Amphi Festival 2007 (21./22.07.2007)

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Wie schon im letzten Jahr fand das nunmehr dritte Amphi Festival erneut am Kölner Tanzbrunnen statt und auch im Jahre 2007 lockten die Veranstalter mit einigen Top-Acts aus den verschiedensten Bereichen der "dunkelen Szene". Einem Ruf dem bei annähernd idealem Festivalwetter 31 Bands und an beiden Tagen jeweils 9.000 begeisterte Fans folgten. Wie auf Festivals dieser Größenordnung üblich wurde letzteren auf der wunderschönen Anlage zu Füßen des Messeturmes auch einiges an Rahmenprogramm geboten: Für das leibliche Wohl wurde ebenso gesorgt wie für den Drang nach Neuausstattung der eigenen Gaderobe mit allem was das schwarze Herz begehrt. Dazu Autogrammstunden mit den auftretenden Bands und zwei Bühnen (Mainstage und das Theater in dem am Samstag die Industrial/Elektro- und am Sonntag die Gothic-Stage angesiedelt war) auf denen, abgesehen von alles in allem äußerst kurzen Umbaupausen, ständig Action war. Einziger Wermutstropfen war die locationbedingte frühe Sperrstunde von 22 Uhr, die gerade den Headlinern des samstags zu schaffen machen sollte. Präsentiert wurden die Bands auf der Mainstage an beiden Tagen von niemand Geringerem als Honey (Welle:Erdball), der, als kleines Schmanckerl, jede Band in einem anderen Outfit ansagte.

Nachdem OBSCENITY TRIAL die Veranstaltung musikalisch eröffnet hatten und die Band Bloodpit am Abend zuvor absagen musste, begann der vielbeachtete Auftritt von DIORAMA [Gallery] früher als erwartet, was zu einigen verwirrten Gesichtern in der nach und nach heranströmenden Fanschar führte. Der Stimmung vor und auf der Bühne tat dies aber keinen Abbruch. Diorama überzeugten mit einem gekonnten Set ihres musikalischen Schaffens und kaum ein (unausgesprochener) Wunsch blieb unerhört, zumal die Band ihren Auftritt wegen des Ausfalls von Bloodpit auch offensichtlich etwas strecken konnte.

Im Anschluß folgte bereits der Auftritt der aus der Band Megaherz hervorgegangenen EISBRECHER [Gallery], da Imatem noch im Stau standen und ihren Set somit nach hinten verlegen mussten. Die Eisbrecher um Frontman Alexx hatten ihr Publikum von Beginn an im Griff und überzeugten mit modernem, elektronischem Rock jenseits gängiger Metal-Klischees und bewiesen sogar, ob des vielfach herangezogenen Vergleichs zur Formation Rammstein, eine Menge Selbstironie als sie deren Song "Heirate Mich" erst anstimmten und dann nach knapp 30 Sekunden mit den Worten "oh, falscher Song" wieder abbrachen.

Aufgrund es knappen Zeitplans blieb daraufhin nur die Möglichkeit zu einem kurzen Besuch des P.A.L.-Auftritts [Gallery] im Theater. Ein guter Set mit tanzbaren Beats auch wenn die Bühnenshow bei einem Ein-Mann-Elektro-Act natürlich recht schlicht ausfiel. Nach einigen Liedern wurde es daher Zeit für den Auftritt des in der Zwischenzeit eingetroffenen Projekts IMATEM [Gallery], bei dem es sich um niemand Geringeren als Peter Spilles (Project Pitchfork) handelt, der hier den mit Project Pitchfork eingeschlagenen Weg in einer Art experimentellem Seitenarm weiterführt und sich wie schon beim Debutalbum "Home" zur Unterstützung seines ersten Live-Auftritts einige Freunde eingeladen hatte. Zu den auftretenden Gästen gehörten Falk Lenn, Carsten Klatte (Lacasa Del Cid) und der Graf (Unheilig). Lediglich die ebenfalls auf dem Album vertretene miLù fehlte in Köln. Alles in allem ein sehr gelungener erster Auftritt eines Projektes, das sich anschickt seinem "Vater" den Rang abzulaufen.

Zur nachfolgenden Band muss man dann wieder nicht allzuviele Worte verlieren, ist der Sound von FUNKER VOGT [Gallery] doch hinlänglich bekannt und die Mannen um Jens Kästel und Gerrit Thomas enttäuschten ihre Anhänger in keinster Weise und bewiesen mit Hits wie "Tragic Hero" und "Gun Man", um nur einige zu nennen, dass sie eine Bühne mit ihrer unterhaltsamen Show ordentlich zum beben bringen können.

Nach den Mainstage-Auftritten von UNHEILIG [Gallery], bei denen die Fans zuvor auf der Bandhomepage abstimmen konnten welche Songs gespielt werden sollten, was natürlich zu einem de facto Best Of gig führte und nach ASP [Gallery] war dann wieder ein Besuch im Theater Pflicht, denn dort hatte man eine der wenigen Möglichkeiten, FEINDFLUG [Gallery] mal wieder auf deutschen Festivalbühnen bewundern zu können. Dementsprechend gut gefüllt war das Theater und die Band heizte dem Publikum mit ihren bewährt harten Drumeinlagen und gelegentlichem Gitarreneinsatz vom Start weg deftig ein. "Roter Schnee" ebnete den Weg der sich durch alle Schaffensphasen der Band zog, der jedoch ein jähes Ende erfuhr, als man den Chemnitzern während der Performance den Strom abschaltete und damit das Tagesprogramm im Theater beendete.


Zu einer ähnlichen Anfangsszeit geplant, aber durch einige technische Probleme bedingt verspätet, betraten mit FRONT 242 [Gallery] die Headliner des ersten Festivaltages die Hauptbühne und die Belgier machten gleich nachdrücklich klar, dass sie sich diesen Spot auch verdient hatten. Etwas gealtert aber dadurch nicht weniger agil fegten R23 und Daniel B. über die Bühne und begeisterten ihre Fans mit Hits aus der gesamten Bandhistorie, gespickt mit Klassikern der Elektroszene.  Doch leider wurden auch Front 242 ein Opfer der frühen Sperrstunde, durch die der Set nach dem verzögerten Beginn notgedrungen deutlich verkürzt wurde. Das dem Act dies offensichtlich nicht behagte war an einer Reihe von Abstimmungsprozessen bezüglich der noch möglichen Setlist zu erkennen. Und so half auch alles betteln der Anhänger nichts mehr, nach "Headhunter" war endgültig Schluß. Einem Nachkommen der vielfachen Zugabeforderungen war wegen der örtlichen Bestimmungen nicht möglich und so verließen die Besucher das Gelände im Anschluß trotz gelungenem Tagesgeschehen zwar mit gemischten Gefühlen aber absolut glücklich.

Tag 2 begann mit PORTION CONTROL die sich viele Freunde verschafften und sehr gut angenommen wurden. Um Freunde schien sich die zweite Band der Hauptbühne dann offensichtlich keine Sorge mehr machen zu müssen, denn eine bessere Stimmung als bei SALTATIO MORTIS sah man selten bei diesem Amphi Festival und so wurde die Mannheimer Mittelalter-Combo ihrem Motto "Wer tanzt, stirbt nicht" mehr als nur gerecht, es wurde gefeiert als gäbe es kein Morgen mehr.

Auch in der Folgezeit blieb es mittelalterlich, denn das Elektronik-Mittelalter-Projekt HEIMATAERDE [Gallery] um Gründer "Ash" betrat die Mainstage. Heimataerde -benannt nach einem Ort in dem Vampire sich auf ihre Reinkarnation vorbereiten- erzählten auch auf der Bühne die Geschichte des Tempelritters Ashlar von Megalon in musikalischer Form und bedienten sich dabei elektronischer Musik mit Mittelaltereinflüssen. Das Outfit der Livecrew war dementsprechend ritterlich ausgestattet und gegen Ende wurde sogar ein kurzer Schwertkampf dargeboten. Ob der dem Auftritt zugrundeliegenden Geschichte vermag es nicht zu verwundern, dass Sänger Ash über eine Art Vampirgebiss verfügte und sich später einen "Blutdrink" schmecken ließ. So wirkte das Ganze auf die einen etwas klischeehaft, während andere von der Show und des Konzepts restlos begeistert waren.

Das Kontrastprogramm dazu im jetzt namentlich absolut passenden Theater: EMILIE AUTUMN [Gallery] beglückten die Zuhörer und -seher mit von der Künstlerin selbst entwickelten bunten Bühnenkleidern und diversen Mobilé-Accessoires zu viktorianischen Elektroklängen, von ihr selbst gerne als "Victoriandustrial" bezeichnet. Stimmlich wurde die gesamte Bandbreite von wispern bis schreien bedient, wobei die Schönheit sich vorallem in den ruhigeren Momenten entfaltete, während die eher kreischenden Töne vielfach für Unbehagen und Zähneknirschen beim Publikum sorgten. Ein ohne Frage polarisierender Auftritt.

Auch auf der Hauptbühne ging es mit der Kölner Symphonic Metalband KRYPTERIA [Gallery] optisch überaus ansprechend weiter. Ji-Chin Cho, Sängerin koreanische Abstimmung, war in ihrem Lack- und Lederoutfit wohl der Blickfang des Festivals. Die Band selbst war zuvor bereits durch ihre Supporterhymne "Na Ga Ja" für die koreanische Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland und ihren Auftritt beim Wacken Open-Air 2006 bekannt geworden und konnte ihren Ruf nachfolgend durch Supporttouren für Deep Purple und Subway To Sally weiter ausbauen. Auch beim Amphi Festival 2007 wurden sicherlich einige Fans hinzugewonnen. Im Theater kam es derweil zu Verzögerungen beim Auftritt von FETISCH:MENSCH, dem neuen Projekt von Oswald Henke, was sich fatal auf den gesamten Zeitplan auswirken sollte. Anfangszeiten auf Hauptbühne und im Theater verliefen von nun an fast deckungsgleich, wodurch so manche Planung über den berühmten Haufen geworfen wurde.

Ihr Fangefolge bereits dabei hatte die bristoler Synthpopband MESH [Gallery] und so konnte die Party auf der Hauptbühne gleich nochmal richtig durchstarten. Mark Hockings und Richard Silverthorne wurden dabei live, wie schon nach dem Ausstieg von Neil Tylor bei den Konzerten Anfang 2007, von Geoff Pinckney (The Nine, Alien Six) begleitet, als Drummer komplettierte Sean Suleman (Seize) das Quartett. Und dies startete gleich richtig durch: "Feuer Frei" oder wie Mesh es nennen "Firefly" setzte ein, ein natürlich mehr als bewährter Opener. In der Folgezeit gab es eine Reise quer durch Mesh-Hits verschiedenster Epochen und selbst ein kompletter Technikausfall beim Song "Crash" konnte die Briten nicht aufhalten und so sang Sänger Mark eben, nur noch akustisch begleitet, einfach weiter, was die Menge frenetisch bejubelte. Nach der Extended-Live-Version von "From This Height" war dann nach knapp 40 Minuten allerdings wirklich schon Schluss, viel zu kurz in den Augen der Anhängerschaft.

Nachdem im Anschluss SAMSAS TRAUM ihren Set beendet hatten, war es Zeit für den Auftritt der Elektropioniere FRONTLINE ASSEMBLY [Gallery] um Frontman Bill Leeb, dem man auch gleich seine gesamte Routine anmerkte und der das anwesende Publikum mit seinen jüngeren Mitstreitern und einer Setlist aus über zwanzig Jahren experimentellem Industrial geradezu wegblies. Verglich er sich beim Betreten der Bühne noch mit Dieter Bohlen, war mit dem Opener "Vigilante" danach sogleich Volldampf angesagt und es blieb kaum Zeit zum ausruhen, denn es folgten Hits wie "Liquid Seperation", "Millenium", "Plasticity" oder das zum Abschluss dankend angenommene "Mindphaser". Es macht einfach immer wieder Spaß den Kanadiern zuzuhören und sich dabei vollkommen zu verausgaben.

Als vorletzte Band betraten die Mittelalter-Rocker von SUBWAY TO SALLY die Mainstage und bedienten ihr Publikum mit folkigen Klängen und einer kurzen Pyroshow bevor, parallel zu den frisch reformierten Dreadful Shadows, mit APOPTYGMA BERZERK [Gallery] der Headliner des diesjährigen Amphi Festivals die Bühne betrat und das Publikum sich zum letzten Mal stark wandelte. Sänger Stephan Groth machte dann auch schnell klar, dass die Veranstalter den Headliner-Status zurecht an die beim Amphi exklusiv auftretenden Norweger vergeben hatten. Gleich bei den ersten Tönen brannte die Luft und Stephan Groth peitschte das Publikum unterstützt von Gitarrist Angel immer weiter an. Man bediente Fans der "neuen Generation" mit Titeln des letzten Albums "You And Me Against The World" ebenso wie Fans der "ersten Stunde" durch Songs wie "Deep Red" oder "Burning Heretic" zufriedengestellt wurden. Höhepunkt dieses grandiosen Auftritts war jedoch der Schlußsong "Mourn", den Apoptygma Berzerk mit den Mannen von MESH gemeinsam bestritten und das Festival damit mehr als würdig ausklingen ließen.

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass man leider nur auf einer Hochzeit tanzen kann, verbunden mit der Hoffnung, dass die Spielzeiten der einzelnen Acts durch eine Verringerung der Bandanzahl in Zukunft verlängert werden, um so flexibeler auf Pannen wie bei Front 242 geschehen, reagieren und dem Publikum auch in solchen Fällen mehr von "ihrem" Headliner bieten zu können.

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