Dear Wolf – The Falldownstandup

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Dear Wolf – The Falldownstandup

Dear Wolf aus Krefeld wurden 1988 zunächst unter anderem Namen gegründet und gehörten Anfang der neunziger Jahre zur Speerspitze des deutschen Indie/Alternativesektors. Die Band verdiente sich durch solch Perlen wie "Summer Train", "Marie Ann" oder "Lost" spielend leicht die Prädikate "Kult" und "Klassiker" und selbst die zu dieser Zeit aufkommenden Musiksender MTV und VIVA kamen an den sympathischen vier nicht mehr vorbei.

Nach dem 1997 erschienenen Album "Laundry" wurde es still um die Band und erst zehn Jahre später vernahm man ein erneutes Lebenszeichen, als Dear Wolf in der Krefelder Kulturrampe wieder live auftraten. Jetzt, einige handverlesene Konzerte später, erscheint auch endlich das vielerwartete neue Album, das auf den interessanten Namen "The Falldownstandup" hört und erstmals beim Echozone-Label erscheint.

Das Album beginnt gleich mit einem Paukenschlag, wenn bei "Vaulting Horse" ein treibendes, halbminütiges Gitarren/Schlagzeug-Stakkato einsetzt. Die Rhythmik ist hier eher den typischen Rockmustern entnommen und ich vermisse den gewissen "Groove", der Dear Wolf Songs seinerzeit innewohnte. Doch die Befürchtung, man würde jetzt in den Mainstream abdriften, ist zum Glück unbegründet. Über den Songs schwebt noch immer die unverwechselbare Stimme von Sänger Alexander Classen, so dass der Wiedererkennungswert nach wie vor sehr hoch ist und die groovige Rhythmik vergangener Tage kehrt auch schon im zweiten Track "Sister Ray" zurück, bei dem sich Alexander mal relaxed, mal äußerst rockig artikuliert. Der Song ist durch ein plötzliches Break unterbrochen und zieht so die Aufmerksamkeit rechtzeitig zum eingängigsten Track des Albums "How Did You Know" vollkommen auf sich. "How Did You Know" setzt sich gleich im Gehörgang fest und gehört eindeutig zu den stärksten Songs des Albums.

Ebenfalls nach vorne geht "For Sure", bevor es bei "Falling Star" etwas ruhiger zur Sache geht und die Musik in dieser kleinen Auszeit wieder etwas mehr Raum zum Atmen bekommt. "The Will To Fly" stellt für Dear Wolf einen ersten Ausflug in den Bereich des Funk-Rocks dar, bei "Yeah, Yeah, Yeah" ist man dann aber wieder auf gewohntem Kurs und auch die von Alexander geschriebenen Texte passen in diesem Zusammenhang ideal zum Albumaufbau, wenn er "they say what’s gone is gone – I don’t believe in that – see me turning round – see me coming back" und "No I’m not coming down – I’m gonna be the one – be the one you know" singt. Der Song baut sich ganz ruhig auf und wird zum Ende hin druckvoller und in der finalen Aussage sehr deutlich.

Der nachfolgende Track "Superstar" wirkt durch den hier verwendeten hohen Gesang schon fast, als wäre er den siebziger Jahren entsprungen. Stimmlich deutlich dunkler geht es bei der Ballade "The Deep" weiter, bevor "Life Is A Grand" das Tempo noch einmal ordentlich anzieht. Das wunderschöne "Rollercoaster" schließt das neue Album der Wölfe eindrucksvoll ab. Guido’s schleppender Bass gibt gemeinsam mit den vorsichtig beigesteuerten Drumeinlagen von Oliver den groovenden Rhythmus vor, zu dem Alexander sein Herz ausschüttet und Martin kurze Gitarrenriffs aufheulen läßt, bevor der Song und damit das aktuelle Album langsam ausklingt.

"The Falldownstandup" ist ein Album geworden, das erst nach mehrfachem Hören seine gesammte Schönheit entfaltet. Hatte ich das Album nach dem ersten Durchgang noch als "Mainstream" abstempeln wollen, hat es mich bei vermehrtem Genuss doch gepackt. Auch wenn das Album für mich -vielleicht auch wegen des damit verbundenen Kultfaktors- nicht ganz an alte Meisterwerke der Krefelder heranreicht, so ist es aber doch ganz sicher ein Highlight unter den aktuellen Veröffentlichungen und beweist (wie z.B. die göttlichen Labelkollegen Dead Guitars) erneut, dass am Niederrhein zum Teil verdammt gute Musik gemacht wird.

Tracklist:
01. Vaulting Horse

02. Sister Ray
03. How did you know
04. For sure
05. Falling Star
06. The will to fly
07. Yeah, Yeah, Yeah
08. Superstar
09. The Deep
10. Life is a grand

11. Rollercoaster

Bewertung : 8,5 / 10 Punkte

Autor : Michael Gamon

Vernetzte Themen : Dear Wolf Konzertfotos

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