er wenig später, mit der Band- Flagge in der Hand, bis mitten hinein ins sitzende Publikum stürmte. Natürlich durften zu einem perfekten Auftritt auch Lieder wie ?Falsche Freunde? und das allseits bekannte ?Spielmannsschwur? nicht fehlen. Saltatio Mortis lieferten einen Auftritt wie ihn sich jeder Fan wünscht: bekannte Songs, die jeder mitsingen kann, gute Kommunikation zwischen Band und Publikum und eine einmalig mitreißende Stimmung.

Setlist:
01. Rastlos
02. Tritt ein
03. Uns gehört die Welt
04. Worte
05. Salome
06. Koma
07. Wir säen den Wind
08. Prometheus
09. Falsche Freunde
10. Spielmannsschwur

Der nächste Act [:SITD:] [GALLERY], dessen Wurzeln im Ruhrgebiet entspringen, hatte in Gelsenkirchen ein echtes Heimspiel. Die Dreier-Combo um Sänger Carsten Jacek fand sich 1996 zunächst unter dem längeren Bandnamen ?Shadows in the dark? zusammen und lieferte seitdem stets treibende, aggresive Elektronic- Beats ab. Ihr bekanntester Hit ?Snuff Machinery? aus dem Jahre 2001 füllt seither die Tanzflächen aller Szene- Clubs. Auch auf dem diesjährigen Blackfield trafen die Jungs aus dem Ruhrgebiet auf tanzwütige und begeisterte Fans, viele davon aus der seit Jahren stetig wachsenden Cyber- Szene. Mit zwei starken Synthesizern ausgerüstet (Thoman Lesczenski und Frank D’Angelo) stürmten [:SITD:] die Bühne. Musikalisch waren Stücke aus nahezu allen Schöpfungszeiten der Band vertreten. So bekamen wir Lieder wie ?Rose- coloured Skies? von ihrem ersten, professionell produzierten Album von 2003 genauso zu hören wie die Krachersongs ?Richtfest?(2005) oder ?Snuff Machinery? (2001). Natürlich blieb auch das Album ?Rot? aus 2009 nicht unangetastet: mit ?Pharmakon? präsentierte die Band einen Teil ihres neuesten Werkes. Alles in allem lieferten [:SITD:] einen soliden, energiegeladenen Auftritt ab, der die Fans zu überzeugen wusste, uns aber nicht so sehr wie die Darbietungen anderer Acts in den Bann zog.

Setlist:
01. Rot
02. Rose- coloured Skies
03. Pharmakon
04. Kreuzgang V.2
05. –
06. –
07. Laughingstock
08. Wegweiser
09. Richtfest
10. Snuff Machinery

Der bereits erfahrene Wechsel zwischen Elektro und Rock am zweiten Tag des Blackfields bestätigte sich mit der nächsten Band auf ein Neues. Mit Oomph! [GALLERY] waren wir somit bereits bei einem der größeren Acts des Tages angelangt. Die deutsche Rock-Band bestehend aus Dero Goi (Gesang, Schlagzeug), Crap (Gitarre, Keyboard) und Flux (Gitarre, Sampling) wurde 1989 in Wolfsburg gegründet und nahm seither einen musikalisch derart szeneübergreifenden Verlauf, wie es selten ein zweites Mal beobachtet wird. Aus dem EBM- Umfeld kommend erfuhr das revolutionäre Trio jedoch erst mit der Zuwendung zur ?Neuen Deutschen Härte? den verdienten Erfolg. Stets sozialkritisch und mit einem sarkastischen Grinsen auf den Lippen schlugen viele ihrer Songs ein wie eine Bombe und versprachen mitunter sogar einen Platz auf dem Siegertreppchen in den Charts.

So wunderte es an jenem Sonntag niemanden, dass die Fans jedes einzelne Lied mitsingen konnten und ihre Begeisterung keine Grenzen kannte. Der Auftritt von Oomph! ?wie immer live verstärkt von Bassist Hagen und Schlagzeuger Leo- war besser besucht als alles, was an diesem Tag vorgelegt hatte. Lieder wie ?Beim ersten Mal tut’s immer weh?, ?Fieber?, welches im Original im Duett mit Nina Hagen aufgenommen wurde, und ?Augen auf!?, das 2004 auf dem 1. Platz der Deutschen Charts landete, wurden genauso aufgesaugt wie die gefühlvollen Acoustic- Versionen von ?Sex hat keine Macht? und ?Auf Kurs?, welche ein ruhiger, stimmstarker Dero seinen Fans präsentierte. Bei anderen Liedern wie ?Mitten ins Herz? aus dem Jahre 1995 rauschte Dero dann wieder über die Bühne und ließ sich auf den Händen seiner Fans durch die Menge tragen. Oomph! boten ihren Fans einen gewohnt überdurchschittlich guten Live- Auftritt, stets kontrastreich, aber eben selten mit Überraschungen gespickt. Wer Ooomph! bereits auf dem ZitaRock- Festival 2009 gesehen hatte, wird keine allzu großen Veränderungen im Bühnenbild sowie der gewählten Kleidungs Deros entdeckt haben. Das ist so nicht weiter tragisch, aber es fehlt eben der gewisse Überraschungseffekt.

Setlist:
01. Beim ersten Mal tut?s immer weh
02. Unsere Rettung
03. Fieber
04. Wer schön sein will, muss leiden
05. Sex
06. Mitten ins Herz
07. Sex hat keine Macht (acoustic)
08. Auf Kurs (acoustic)
09. Revolution
10. Niemand
11. Gekreuzigt
12. Labyrinth
13. Gott ist ein Popstar
14. Augen auf!
15. Sandmann (Z)

Und wieder ging es mittelalterlich, aber durchaus noch etwas rockiger als bei Saltatio Mortis weiter. Subway To Sally [GALLERY] sollten sich an diesem Abend zu einer explosiven Mischung entwickeln. Das Septett aus Potsdam, das 1992 ins Leben gerufen wurde, ist dafür bekannt, mit ihren Songs die Massen zu begeistern und stets stimmungsgeladene Auftritte abzuliefern. Zu siebt die Bühne zu stürmen und dann auch noch harmonisch zu klingen, ist für viele Bands sicherlich ein schweres Unterfangen. Für die Truppe um Frontmann Eric Fish (Eric Hecht) gelten andere Gesetze – hier harmoniert alles: Die Violine mit den verschiedensten Gitarrenarten, das Schlagzeug mit mittelalterlichem Gespiel aus Schalmei, Marktsackpfeife und Drehleier. Alles hat seinen Platz und so klingen die Lieder der durchweg talentierten Mittelalter- Rock- Band in sich rund und mit der markanten Stimme Fishs unverwechselbar. Ein ebenso wichtiger Teil wie die zahlreichen Instrumente ist der lyrische, metaphernreiche Stil der Texte, der das Erfolgsrezept der Band ausmacht.

Subway to Sally eröffneten ihr Revier auf der Bühne mit einer feurigen Flammenshow, die die Fans und Festivalbesucher auf einen Auftritt mit viel Zündstoff einstimmen sollte. Auch im übertragenen Sinne boten die Potsdamer immer wieder genug Zunder, um mit ihren Songs der Menge einzuheizen und das Feuer auch beim letzten Zuschauer zu entfachen. Dies gelang ihnen natürlich ohne große Mühe, denn der Eröffnungshit ?Henkersbraut? ließ als Einstimmung auf viele weitere Tophits der Band an diesem Abend niemanden mehr ruhig am Platz stehen. Ebenso stark ging es mit Songs wie ?Kleid aus Rosen?, ?Feuerland? und ?Unentdecktes Land? weiter und hob die ohnehin schon brodelnde Stimmung immer mehr an. Den Höhepunkt erreichte die Show bei ?Veitstanz?, als die Spielmänner von Saltatio Mortis nochmals die Bühne betraten und Alea mit dem Dudelsack den großartigen Subway to Sally Hit mitspielte. Eine Überraschung, die den beiden Bands vorzüglich gelungen war! Zwischen den Liedern stimmten die Fans immer wieder das bekannte Lied ?Julia und die Räuber? ein, welches ihnen schlussendlich als Zugabe nicht länger vorenthalten wurde.

Insgesamt kann der Auftritt der Brandenburger als sagenhafter Livegig mit einer tollen Bühnenshow, einem starken Eric Fish und einer wundervollen Stimmung verbucht werden, bei welcher einfach die Chemie zwischen Band und Publikum stimmte. Nicht umsonst wurden Subway To Sally also 2009 vom ?Metal Hammer? zur ?Besten Deutschen Band? gekürt.

Setlist:
01. Henkersbraut
02. Kleid aus Rosen
03. Feuerland
04. Puppenspieler
05. Unentdecktes Land
06. Judaskuss
07. Kruzifix (?)
08. Besser du rennst
09. Falscher Heiland
10. Veitstanz
11. Sieben (Z)
12. Julia und die Räuber (Z)

Perfekt eingestimmt warteten nun alle auf den Headliner und Hauptact des zweiten Festivaltages. Unheilig [GALLERY] sind von keinem Festival, keinem Event mehr wegzudenken. Wohin man sich auch dreht und wendet; an Unheilig kam spätestens nach dem im Februar 2010 erschienenen Album ?Große Freiheit?, was quasi über Nacht die deutschen Album- Charts im Sturm eroberte und sofort Platz 1 erreichte, niemand mehr vorbei. Der Hype um die 1999 gegründete Electrorock Band, die sich im Neue Deutsche Härte- Umfeld sofort als fester Bestandteil integrieren konnte, verunsicherte im Vorwege sicher viele Fans. Die ?kommerzielle Schiene? wurde vielerorts lautstark kritisiert; dennoch gewann Aushängeschild und Stimme Unheiligs, ?Der Graf?, viele neue Fans dazu und konnte auch die eingefleischten Fans halten und zumindest beim Blackfield davon überzeugen, dass er der Alte geblieben ist und sich in seinem Wesen durch seinen Erfolg nicht verändert hat. Trotzdem wirkte alles etwas größer, etwas professioneller als bei früheren Unheilig- Auftritten. Der Bühnenschmuck, der wie immer vorrangig aus einem Meer aus Kerzen bestand, sowie die Kulisse, ein roter, großer Schiffsbug, erfuhren nun ihren Einsatz auf der Blackfield- Bühne. Im Hintergrund war – wie schon am Vortrag bei Front 242 – eine große Leinwand angebracht, auf der teils Videoausschnitte, teils Live- Mitschnitte des Auftritts gezeigt wurden.

Alles wartete und die Stimmung lud sich immer mehr mit Spannung und Erwartungen auf. Als der Graf dann endlich die Bühne betrat, waren die Fans nicht mehr zu halten. Mit ?Das Meer? vom neuesten Unheilig- Machwerk leitete der stets im Anzug gekleidete Graf in einen Abend mit einer Menge musikalischem Tiefgang ein. Von tanzbaren, bass- und gitarrenlastigen Songs wie dem Kracher ?Freiheit?, dem rhythmusstarken ?Maschine? oder ?Spiegelbild? bis hin zu aufrichtigen, emotionalen Balladen wie ?An deiner Seite?, ?Astronaut? oder dem Riesenerfolg ?Geboren um zu leben?, mit Platz 2 in den deutschen Charts gewürdigte Singleauskopplung des neuen Albums – es war alles dabei, was das hungrige Fanherz begehrte. Natürlich durfte auch der Hit zum gleichnamigen Album ?Große Freiheit? nicht fehlen.

Setlist:
01. Das Meer
02. Seenot
03. Spiegelbild
04. Unter deiner Flagge
05. Abwärts
06. An deiner Seite
07. Freiheit
08. Astronaut
09. Sage ja!
10. Große Freiheit
11. Maschine
12. Für immer
13. Geboren um zu leben
14. Mein Stern (Z)

Rundum bot sich also mit Unheilig ein gelungener und würdiger Abschluss eines schönen Festivals in einer angenehmen Atmosphäre, mit netten Menschen und zahlreichen tollen Acts. Danke schön!

See you at Blackfield 2011! 😉

Die kompletten Fotosets der aufgetretenen Bands folgen in Kürze schrittweise und werden entsprechend eingepflegt.


Autorin: Tanja Sunshine
Fotos: Michael Gamon

Kommentar verfassen