AMY MACDONALD / THE GOOD MORNING DIARY – Bonn, Museumsplatz (04.09.2009)

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Eine der letzten Möglichkeiten, Musik in diesem Sommer draußen zu erleben, bot der Auftritt der Schottin Amy MacDonald auf dem Bonner Museumsplatz. Weil die Lage zwischen Kunstmuseum der Stadt Bonn und Kunst- und Ausstellungshalle sehr schön ist, sind Open Air Konzerte da eine tolle Einrichtung. So spielten auch in diesem Sommer wieder viele namhafte Künstler unter dem Muscheldach: die Simple Minds, Gentleman, Brian Wilson, Clueso, Josh Stone oder Crosby, Stills & Nash und zum Abschluss eben mit Amy MacDonald die Newcomerin der letzten Jahre.

Die Karriere, die die Sängerin seit drei Jahren hingelegt hat, ist atemberaubend. Mit ihren zum Teil in frühster Jugend geschriebenen Liedern wurde sie zunächst in ihrer schottischen Heimat bekannt, begeisterte den Rest der Insel mit Festivalauftritten, bevor sie mit ihrem dann erschienenen Debütalbum auch in Europa wahnsinnigen Erfolg hatte (und hat). Laut ihrer Website ist ?This Is The Life? mittlerweile 2,5mio Mal verkauft worden und war in zahlreichen Ländern auf Platz eins der Albencharts (auch in Deutschland). Trotz dieses Massenerfolgs steckt aber auch noch eine ordentliche Portion Indie in der Schottin. Zum einen klingt Amy live ganz anders als auf der für das Radioohr produzierten Platte, ihre Stimme ist nämlich dann deutlich tiefer. Und zum anderen kann ich mir nicht vorstellen, dass Pop-Perlen wie Kelly Clarkson ihre Songwriter Lieder über Pete Doherty schreiben lassen. Auch wenn sie nicht so klingt, steckt in Amys Debüt eine ganze Menge Indie.

Ihre Konzerte hören sich mittlerweile auch anders – massentauglicher – an. Während der Fokus vor dem großen Durchbruch noch viel deutlicher auf Stimme und Gitarre der Sängerin lag (und sie oft solo auftrat), gibt es seit einer Weile eine Band, die scheinbar eine immer wichtigere Rolle spielt. Von dem Klang der sagenhaften WDR2-Aufnahmen, die es mittlerweile sogar bei iTunes gibt, ist die Musik heute meilenweit entfernt. Aber sie ist natürlich noch gut – nur anders, radiokompatibler.
Besonders angenehm an Open Air auf dem Bonner Museumsplatz ist die entspannte Atmosphäre. An der Menge der Schwarzhändler gemessen, schien das Konzert ausverkauft zu sein, obwohl überall noch reichlich Platz war. Im vorderen Bereich des Platzes sind Ess- und Trinkstände, die perfekt organisiert sind. So etwas wünscht man sich häufiger bei Draußen-Veranstaltungen.

Den Auftakt machte ein Hamburger Singer-Songwriter mit Band. The Good Morning Diary nennt sich das Projekt. Die Musik, die gut ankam, klang nach englischen Gitarrenbands und war nett bis auf ein paar Längen. Dafür, dass das Konzert das erste der Band in ihrer Karriere war, trat sie verflucht professionell auf. Nur einmal überkam es den Sänger. Als er die Website nannte, verpatzte er das und vergaß die Hälfte. Wir holen das gerne nach: www.thegoodmorningdiary.com ist sie.

Gegen halb neun begann dann der Hauptteil. Während man bei den letzten Konzerten noch beim Aufbau auf Schnickschnack verzichtet hatte, sah die Bühne jetzt schon nach (kommendem) Superstar aus. Hinter Amy hatte man rechts und links des Schlagzeugs Trommelbecken aufgebaut, auf denen je ein Buchstabe ihres Namens stand. Dies wurde beleuchtet und machte mächtig Eindruck (eine ganz lustige Episode noch dazu: als Amy sich artig für die vielen CD Verkäufe bedankte, zoomte ein pfiffiger Kameramann auf die Kreise mit dem "C" und "D", die dann auf den Videobildschirmen zu sehen waren). Nur eins funkelte noch mit diesen Lichteffekten um die Wette: Amy. Die Sängerin hatte ein stark glitzerndes Kleid an, dazu jetzt blonde Haare und sah aus, wie Popstars auszusehen haben.

Das Konzert begann mit ?Poison Prince?, ihrem Pete Doherty Lied. Amy MacDonald nennt die Libertines eine ihrer Lieblingsbands. Viele ihrer Stücke handeln von realen Personen; auch ?L.A.? oder ?Footballer’s Wife?, die auch am Anfang gespielt wurden. Das erste nicht eigene Lied hatte dann wieder mit ihren liebsten Bands zu tun: ?Mr. Brightside? von den Killers (in Amys Schottisch war der Name der Band in der Ansage vollkommen verzerrt!). Amy MacDonald covert diesen Song sehr gerne – und das zu recht, denn ihre Version ist toll, vor allem die erste Strophe, die sie alleine spielt!

Es ging weiter mit Liedern des Albums (darunter einer neuen, rockigeren Version von ?A Wish For Something More?), bis mit ?The Next Big Thing? ein neuer Titel folgte. Die Sängerin hat diesen Song seit letztem Jahr im Programm und spielt ihn wohl auch regelmäßig. ?The Next Big Thing? hat eine eingängige Melodie und passte sich prima in das restliche Programm ein. Obwohl es kaum jemand kannte, kam das Lied beim dankbaren Publikum gut an.

Apropos Publikum: Amy MacDonald scheint wirklich vollkommen unterschiedliche Menschen anzuziehen. Das Spektrum der Zuschauer war weit gefächert. Viele Kinder mit ihren Eltern waren da, ältere Leute, quer Beet gemischt. Amy wunderte das auch, sie sagte, ihre Musik spreche wohl alle möglichen Gruppen an. Vollkommen richtig!
Mit ?The Road To Home? und ?Run? endete das Konzert nach knapp 55 Minuten sehr früh. Aber sehr schnell kam die Sängerin zurück – erst alleine. Nur mit ihrer akustischen Gitarre spielte sie als erste Zugabe ein hervorragendes Cover des Bruce Springsteen Klassikers ?Dancing In The Dark?. Auch das war nicht neu, es war aber wirklich sehr gut!

Auch das nächste Lied war ruhig, dann aber wieder mit Band. ?Troubled Soul? ist das zweite neue Stück, das die Schottin seit 2008 spielt. Es erinnert musikalisch ein wenig an ?Footballer’s Wife?. Leider wurde dieser schöne Titel durch ein paar Aufmerksamkeit suchende Schreihälse auf einem zur VIP Loge umfunktionierten Balkon der Ausstellungshalle zumindest für Amy kaputtgemacht. "Ihr habt mit eurem Amy-Schreien das ganze Lied ruiniert!" gab die Sängerin den "Fans" mit. Da lagen dann die Nerven ein wenig blank, kein Wunder nach drei Jahren Tour. Vom lächeln hielt sie dies aber trotzdem nicht ab.

?Let’s Start A Band? beendete dann dieses wirklich schöne Konzert nach 70 Minuten. Ganz sicher war das eine der letzten Möglichkeiten, die Sängerin relativ klein zu sehen. Wird ihr zweites Album ähnlich gut wie das erste, wird die kommende wohl eine Sporthallen-Tour.

Bilder des Konzerts befinden sich in unserer Concert-Pictures Sektion (für Bildkommentare muss man aus Spamverhinderungsgründen leider angemeldet sein) oder direkt hier durch Anklicken des jeweiligen Bandfotos:

Amy MacDonald:


The Good Morning Diary:

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