NITZER EBB / PSYCHE – Bochum, Matrix (24.02.2010)

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Vor über 20 Jahren haben Nitzer Ebb im Vorprogramm von Depeche Mode bei der Music For The Masses Tour gespielt und 1988 einige der ahnungslosen Synthie Fans attackiert. 2010 stehen diese Bands erneut zusammen auf der Bühne. Die freien Abende nutzen Nitzer Ebb, um ihr aktuelles Album ?Industrial Complex? live in einigen Clubs die auf dem Weg liegen zu spielen.

Es ist nicht schwer für Nitzer Ebb einen passenden Support zu finden. Psyche. Darrin Huss, selbst ein Urgestein der elektronischen Musik mit über zwei Jahrzehnte langer Bühnenerfahrung, weiß wie man einem hungrigen Publikum die Vorspeise serviert.

Wenn Darrin Huss eine Bühne betritt ist von einem gut gelaunten Sänger auszugehen, so auch heute Abend. Gleich mit den ersten Synthieklängen und dem typischen Psyche Gesang herrscht Stillstand und Ruhe in den ersten Reihen. Alles lauscht den altbekannten Songs die den Kanadier seit vielen Jahren begleiten. Die Psyche Setlist liest sich wie eine Best Of Zusammenfassung, heute allerdings in einer gekürzten Version. ?The Beyond? ?Gods And Monsters? werden den Bochumern nicht vorenthalten. Darrin Huss tanzt ausgelassen, rudert mit den Armen zum Takt und schaut im nächsten Augenblick verträumt in den Scheinwerferhimmel. Joy Divison werden einige Minuten gewidmet und ?Disorder? wird in das Psyche Songmaterial im wohlbekannten Elektrosound gepackt. Gitarrenlos und in einer ruhigeren Gangart behält das Stück seinen Widererkennungswert und sorgt für weitere tanzbare Augenblicke. Gleich im Anschluss gibt es das nächste Cover, dass eigentlich schon keins mehr ist und seit vielen Jahren bei keinem Psyche Konzert fehlt. ?Goodbye Horses? hinterlässt bei den Fans den gleichen zufriedenen Gesichtsausdruck, wie beim Künstler selbst.

Setlist Psyche:
01. The Beyond
02. Gods And Monsters
03. 15 Minutes
04. Eternal
05. Sanctuary
06. Disorder
07. Goodbye Horses
08. Unveiling The Secret
09. The Hiding Place

Bis sich im Matrix das Licht zum zweiten Mal verdunkelt wird der Platz vor der Bühne um einiges enger und die Raumtemperatur steigt nach oben an. Und das ist erst der Anfang. Das lange Intro lässt die nächsten Augenblicke, bis etwas passiert, endlos erscheinen. Nach einer gefühlten Unendlichkeit treten erst Bon Harris und Jason Payne in die Dunkelheit. Die elektronischen Beats schlagen ?Promises? und schießen blubbernd durch den Club. Dann endlich erscheint auch der dritte Mann im Bunde und die Besetzung ist nun komplett.

Wenn man mit Depeche Mode unterwegs ist wird zur Feier des Tages auch das beste Kleidungsstück mitgenommen und das allbekannte NEP Bühnenoutfit zuhause gelassen, Douglas McCarthy hat es gegen einen schicken dunklen Anzug eingetauscht. Nur die Sonnenbrille darf nicht fehlen. Aber das ist alles nur Fassade, im Innern hat sich nichts geändert. Gar nichts. Alles geht so ab wie immer. ?Fast Fall The Hands? ein paar Worte reichen völlig aus, um mit dem nächsten Song einen Pogo-Rundumschlag zu verursachen. So aufgeheizt, pellen einige Fans ihre erste Schicht Klamotten ab. Ruhelos im Stechschritt hastet McCarthy von einer zur anderen Bühnenseite bleibt kurz stehen und die nächste Textzeile wird dabei in den Raum geworfen. Die tanzenden Fans sind in ihrem Element. Die beiden Klangerzeuger bleiben an ihren analogen und elektronischen Drums im Hintergrund. Bon Harris wirbelt alles auf, drischt erbahmungslos auf sein Instrument ein. Kollege Jason Payne macht hingegen einen ziemlich gelassenen Eindruck. Jeder Drumschlag wird mitgestampft, nur die Hardcore Fans pogen in den ersten Reihen. Die anderen verfolgen es aus sicherer Entfernung und genießen mit. ?Lightning Man? , ?For Fun?, McCarthy hält nicht an, die Meute geht mit nach vorne. Die Show ist minimal aber effektiv. Wenig Worte, aber kleine Gesten und die Hand immer an der richtigen Stelle sagen mehr aus als große Ansagen.
Songs wie ?I Am Undone" oder ?Down On Your Knees" des aktuellen Longplayers ?Industrial Complex? hauen genauso rein wie die Klassiker. Beides sorgt nach ca. zwei Stunden für viel verschwitzte Freude.

Und an diesem Abend bleibt niemand schockiert zurück als die letzten Klänge von ?I Give To You? durch das Mauerwerk des Matrix dringen und die letzte Ansage heißt: We Are Nitzer Ebb!

Setlist Nitzer Ebb:
01. Promises
02. Let Your Body Learn
03. Shame
04. Hearts & Minds
05. Once You Say
06. Lightning Man
07. For Fun
08. Hit You Back
09. Blood Money
10. Payroll
11. Godhead
12. I Am Undone
13. Warsaw Ghetto
14. Down On Your Knees
15. Murderous
16. Control I’m Here
17. Join In The Chant
18. Getting Closer (Z)
19. Fun To Be Had (Z)
20. I Give To You (Z)

Bilder des Konzerts befinden sich in unserer Concert-Pictures Sektion (für Bildkommentare muss man aus Spamverhinderungsgründen leider angemeldet sein) oder direkt hier durch Anklicken des jeweiligen Bandfotos:

Nitzer Ebb:

Psyche:

Autorin : Martina Peitz
Fotos: Michael Gamon

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