ARCHIVE / BIRDPEN – Bochum, Zeche (16.01.2010)

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Ende letzten Jahres befand ich mich in einer Zwickmühle, denn nur knapp 50 Meter voneinander entfernt spielten in Köln zur gleichen Zeit Archive im E-Werk und Massive Attack im gegenüber gelegenen Palladium und so musste eine Entscheidung zugunsten des einen, und gegen das andere Konzert her. Ich entschied mich seinerzeit ?auch weil man sie in hiesigen Gefilden seltener zu sehen bekommt- für Massive Attack und damit zwangsläufig leider gegen Archive. Umso glücklicher war ich, als ich kurz darauf feststellte, dass ich offensichtlich die richtige Wahl getroffen hatte, denn neben der Tatsache, dass Massive Attack vollends zu überzeugen wussten, wurde ein weiteres Archive Konzert in NRW angekündigt und zwar in Bochum für Mitte Januar des dann noch frischen Jahres 2010, also alles richtig gemacht! Am 16.01.2010 war es also soweit und es ging Richtung Bochum um das Versäumte nachzuholen, wovon mich auch der angekündigte starke Schneefall nicht abhalten konnte.

Alles war an diesem Abend genauestens durchgeplant und da für 23 Uhr eine Disko im Konzertsaal angesetzt war, begann der Konzertabend bereits um geradezu unchristliche 19 Uhr. Trotzdem war die Zeche zwar wohl nicht komplett ausverkauft, aber doch sehr gut gefüllt. Im Vorprogramm agierten Birdpen, zwei Musiker mit zunächst sehr ruhigen, melancholisch-atmosphärischen Songs im Gepäck. Nach einer Viertelstunde wurden die beiden von einem Schlagzeuger unterstützt, was den Songs deutlich mehr Dynamik verlieh. Es wurde nun erst etwas elektronischer, dann brach der Schrammelrock über die Bühne herein. Wirklich schön, wie die Band dies aufbaute. Leider dauerte der Auftritt nur sehr kurze fünfundzwanzig Minuten, wofür es aber eine einfacher Erklärung gab, denn hinter Birdpen-Frontmann Dave Pen verbirgt sich Dave Penney, seit 2004 einer der Hauptakteure bei Archive und für den Auftritt des Mainacts hatte er sich verständlicherweise noch ein bisschen Puste übergehalten. Diese Pause sei ihm gegönnt.

Pünktlich um acht Uhr ging es mit dem Headliner des heutigen Abends los: Archive aus London! Archive gehören zu jenen Bands, die geschickt verschiedenste Stile miteinander vermengen und als beeindruckendes Ganzes servieren. Sie verbinden Elemente aus dem Trip Hop, Rap, Wave, Electronic und Progrock zu einem hypnotischen Sound, welcher durch wechselnde weibliche (dargeboten von Maria Q) und männliche Stimmen garniert wird und auch vor Rap-Anleihen durch Rosko John nicht halt macht. Dabei sind treibende Drumbeats und Synthie-Klangteppiche ihre absolute Spezialität, der sie auch ausgiebig auf der Bühne frönen und ihren Songs dadurch live noch mehr Raum zur Entfaltung geben. Das Lineup wird ständig gewechselt, Musiker kommen und gehen und das Set dadurch spannend gehalten. Untermalt werden die Klanggemälde beizeiten von sich über die Rückwand spannende Videoprojektionen. Applaus brandet eigentlich stets nur nach den Songs auf, denn während der Lieder lauscht das Publikum andächtig dem Gebotenen. Bis, ja bis nach einer Stunde ?Fuck U? ertönt und fast das gesamte Publikum lautstark mitsingt. ?Fuck U? ist natürlich der Hit der Band und neben ?Finding It So Hard? auch ein absolutes Highlight der heutigen Show. Nach fast eineinhalb Stunden wurden langsam die Zugaben eingeläutet und man ließ zunächst die beiden Keyboarder alleine auf die Bühne, bevor sie natürlich nach und nach wieder die notwendige Unterstützung der anderen bekamen und sich ?Lights? immer weiter aufbaute und seine einnehmende Wirkung voll entfaltete. Es folgten vier reguläre Zugaben an deren Ende nach knapp zwei Stunden ?Pulse? stand. Auch wenn ?Again? in der Setlist leider fehlte, war es ein starkes Konzert einer sehr talentierten Band und ich fuhr glücklich nach Hause ? wieder alles richtig gemacht!

Setlist:
01. Pills
02. Sane
03. Finding It So Hard
04. Razed to the Ground
05. Collapse/Collide
06. Clones
07. Bastardised Ink
08. Kings Of Speed
09. Fuck U
10. Lines
11. Blood In Numbers
12. You Make Me Feel
13. Dangervisit
14. Lights
15. Controlling Crowds (Z)
16. Bullets (Z)
17. So Few Words (Z)
18. Pulse (Z)

Bilder des Konzerts befinden sich in unserer Concert-Pictures Sektion (für Bildkommentare muss man aus Spamverhinderungsgründen leider angemeldet sein) oder direkt hier durch Anklicken des jeweiligen Bandfotos:

Archive:


 Birdpen:


 

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