The Notwist – The Devil, You + Me

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The Notwist – The Devil, You + Me

Es gibt Bands über die man nichts in aller Welt kommen lassen würde. Ihre Ehrlichkeit und Liebe zur Musik ist grenzenlos, – ja fast über jeden Zweifel erhaben. So jedenfalls mutet es an, wenn sie in den raren Momenten ihrer Bandgeschichte wieder die Aufmerksamkeit in Form einer Albumveröffentlichung auf sich lenken und dabei für Medienhysterie und Trendanpassungen nur ein Schulterzucken übrig haben. Zwei dieser Bands kehren nun nach Jahren der Abstinenz (Nebenprojekte und Solopfade mal ausgenommen) fast auf den Tag genau zurück und geben einen schon von Anfang an ein wohliges Gefühl mit auf den Weg, noch bevor man überhaupt einen Ton des neuen Werkes vernommen hat.

Die Rede ist natürlich von den Trip Hop Ikonen Portishead und den Klangtüftlern von The Notwist. Befassen wollen wir uns jedoch mit der Rückkehr der Weilheimer Knisterpopakrobaten, die zugegeben mit sechs Jahren Enthaltsamkeit, im Gegensatz zu ihren britischen Kollegen, noch ganz gut wegkommen. Nach dem Erfolg von ?Neon Golden? ersparen sich wohl auch die einleitende Worte zur Band selber. So haben sie in Indie-Kreisen mit ihrem letzten Album den Sprung vollzogen, auch noch den letzten Musikinteressierten über die Landesgrenzen hinaus für sich zu gewinnen.

Ihre Vielfältigkeit jedes Album irgendwie neu und anders klingen zu lassen ist dabei sicher der Anreiz sich auch als Quereinsteiger mit dem Backkatalog der Band zu befassen. Dabei war es zuletzt der Spagat von Rock und Elektronik, den ?Shrink? und ?Neon Golden? mit Bravour bewältigten. Das eine Werk mehr noch mit jazzigen Elementen versehen, setzte man zuletzt doch recht poppige Akzente. Stellt sich demnach die Frage wo sich die Band musikalisch heute, sechs Jahre später, befindet. Oder anders: Wo würde man The Notwist heute gerne sehen?

Der zum kostenlosen Download freigegebene erste Song und gleichzeitig Opener des neuen Albums soll hierbei das Geheimnis um den nun eingeschlagenen Weg der Gebrüder Acher und Martin Gretschmann lüften. Die zum Trio geschrumpfte Band (Schlagzeuger Mecki Messerschmidt verließ The Notwist im vergangenen Jahr) lässt sich in diesem Song noch nicht wirklich aus der Reserve locken und beschreitet die Rückkehr mit vertrauten Klängen, wie man sie auch auf ?Neon Golden? hätte finden können ? Markus Achers zurückhaltender Gesang, hauptsächlich begleitet von Gitarre und sehr dezent eingesetzter Elektronik.

Interessanter zeigen sich da schon die nachfolgenden Stücke wie die erste Single ?Where In This World? die nach einem tobenden Celli-Intro eine sehr elektronische Seite aufweißt und zum ersten Mal deutlich macht wo The Notwist nach sechs Jahren wirklich angekommen sind. Denn eine der Neuerungen des Albums ist hierbei die Zusammenarbeit mit dem Berliner Kammerorchester dessen Vorteile nun klar auf der Hand liegen. Dabei spinnen die drei Übriggebliebenen wieder alle Feinheiten aus, schmiegen sich in langsameren Songs (?The Devil, You + Me?, Sleep, Gone Gone Gone), sowie in fordernderen Stücken (?On Planet Off?, ?Hands On Us?) stets nah an den Hörer.

"Your Alphabet", angeführt von einem fast nicht enden wollenden
Schlagzeugtakt und verspielter Elektronik, bricht mit sägenden Gitarren nach
vorn, bevor es im Titelsong zu "The Devil, You + Me" wieder ruhiger und
heimischer wird. Das hier gespielte Glockenspiel im Mittelteil des Songs tut
dann sein übriges sich wieder in den Kosmos von The Notwist einzufinden.
Gerade diese unterschiedlichen Facetten sprechen letztendlich nicht nur seit
diesem Werk für die Weilheimer. Dennoch: Fragen bleiben auch nach über der
Hälfte der Spielzeit des Albums noch offen.

?The Devil, You + Me? macht es im Detail seinen Vorgängern gleich und schafft es sogar mit dem Kammerorchester die Karten wieder neu zu verteilen. Songs wie ?Pilot? oder ?Pick Up The Phone? wird man hier vergebens suchen. Aber die braucht es auch gar nicht. Die Grundstimmung die das Album in sich trägt ist eine wesentlich ernstere, wenn nicht sogar dunklere als auf ?Neon Golden?. Mutiger hätte man mit dem Einsatz des schon oft angesprochenen Kammerorchesters umgehen können, zu oft lässt sich Achers Gesang einfach nur von Gitarre und Elektronik begleiten, was den Gesamteindruck leider etwas trübt. Abschließend ein typisches und auch gelungenes The Notwist Album, welches aber deutlich seinen Platz hinter ?Neon Golden? finden wird.


Tracklist:

01. Good Lies
02. Where In This World
03. Gloomy Planets
04. Alphabet
05. The Devil, You + Me
06. Gravity
07. Sleep
08. On Planet Off
09. Boneless
10. Hands On Us
11. Gone Gone Gone

Autor : Thomas Tröger

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