Recoil – subHuman (german)

Gesch├Ątzte Lesezeit: 4 Minute(n)


Recoil – subHuman


Tracklisting:

01. prey
02. allelujah
03. 5000 years
04. the killing ground
05. intruders
06. 99 to life
07. backslider

Angesichts des dieser Tage erschienen neuen Albums um Klangvirtuose Alan Wilder wird einem wieder unbewusst dargelegt, wie schnell die Zeit in großen Schritten voraneilt. In Zahlen stehen da ganze 7 Jahre. Eine lange Durststrecke, in der man sich nur spärlich an Gerüchten festhalten konnte und vergebens auf einen Nachfolger zum 2000er erschienen Album "Liquid" wartete. Gerüchte, die sich jedoch Ende des letzten Jahres verfestigten, als im Videoportal Youtube Meldungen zu einem neuen Werk von Alan Wilder höchstpersönlich verkündet wurden. Und letztendlich ging es dann doch recht fix. Das Resultat der vergangenen anderthalb Jahre liegt nun vor uns. Denn diese Zeit sollte man dem neuen Album wirklich zu Grunde schreiben, welche es gebraucht hat, von der anfänglichen Einarbeitung Wilders in die neue Studiotechnik, die Suche nach geeigneten Gastsängern und Kollaborateuren und schließlich die eigentliche Aufnahme.

Die Erwartungshaltungen an das ehemalige Depeche Mode Mitglied sind dabei natürlich hoch. Im Vorfeld konnte man schon über das Tracklisting spekulieren, was mit sieben Songs, lange ausufernde Stücke erahnen ließ. Freilich inszeniert Alan Wilder diese nicht gänzlich neu und knüpft in gewohnter Manier dort an, wo auch schon die beiden vielmals gelobten Alben "Unsound Methods" und "Liquid" ihr Ende fanden. Stellvertretend seien hier natürlich die ausgefeilten Arrangements, die dichte Klangfülle und die detailverliebten Soundlandschaften genannt, über die sich das feingesponnene Geflecht in minutenlangen Songs spannt ohne dabei einmal ein Gefühl der Langeweile aufkommen zu lassen.

"Prey", gleichzeitig auch erste Singleauskopplung, macht dabei schon als Opener deutlich, dass es sich jedoch nicht um eine einfache Wiederholung von Althergebrachten handelt. Jeder einzelne Ton und jedes noch so fragile Geräusch bekommen einmal mehr die Zeit und Sorgfalt die es benötigt um sich voll und ganz zu entfalten. Denn wie die Werksaufschrift "subHuman" schon erkennen lässt, werden diesmal mehr themenbezogene Abhandlungen der Songs zu Grunde gelegt und verleihen dem ganzen einen konzeptionellen roten Faden. Verantwortlich hierfür sind an erster Stelle natürlich die Gastsänger, welche mit ihren oftmals recht politischen Texten, dem Gesamtwerk die Richtung vorgeben und für Alan Wilder wiederum den Ausgangspunkt für die musikalische Komponente geben.

Waren es dabei zuletzt mehrfach Spoken Words Künstler mit denen man zusammenarbeitete, so gastiert nun auf vielen der Tracks Bluessänger Joe Richardson und verleiht dem ganzen einen dunklen und tief im Boden verwurzelten Grundton. Dabei fordern die düsteren Soundscapes und der bluesige, markante Gesang über weite Strecken einiges an Konzentration vom Hörer ab. Dennoch sollte man nicht unbedingt davon sprechen, dass "subHuman" in dieser Art ein schwierigeres Album ist, als seine Vorgänger es jemals waren. So konzentriert man sich hier nur sehr stark in eine Richtung und mischt dem Album eine nicht ganz so ausgewogene Bandbreite an musikalischen Klangbildern bei. Diese machen es zwar nicht einfacher, sich darauf einzulassen, erspielen sich aber konzeptionell gesehen daraus am Ende einen Vorteil. Die rauhe Instrumentierung, die diesmal mehr von organischen Instrumenten bestimmt wird, und der schon angesprochene Gesang, suchen ihresgleichen und sind dabei sicher nicht von Zufall.

So nutzt Wilder diese Ausdrucksform für sich und stellt ihn nicht nur als einfaches Bindeglied zwischen Text und Musik, schließlich ist er das älteste ureigene menschliche Instrument überhaupt, was er sich schon seit seinen Anfängen bei Recoil zur Stärke macht, ihn in den unterschiedlichsten Facetten zu beleuchten und dabei seine Musik ein Stück weit aufzuwerten und voranzutreiben. Die Untermalung der vielschichtigen Elektronikklänge, durch Unterstützung von Schlagzeug, Gitarre und Mundharmonika finden sich hierbei jedoch nicht nur in dunklen und komplexen Songstrukturen wieder, sie lassen bei einem Song wie "Allelujah" sogar ruhigen Ambient zu, um somit wieder etwas Freiraum für die nachfolgenden, weniger zugänglichen Stücke zu schaffen. Schwer erweist es sich jedoch für Gastsängerin Carla Trevaskis, die es neben einen Joe Richardson nicht leicht hat sich zu behaupten, um nicht völlig unterzugehen. Ich möchte sogar meinen, dass man das Experiment hätte wagen können, mit ihm als alleinige Stimme auf "subHuman". Neben diesem eher kleinen Defizit lässt sich am Ende jedoch ein Album erkennen, welches man unbedingt einmal mehr in seinen eigenen vier Wänden genießen sollte, als es mal schnell nebenbei zu hören. So finden sich auch nach mehrmaligen Hören immer wieder Geräusche, die man anfangs so nicht hat wahrgenommen.

Autor : Thomas Tröger

Kommentar verfassen